Menninger, Johann Matthias

* ca. 1733 Komorn? (Komárom/H), † 15.1.1793 Wien

Schauspieler und Theaterprinzipal

Spielte ab den 1750er Jahren bei den Kurbayrischen Komödianten des Johann Schulz, wo er sich als Hanswurst einen Namen machte. Ab 1761 spielte er mit der Truppe alljährlich während der Badesaison in Baden bei Wien, in den Wintermonaten in anderen Städten der Erblande. Nach dem Tode von Schulz übernahm die Leitung der Truppe dessen Witwe Josefa (ca. 1732–86), welche am 12.8.1766 ihren Hanswurst M. heiratete und ihm die Gesellschaft übergab. Zuvor spielte M. 1764 neben dem aus Venedig zurückgekehrten J. F. v. Kurz-Bernardon beim ungarischen Landtag in Pressburg, wo u. a. J. Haydns Der neue krumme Teufel aufgeführt wurde. Im Anschluss an Pressburg wurde die Truppe 1765 von Fürst N. Esterházy an dessen Hoftheater nach Eisenstadt verpflichtet, an dem J. Haydn als Kapellmeister wirkte. 1766/67 bespielte die Truppe, die sich mittlerweile nach ihrem Stammhaus als „Badner Truppe“ bezeichnete, das Opernhaus in Brünn, wo sie u. a. das erste Singspiel in tschechischer Sprache, Der verliebte Nachtwächter von J. Tuczek aufführte. 1768 trat die Truppe in Graz auf, wo M. den Kasperl-Darsteller J. J. La Roche engagierte. Dieser bildete fortan als „Badner Kasperl“ die Hauptattraktionen der Gesellschaft. Mit ihm spielte M. ab 1769 auch im Czernin’schen Gartenpalais in der WienerLeopoldstadt. Aufgrund ihrer Erfolge wollten F. Lo Presti und Ch. W. Gluck, die damaligen Wiener Theaterpächter, M.s Badner Truppe an das Wiener Kärntnertortheater – das präsumptive Nationaltheater also – verpflichten, doch wurde dies durch den Wiener Theaterreformer J. v. Sonnenfels verhindert. 1777 spielte M. mit K. v. Marinelli als Kompagnon erneut im Czernin’schen Theatersaal in der Leopoldstadt, in dessen Nähe M., der nunmehr als alleiniger Unternehmer firmierte, schließlich 1781 mit dem Theater in der Leopoldstadt das erste stehende Wiener Vorstadttheater eröffnete. 1783 spielte die Truppe zum letztenmal in Baden. M. zog sich 1786 vom Theater zurück; bei seinem Tod hinterließ er ein beachtliches Vermögen von 24.000 Gulden. Haupterbe wurde sein Bruder Philipp M. (1738–1805), der ebenfalls als Schauspieler tätig war und Mitte der 1760er Jahre in Vorderösterreich, der Schweiz und in Tirol eine eigene Gesellschaft leitete.

Werke

Bearbeitungen von Hanswurst-Stücken, u. a. das Nachspiel Der lächerlich hintergangene Richter von Bocksdorf, oder: Hanns-Wurst der betrunkene Nachtwächter 1766.

Literatur

Autor

  • Otto G. Schindler

Letzte inhaltliche Änderung

14.3.2004

Empfohlene Zitierweise

Otto G. Schindler, Art. „Menninger, Johann Matthias“ (14.3.2004), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits, https://dx.doi.org/10.1553/0x0001d95e (abgerufen am )

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