Marinelli, Karl Edler von

get. 12.9.1745 Wien, † 28.1.1803 Wien

Schauspieler, Theaterleiter und Bühnenautor

Sohn des Musikers und Wiener Dom-Subkantors Josef M. (* ca. 1720, † 17.7.1780). Spielte seit 1761 bei der Badner Theatergesellschaft des Johann Schulz, die 1766 vom Hanswurst-Darsteller J. M. Menninger übernommen wurde. Unter dessen Leitung spielte M. in der Sommersaison alljährlich in Baden bei Wien, die übrige Zeit u. a. in Brünn, Pressburg, Graz und Pest (Budapest), 1769 auch erstmals in der Wiener Leopoldstadt im Czerninschen Theatersaal. 1777 trat er dort als Kompagnion Menningers auf und gründete 1781 das „K. K. Priviligierte Schauspielhaus in der Leopoldstadt“, die erste stehende Volksbühne Wiens. Als Schauspieler gab er komische Alte, affektierte Liebhaber, Offiziere und Deutschfranzosen; auch sein jüngerer Bruder Josef (1753–94) und seine Schwester Elisabeth (spätere verh. Freiin v. Sieber, 1761–1842), wirkten am Theater. Der Mittelpunkt des Ensembles war der Kasperl-Darsteller J. J. La Roche, dessen Anziehungskraft dem Theater in der Leopoldstadt zu seinem Ruf als „Lachtheater Europas“ verhalf. 1786 wurde W. Müller an das Leopoldstädter Theater engagiert, der seinen Aufstieg zum führenden deutschen Volkstheater mitbestimmte. Anfänglich noch ganz auf die alten Wanderbühnenstücke abgestimmt, wurde in M.s Spielplan das musikalische Element zum bestimmenden Faktor.

Gedenkstätten

  • Marinelligasse (Wien II)

Ehrungen

  • Nobilitierung 18.11.1801

Werke

Der Ungar in Wien 1773; Der Bürger und der Soldat 1773; Der Schauspieler 1774; Der Geschmack in der Komödie ist unbestimmt 1774; Der Anfang muß empfehlen 1774; Das Findelkind 1775; Die Überschwemmung 1775; Liebesgeschichte in Hirschau 1780; Aller Anfang ist schwer 1781; Don Juan oder Der steinerne Gast 1783; Die Reise ist nahe, oder Die dankbaren Schauspieler o. J.

Literatur

Abbildungen

Autor

  • Otto G. Schindler

Letzte inhaltliche Änderung

14.3.2004

Empfohlene Zitierweise

Otto G. Schindler, Art. „Marinelli, Karl Edler von“ (14.3.2004), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits, https://dx.doi.org/10.1553/0x0001d8b3 (abgerufen am )

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