Sohn des Instrumentenmachers und Violinisten Johann Georg V., erhielt seine erste Ausbildung bei den Jesuiten und studierte an den Univ.en von Würzburg und Bamberg/D Jura sowie Theologie; erster Musikunterricht durch Franz Xaver Kürzinger. 1770 wurde V. als „kurfürstl. pfälzischer Almosenier“ an den Mannheimer Hof berufen, bald danach Hofkaplan, am 22.11.1772 primizierte er. 1773–75 unternahm er eine Studienreise nach Italien, wo er u. a. Schüler von G. B. Martini und F. A. Vallotti war. 1775 wieder in Mannheim, stieg er hier 1777 zum Vizekapellmeister auf, gründete eine MSch. (Mannheimer Tonschule) und publizierte musiktheoretische Schriften (Harmonielehre), die die Anerkennung der Pariser Akad. der Wissenschaften und der Londoner Royal Society fanden, jedoch in Norddeutschland eher abgelehnt wurden. 1784 1. Hofkapellmeister in München/D, ab 1785 auf ausgedehnten Konzertreisen; 1786–99 war V. königlicher Kapellmeister und Prinzenerzieher am Stockholmer Königshof. 1792/93 unternahm er eine ausgedehnte Reise nach Portugal, Gibraltar, Nordafrika und Griechenland. In weiterer Folge führte V. als (Orgel-)Virtuose, Lehrer und Erneuerer von Orgeln („Simplifikationssystem“, z. B. St. Peter [Salzburg] 1805, Karmeliterkirche in Linz vor 1813) ein Wanderleben, längeren Aufenthalt nahm er u. a. in Kopenhagen (1799/1800), Berlin (1800/01), Prag (1801/02), Wien (1803/04; Besuch J. Haydns), München (1805–07) und Darmstadt (ab 1807 Hofkapellmeister). Zu seinen Schülern zählten u. a. C. M. v. Weber, G. Meyerbeer, J. B. Gänsbacher, P. v. Winter, S. Molitor, M. Th. Paradis, A. Lange. Bedeutend war V. auch für die Entwicklung des Klavierauszuges.
Gedenkstätten
- Denkmal in Darmstadt
Ehrungen
- Mitglied der Accademia dell’Arcadia Rom
- Päpstlicher Protonotar
- Ritter vom Goldenen Sporn
- Erzkämmerer des Apostolischen Palastes
- königlich Bayerischer u. großherzoglich Hessischer Geistlicher Rat
- großherzoglich Hessischer Großkomtur des Verdienstordens
- zahlreiche Ehrenmitgliedschaften (u. a. der Akad. der Künste u. Wissenschaften von München, Paris u. Livorno/I, der Royal Society in London)
Werke
Bühnenmusiken, Ballette, Opern (Samori UA 17.5.1804 Theater an der Wien [T: F. X. Huber]), Singspiele; Messen, Requien, kleinere Kirchenmusik; Kantaten, Chöre; Symphonien, Klavierkonzerte; Kammermusik f. versch. Besetzungen; Klaviermusik.
Schriften
- Tonwissenschaft u. Tonsezkunst 1776
- Kuhrpfälzische Tonschule 1778
- Betrachtungen der Mannheimer Tonschule 1778–81
- Clavér-schola 1798
- zahlreiche weitere theoretische Schriften
Literatur
- NGroveD 26 (2001)
- MGG 13 (1966)
- Riemann 1961 u. 1975
- Wurzbach 51 (1885)
- P. Eder/G. Walterskirchen (Hg.), Das Benediktinerstift St. Peter in Salzburg zur Zeit Mozarts 1991, 128–133 u. 211
- Eberstaller 1955
- Wessely 1953, 309f
- MGÖ 2 (1995)
Abbildungen
Autor
- Christian Fastl
Letzte inhaltliche Änderung
15.5.2006Empfohlene Zitierweise
Christian Fastl, Art. „Vogler, Georg Joseph (Abbé Vogler)“ (15.5.2006), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits, https://dx.doi.org/10.1553/0x0001e5c2 (abgerufen am )
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