Radnitzky (eig. Radničky), Familie

Musiker:in

Emerich Franz: * 5.11.1824 Rakonitz, Böhmen, † 25.7.1890 Hernals (Wien XVII). Oboist. Der Sohn eines Fleischhauers war bei seiner Eheschließung am 10.10.1853 in Schottenfeld (Wien VII) mit dem Küchenmädchen Eleonora Rummel (* 11.2.1821 Hosterlitz, Mähren [Hostěradice/CZ], † nach 1890 [Wien?]) Oboist und Korporal des IR.s Nr. 33. Ab spätestens 1874 arbeitete er auch als Kassadiener, ist in den Wiener Adressbüchern aber auch als Musikus bzw. Tonkünstler vermerkt. 1882 übersiedelte er mit seiner Familie aus Neulerchenfeld/NÖ (Wien XVI), wo er seit zumindet 1859 lebte, nach Wien V (Wienstraße 45). Seit November 1888 wohnhaft in Hernals (Pichlergasse 3).

Literatur

  • Trauungsbuch der Pfarre Schottenfeld 1853, fol. 81
  • Sterbebuch der Pfarre Hernals 1893, fol. 174
  • eigene Recherchen (Lehmann’s Adresskalender)

Sein Sohn

Franz Xaver: * 1.4.1855 Wien, † 15.8.1924 Wien. Geiger, Pädagoge, Komponist. R. studierte 1869–73 am Konservatorium der GdM Violine bei bei C. Heißler und J. Hellmesberger sen., Komposition bei F. O. Dessoff sowie Klavierbegleitung bei W. Schenner. 1873 wurde er als 2. Geiger Mitglied des Wiener Hofopernorchesters sowie der Wiener Philharmoniker, 1876 stieg er zum Primgeiger auf. Ab 1878 war R. Exspektant, 1888–94 Mitglied der Wiener Hofmusikkapelle. Nach erfolgreicher Mitwirkung beim Hellmesberger-Quartett (1875/76) gründete er 1878 das R.-Quartett (A. Siebert [Vl. 2], A. Stecher [Va.], Th. Kretschmann [Vc.]), mit dem er bis 1884 als Primgeiger konzertierte. Im selben Jahr erschienen im Wiener Verlag Wetzler seine Neun Wanderlieder nach Texten von Ludwig Uhland. Krankheitshalber wurde R. bereits 1887 pensioniert, war danach aber insgesamt über 30 Jahre als Privatmusiklehrer tätig und trat sporadisch in Kammerkonzerten auf. Am 6.7.1895 Heirat an St. Karl (Wien IV). Trauzeugen waren Franz Conrad v. Hötzendorf und sein früherer Kollege Rudolf Zöllner, pensionierter Bratschist des Wiener Hofopernorchesters und der Wiener Philharmoniker. Gemeinsam mit seiner Frau veranstaltete R. über viele Jahre zahlreiche Hauskonzerte (Hausmusik), hier trat u. a. P. Wittgenstein regelmäßig auf.

Ehrungen

  • 2. Preis beim Concurs f. Vl., Vc., Blasinstrumente, Hf. u. Org. des Konservatoriums der GdM 1871
  • 2. Preis beim Concurs f. Vl., Vc., Blasinstrumente, Org. u. Komposition des Konservatoriums der GdM 1872
  • 2. Preis beim Concurs f. Kl. u. Vl. des Konservatoriums der GdM 1873
  • Ehrenmitglied des MGV Neulerchenfeld.

Werke

Einige Kammermusikwerke, Lieder (Neun Wanderlieder 1884).

Literatur

Dessen Frau

Adele R.-Mandlick (geb. Mandlick, Adelheid): * 18.11.1861 (nicht 1864) Wien, † 22.9.1932 Mödling/NÖ. Pianistin, Musikpädagogin. Die Tochter von H. Merlin und Schwester des Malers und Illustrators August Josef Mandlick (* 8.6.1860 Wien, † 1.6.1934 Wien) erhielt privaten Klavierunterricht bei J. Epstein und trat ab den 1880er Jahren öffentlich auf. Sie konzentrierte sich insbesondere auf zeitgenössische Kammermusik und spielte UA.en von R. Braun, R. Glickh, H. Grädener, C. Horn, G. Jenner, H. Reinhold, H. Rietsch, St. Stocker, A. Sturm, von ihrem Mann Franz sowie besonders häufig von J. Labor, mit dem das Ehepaar eng verbunden war. Ab 1882 regelmäßige Auftritte mit Franz (bzw. mit dem R.-Quartett). Sie pflegte außerdem eine enge Verbindung zum Winkler-Quartett, mit dem sie erstmals 1887 auftrat. Nach dessen Auflösung spielte sie weiterhin häufig mit den ehemaligen Mitgliedern J. Desing, A. Finger, Alexander Fimpel, R. Hummer, Theodor Luka und H. Reinhold. Weitere Kammermusikpartner waren u. a. F. Buxbaum, O. Dachs, J. Donat, Z. Grieger, F. Hellmesberger, Olga von Hueber, Th. Kretschmann, A. Mišek, F. Simandl und N. Wunder-Wierer. Sie gab daneben privaten Unterricht, zu ihren Schülerinnen und Schülern zählten u. a. A. Mahler und deren Schwester Grethe Schindler sowie Marie und Ernestine Ehrbar. Nach dem Tod ihres Mannes führte sie die Hauskonzerte weiter.

Ehrungen

  • Brahms-Medaille

Literatur

  • I. Korotin (Hg.), biografiA 3 (2016)
  • Fremden-Bl. 19.2.1852, 8
  • Wr. Allgemeine Ztg. 31.3.1882, 5, 6.12.1887, 2
  • Die Presse 3.12.1882, 15
  • Wr. Ztg. 22.10.1884, 5, 26.9.1889, 6
  • NFP 21.11.1888, 7, 18.1.1894, 6, 9.7.1895, 8, 4.12.1898, 9
  • Dt. Kunst- u. Musik-Ztg. H. 27 (1889), 226, H. 13 (1891), 130, H. 15 (1891), 151, H. 7 (1897), 84
  • Österr. Musik- u. Theaterztg. H. 13 (1892), 4, H. 2 (1893), 16, H. 9 (1894), 7, H. 7 (1897), 7
  • Dt. Volksbl. 27.1.1894, 2, 6.11.1901, 10, 15.2.1907, 8
  • Ischler Wochenbl. 7.7.1895, 4
  • Illustrirtes Wr. Extrabl. 16.2.1902, 4
  • Die Zeit 17.2.1907, 6
  • Neues Wr. Tagbl. 14.2.1909, 14
  • Badener Ztg. 3.8.1912, 5, 30.4.1923, 3
  • Taufbuch der Pfarre Mariahilf (Wien VI) 1858–62, fol. 246, 385
  • Trauungsbuch 1854–62 der Pfarre St. Stephan (Wien I), fol. 242
  • eigene Recherchen (Lehmann’s Adresskalender; www.anno.onb.ac.at)

Autorinnen

  • Meike Wilfing-Albrecht
  • Monika Kornberger

Letzte inhaltliche Änderung

12.1.2023

Empfohlene Zitierweise

Monika Kornberger, Meike Wilfing-Albrecht, Art. „Radnitzky (eig. Radničky), Familie“ (12.1.2023), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits, https://dx.doi.org/10.1553/0x0001de47 (abgerufen am )

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