La Roche (Laroche), Familie

Schauspieler und Tänzer:innen

Johann Josef: * 1.4.1745 Pressburg (Bratislava), † 8.6.1806 Wien. Schauspieler. Debütierte 1764 in Graz bei einer Wandertruppe, wechselte dann zur Theatergesellschaft des Prinzipals Johann Joseph Brunian (1733–81), mit der er am Grazer Tummelplatztheater und in steirischen Schlosstheatern auftrat. Als Brunian wegen Überschuldung das Grazer Theater 1768 verließ, wurde L., der sich schon damals auf die Dienerrolle des Kasperl spezialisierte, von J. M. Menninger übernommen und für dessen „Badner Truppe“ engagiert. Mit ihr spielte er bereits 1769 in der Wiener Leopoldstadt, wo dann 1781 Menningers Nachfolger K. Marinelli des Theater in der Leopoldstadt errichtete. L. begründete als Kasperl den Ruhm dieses ersten Wiener Vorstadttheaters, das bald nur mehr als „Kasperltheater“ bezeichnet wurde (auch das 34-Kreuzer-Stück, der Eintrittspreis für den Ersten Rang, wurde allgemein „Kasperl“ genannt). Der gemalte Theatervorhang zeigt Kasperl, wie er von Thalia in den Parnass geführt wird, während Hanswurst und den italienischen Commedia-dell’arte-Figuren ein grämlicher Kunstrichter den Eingang verwehrt. Auch nach I. F. Castelli war L.s Kasperl „der unmittelbare Nachfolger des Hanswurstes“, seine Rollen waren immer „dumme Bediente oder Schildknappen in Ritter- und Zauberstücken. Er extemporierte viel, aber meistens nur Spaßiges, niemals Witziges, und der Beifall galt mehr dem Gesichterschneiden, den Lazzis und der geschickten Unbehilflichkeit“. W. Müller komponierte für L. zahlreiche Couplets, die er aber „ganz entsetzlich“ interpretierte. Castelli bezeichnete L. „als personifizierte populäre Komik“, und darnach habe „kein Komiker mehr so ganz die Populace für sich zu gewinnen gewußt.“ L. fand aber auch in hohen und höchsten Kreisen seine Verehrer, und als im Winter 1781/82 der russische Großfürst Paul (I.) Petrowitsch in Wien auf Staatsbesuch weilte, stand neben Ch. W. Gluck, W. A. Mozart und J. Haydn auch ein Theaterabend mit Kasperl am Festprogramm. Dank seiner Popularität wurde L.s Kasperl auch zur Zentralfigur des Puppentheaters, in dem sie bis heute (2011) weiterlebt. L. war verheiratet mit Regina, geb. Schuster (* † 15.10.1843 Wien).

Literatur

Seine Kinder

Therese:* 1795 Wien, † 27.2.1823 Wien. Tänzerin und Sängerin. Bekannt für ihre Darstellung der Columbine, war sie 1812–14 am Theater an der Wien engagiert.

Michael: * 16.2.1805 Wien, † 10.5.1870 München/D. Tänzer. War bereits mit neun Jahren im Kinderballett von F. Horschelt am Theater an der Wien, wo er bis 1821 blieb. 1822–70 am königlichen Hoftheater in München engagiert.

Literatur

  • ÖBL 5 (1972)
  • Ulrich 1997
  • Taufbuch der Pfarre St. Johann Nepomukk 1796–1810, fol. 339
  • WStLA (Biographische Slg.)

Abbildungen

Autoren

  • Otto G. Schindler
  • Christian Fastl

Letzte inhaltliche Änderung

14.3.2004

Empfohlene Zitierweise

Christian Fastl, Otto G. Schindler, Art. „La Roche (Laroche), Familie“ (14.3.2004), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits, https://dx.doi.org/10.1553/0x0001d71a (abgerufen am )

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