Commedia dell’arte

Italienische Stegreifkomödie des 16. und 17. Jh.s

Mit bestimmten Charaktermasken, feststehender Szenenfolge, jedoch improvisiertem Dialog, von Berufsschauspielern gespielt, die in immer gleicher Maske (Arlecchino, Pantalone, Dottore, Pulcinella, Colombina u. a.) auftraten, war sie seit dem 16. Jh. durch italienische Wandertruppen in Österreich heimisch geworden. Nach 1700 entwickelte sich in Wien im Zusammentreffen mit englischen Wandergruppen das Alt-Wiener Volksschauspiel (J. Stranitzky, G. Prehauser, F. Raimund, J. N. Nestroy). Zahlreiche Pantomimen und Ballette zum Thema Harlekin mit Musik von M. Hebenstreit, W. Müller, A. M. Storch, J. Drechsler usw. wurden an Wiener Vorstadttheatern aufgeführt.

Im Musiktheater lag für die Figuren der C. d.’a. ein fest vorgeschriebener Text vor. Übertriebene Artistik und Akrobatik fehlten in der Oper fast ganz. Frühe musikalische Beispiele der C. d.’a. finden sich in den Madrigalkomödien von Orazio Vecchi, Gasparo Torelli und Adriano Banchieri, weiter in der florentinischen, römischen, venezianischen und neapolitanischen Opernschule sowie in den von B. Galuppi und N. Piccini vertonten Libretti von Carlo Goldoni. W. A. Mozart schrieb 1783 die Pantomime Pantalone und Colombine KV 446, A. Salieri die Kleine Harlekinade. C. d.’a.-Elemente finden sich auch in Mozarts Opern Le nozze di Figaro, Don Giovanni und Così fan tutte. R. Strauss verwendete Elemente der C. d.’a. im Rosenkavalier und in Ariadne auf Naxos ebenso wie A. Schönberg in seinem Pierrot lunaire.

Weitere in Wien aufgeführte Werke: Pierrot als Schildwache, Ballett von A. M. Willner (M: A. Clairon [Pseud. für Alfred Strasser], 1897 an der Hofoper); Harlequin als Elektriker, Pantomime nach J. Price (M: J. Hellmesberger jun., 1901 an der Hofoper); Die beiden Pierrots, Pantomime von Carl Michael v. Levetzow (M: Waldemar Wendland, 1901 am Carltheater); Der Schleier der Pierrette von Arthur Schnitzler (M: E. Dohnányi, 1911 in Wien aufgeführt); Marionetten, Ballett von Sandor Lászlo (1918).

Um 1900 trug der Einfluss der C. d.’a. wesentlich zum Prozess der Ablösung vom Theater des Naturalismus bei. M. Reinhardt sah darin eine der wichtigsten Wurzeln des Theaters. Seine Inszenierung von C. Goldonis Diener zweier Herren (M: W. A. Mozart) wurde zwischen 1924 und 1931 in Wien, Salzburg und den USA mit großem Erfolg gezeigt.

Literatur

Autorin

  • Andrea Harrandt

Letzte inhaltliche Änderung

18.2.2002

Empfohlene Zitierweise

Andrea Harrandt, Art. „Commedia dell’arte“ (18.2.2002), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits, https://dx.doi.org/10.1553/0x0001cb0c (abgerufen am )

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