Schönberg (Schoenberg), Familie

Musiker:innen

Arnold Franz Walter: * 13.9.1874 Wien, † 13.7.1951 Los Angeles, CA/USA, begr. Wien 1974. Komponist. Sch.s Herkunft ist eine für das Wien des späteren 19. Jh.s ausgesprochen charakteristische. Als Sohn jüdischer Eltern, die aus dem östlichen Habsburgerreich zugewandert waren, wuchs er im kleinbürgerlichen Milieu der Leopoldstadt (Wien II) auf: Der Vater Samuel, ein Kaufmann, stammte aus Szécsény/H, die Mutter Pauline (geb. Nachod) aus Prag. Obwohl sich die Mutter gelegentlich als Klavierlehrerin verdingte und Sch. seit 1882 Violinunterricht erhielt, wurde seiner musikalischen Begabung kaum angemessene Beachtung geschenkt. Sch. besaß freilich neben energischem Fleiß auch eine besondere Veranlagung zum Autodidakten, die seine ersten Kompositionsversuche begünstigte. Nach dem Besuch der Realschule begann er 1890 als Lehrling in einer Privatbank und sammelte in den folgenden Jahren gleichzeitig Erfahrungen als Dirigent bei verschiedenen Wiener und niederösterreichischen Chorvereinigungen. Professionelle musikalische Unterweisung erhielt er in jener Zeit nur sporadisch von seinem Mentor und späteren Schwager A. Zemlinsky. Sch. gab seine Tätigkeit als Bankangestellter bald zugunsten eines Lebens als freier Künstler auf; erste Erfolge (etwa mit dem „Nullten“ Streichquartett D-Dur) bestätigten ihn in seiner Entscheidung. Sch. heiratete am 7.10.1901 in Pressburg bzw. am 18.10.1901 in Wien Mathilde Zemlinsky (* 7.9.1877 Wien, † 18.10.1923 Mödling), mit der er die Kinder Gertrude (verh. Greissle, * 8.1.1902 Berlin, † 25.12.1947 New York City/USA) und Georg hatte. Kurz danach übersiedelte er 1901 nach Berlin, um sich als Dirigent an Ernst v. Wolzogens literarischem Kabarett „Überbrettl“ sowie als Instrumentator von Operetten, später (durch Vermittlung von R. Strauss) als Theorielehrer am Stern’schen Konservatorium zu betätigen. Zwei Jahre später kehrte Sch. nach Wien zurück: Hier machte er sich im folgenden Jahrzehnt als Dirigent, Lehrer (z. B. an der Schule von E. Schwarzwald) und Komponist einen Namen. Er pflegte freundschaftlichen Umgang mit G. Mahler, seit 1904 zählten Alban Berg und A. Webern zu seinen Schülern. Die groß angelegten Werke jener Zeit, von den Gurre-Liedern bis zur symphonischen Dichtung Pelleas und Melisande, huldigen einem synästhetischen Symbolismus, der ab 1907 auch Sch.s Auseinandersetzung mit der Malerei förderte. Die meisten seiner Bilder entstanden in der kurzen Zeitspanne bis 1910 und sind durch die intensiven Begegnungen zunächst mit Richard Gerstl, dann mit Wassily Kandinsky geprägt. Zur selben Zeit schrieb Sch. Werke, in denen er die Grenzen der Dur-Moll-Tonalität immer deutlicher ausweitete und schließlich überschritt (so die Kammersinfonie op. 9, die Klavierstücke op. 11 oder das Monodram Erwartung op. 17). 1910 betätigte sich Sch. für kurze Zeit als Lehrer an der Wiener MAkad., übersiedelte aber bald erneut nach Berlin, um dort im Sommer des folgenden Jahres sein theoretisches Hauptwerk, die Harmonielehre, abzuschließen. Im Zuge der Suche nach alternativen Formbildungsverfahren zum Dur-Moll-tonalen Regelsystem entwickelte Sch. in den folgenden Jahren seine Methode der „Komposition mit zwölf nur aufeinander bezogenen Tönen“ (Reihentechnik), die zu Beginn der 1920er Jahre erstmals in Kompositionen (den Klavierstücken op. 23 und der Serenade op. 24) aufschien. Nach dem Ersten Weltkrieg, den Sch. zwischenzeitlich im Militärdienst verbrachte, gründete er – inzwischen nach Mödling übersiedelt – den Verein für musikalische Privataufführungen, mit dem er einen neuen Proben- und Aufführungsstandard setzen wollte; H. Eisler, R. Kolisch und K. Rankl wurden seine Schüler. Bei einem Sommeraufenthalt in Mattsee/OÖ 1923 wurde Sch. aufgefordert, seinen Taufschein vorzulegen, weil jüdische Feriengäste als unerwünscht galten. Sch. hätte der Aufforderung nachkommen können – er war 1898 zum evangelischen Glauben A. B. konvertiert –, reiste stattdessen aber sofort ab. Das Ereignis hatte weit reichende Folgen: Sch. begann sich von nun an vermehrt mit seiner jüdischen Identität zu beschäftigen. Dies geschah in politischen Einlassungen über einen möglichen jüdischen Staat, in einem agitativen Theaterstück (Der biblische Weg) sowie in bekenntnishaften und geistlichen Kompositionen: von der Oper Moses und Aron (1930–32) bis zu den Modernen Psalmen (1950). Ein Jahr nach dem Tod seiner Frau Mathilde heiratete Sch. am 28.8.1924 in Mödling Gertrud Kolisch, die Schwester seines Schülers R. Kolisch. Im Jahr darauf wurde er als Nachfolger F. Busonis zum Leiter einer Meisterklasse für Komposition an die Preußische Akad. der Künste berufen. Sch. befand sich auf dem bisherigen Höhepunkt seines internationalen Ruhms; die folgenden intensiven Jahre als Lehrer werden 1933 durch die erzwungene Flucht aus Deutschland unterbrochen (Exil). Sch. kehrte nun bewusst zur jüdischen Religionsgemeinschaft zurück. In jene Zeit fällt auch die Komposition der Oper Moses und Aron: Ihre inhaltliche Grundidee von einem denk-, aber nicht vorstellbaren Gott floss wenig später als ästhetisches Konzept in Sch.s Lehrschrift vom „musikalischen Gedanken“ ein. Nach der Flucht in die USA lehrte der Komponist in Boston und New York, bevor er sich 1934 in Los Angeles niederließ. Zunächst hielt er Vorlesungen vor Studierenden der University of Southern California, unter denen sich auch John Cage befand; 1936–44 war er als Prof. für Musik an der University of California Los Angeles tätig. Sch.s letzte Jahre bildeten eine Zeit der kreativen Rückschau: In den 1930/40er Jahren vervollständigte er nicht nur Jahrzehnte zuvor begonnene Kompositionen, sondern erweiterte sein künstlerisches Spektrum auch wieder vermehrt in Richtung auf die Freitonalität und die Dur-Moll-Tonalität. Zudem versammelte er seine Erkenntnisse quasi resümierend in verschiedenen Lehrbüchern (wie den Grundlagen der musikalischen Komposition oder den Formbildenden Tendenzen der Harmonie). Trotz einer erweiterten stilistischen Palette büßten die letzten Werke nichts von der Radikalität ihres ästhetischen Anspruchs ein (das Streichtrio op. 45 oder die Phantasy op. 47 erinnern dabei an die feinnervige Intensität der Werke um 1910). Die Gespaltenheit zwischen der alten und der neuen Heimat blieb bis zum Ende von Sch.s Leben erhalten: 1941 wurden er, seine Frau und seine Tochter Nuria amerikanische Staatsbürger. Nach dem Krieg bemühten sich einzelne Vertreter der Stadt Wien vergeblich um seine Rückkehr.

Sch. hat wie kaum ein anderer Komponist die Musik des 20. Jh.s geprägt; gleichwohl sind seine Werke nur zögerlich ins Musikrepertoire vorgedrungen. Das Nachhaltige seiner Wirkung verdankte Sch. dabei u. a. der Tatsache, dass er sein musikalisches Denken in ungewöhnlich konziser Form auch theoretisch darzustellen wusste. Weit reichend war seine Bedeutung als Pädagoge, als Vertreter einer Interpretationslehre, einer Ästhetik und Kunstmoral, die er freilich stets im Geiste einer Handwerkslehre vermittelte. Sch. hat buchstäblich alles, was seine Lebenswelt betraf, mit größter Neugierde aufgesogen. Entsprechend finden sich in seinem Werk Spuren sämtlicher zeitgenössischer Richtungen: Er schrieb symphonische Dichtungen um 1900, beteiligte sich am experimentellen Aufbruch der Jahre um 1910 (Atonalität), richtete sich in den 1920er Jahren an einem musikalischen Klassizismus aus und komponierte in den 1930/40er Jahren emphatische Bekenntnismusik. Zugleich hatte Sch. mitunter eine bedingungslose Opposition zu den jeweils herrschenden Kunsttrends bewusst in Kauf genommen – nicht zuletzt, weil er von der Bedeutung seiner Lebensaufgabe innerhalb der Geschichte zutiefst überzeugt war. Die Idee vom Künstler als göttlichem Werkzeug hat er nie preisgegeben. Neben den Aufsehen erregenden Pionierleistungen muss v. a. Sch.s weitest mögliche Ausschöpfung der selbst gesetzten ästhetischen Ansprüche hervorgehoben werden: Seine Sprache ist durchwegs die eines „Espressivo“, das er in einer „richtig verstandenen, guten alten Tradition” wurzeln sah (Briefe, 104). Sch. kann in diesem Sinne als Inkarnation jenes „österreichischen Paradoxons“ (D. Newlin, Bruckner – Mahler – Schönberg 1954, 26) gelten, das eine radikale Traditionsverpflichtung mit dem Anspruch verband, diese aus sich selbst heraus beständig kritisch zu befragen.

Gedenkstätten

  • Ehrengrab Wr. Zentralfriedhof (s. Abb.)
  • Schönbergplatz (Wien XIV)
  • Arnold-Schönberg-Platz (Berlin-Weißensee)
  • Asteroid (4527) Schoenberg (1990)

Ehrungen

  • Ehrenmitglied der IGNM 1946
  • Ehrenbürger der Stadt Wien 1949

Werke

Opern: Erwartung op. 17 (Monodram, 1909), Die glückliche Hand op. 18 (1910–13), Von heute auf morgen op. 32 (1928), Moses und Aron (1930–32, unvollendet); Chorwerke und Lieder: Gurrelieder (1900/01), Die Jakobsleiter (1917–22, unvollendet), Ein Überlebender aus Warschau op. 46 (Kantate, 1947), zahlreiche Jugend- und Kabarettlieder (1893–1902), Das Buch der hängenden Gärten op. 15 (1908/09), Pierrot lunaire op. 21 (1912), Ode to Napoleon op. 41 (1942); Orchesterwerke: Pelleas und Melisande op. 5 (1902), Fünf Orchesterstücke op. 16 (1909), Variationen für Orchester op. 31 (1926–28), Violinkonzert op. 36 (1935), Klavierkonzert op. 42 (1942); Kammermusik: 5 Streichquartette (1897, 1904, 1908, 1927, 1936), Verklärte Nacht op. 4 (Streichsextett, 1899); Kammersinfonie op. 9 (1906), Serenade op. 24 (1920–23), Streichtrio op. 45 (1946), Phantasy für V., Kl. op. 47 (1949); Klavierwerke: Drei Stücke op. 11 (1909), Sechs kleine Stücke op. 19 (1911), Fünf Stücke op. 23 (1920–23), Suite op. 25 (1921–23). – Kritische GA: Sämtliche Werke 1966ff.

Schriften

Literatur

Seine Schwester

Ottilie (Otti) verh. Blumauer (Blumauer-Felix, verh. Kramer): * 9.6.1876 Wien, † 7.12.1954 Berlin. Sängerin (Sopran). O. lernte als Kind Geige und nahm vermutlich privat Gesangsunterricht bei A. Jäger-Wilczek. Sie war danach zumeist als Soubrette in kleineren Rollen an österreichischen und böhmischen Bühnen tätig. Im September 1910 ging sie für ein Jahr an das Stadttheater in Karlsbad und wurde 1911 ans Theater in Aussig engagiert, wo sie u. a. auch Brünnhilde in R. Wagners Die Walküre sang. Sie erhielt danach einen Dreijahresvertrag an der Oper in Graz, es ist jedoch unklar, ob sie diesen antrat. In dieser Zeit sind Auftritte bei der Sommerbühne Mödling (1912) und Judenburg (1913) belegt. Spätestens 1915 verlegte O. ihren Lebensmittelpunkt nach Berlin und dürfte zu dieser Zeit ihre Bühnenkarriere beendet haben. Während des Zweiten Weltkriegs entkam sie 1944 der Deportation ins KZ Theresienstadt/Protektorat Böhmen und Mähren (Terezín/CZ), ihre Berliner Wohnung wurde kurz darauf ausgebombt. Nach ihrer Flucht nach Dresden/D überlebte sie einen Monat später die ersten Luftangriffe der Alliierten und floh weiter nach Pirna/D. Ab 1946 lebte sie in Elstra/D und kehrte erst 1950 nach Berlin zurück. O. hatte am 21.1.1900 in Wien den Beamten Emil Wilhelm Kramer (* 6.1.1872 Wien, † 3.11.1908 Meran/T [Merano/I]) geheiratet, beide ließen sich am 6.1.1901 evangelisch taufen. Sie hatten die Kinder Fritz Walter (* 13.11.1900 Wien, † nach 1922 [Ort?]) und Susanne (verh. Remus, * 28.6.1907 Wien, † 1985 Berlin). Diese trat als Schauspielerin zunächst an Berliner Theatern auf (u. a. 1928 im Dreimäderlhaus) und war dann bis 1937 in Scheveningen/NL engagiert. Nach dem Krieg führte sie das Geschäft ihrer Halbschwester Inge weiter und trat wieder in Theateraufführungen auf. O. heiratete 1910 Oskar Josef Blumauer (Felix, * 12.8.1887 Wien, † 14.10.1942 Berlin; erzwungene Scheidung 1937). Dieser war als Schauspieler, Regisseur und Schriftsteller tätig. Er schrieb Libretti für zahlreiche Operetten, vor allem für Walter Wilhelm Goetze (als Oskar Felix) oder für Josef Königsberger.

Die beiden hatten die Tochter Inge (verh. Hofmann, * 27.10.1915, Berlin, † 20.2.1946 Dresden). Diese erhielt eine Gesangsausbildung (ab 1936 bei H. Francillo-Kauffmann) und trat u. a. in Berlin am Kurfürstentheater auf. Als Schauspielerin war sie im Film Die gelbe Flagge (1937) mit Hans Albers zu sehen, 1938 gab sie den Künstlerberuf jedoch auf. Am 22.12.1938 heiratete sie in Berlin Werner Hofmann (* ?, † 1.5.1945 Elstra), mit dem sie ein Kunstschmiedegeschäft in Pirna führte. Am 1.5.1945 wurden beide von der SS angeschossen, Inge starb jedoch erst Monate später an den Folgen ihrer Verletzungen.

Literatur

Sein Bruder

Heinrich Samuel (Heinz, Heina): * 29.4.1882 Wien, † 1.6.1941 Salzburg. Sänger (Bass). Vor seiner Musikerkarriere begann H. eventuell eine Banklehre und arbeitete als Fußballreporter, studierte später jedoch auf Anraten seines Bruders sowie auch A. Zemlinskys Gesang. 1906 gründete er gemeinsam mit Arnold den Chormusikverein in Wien, der bis 1907 Bestand hatte. Ab ca. 1908 begann H. seine Karriere als Solist und sang 1909 am Johann Strauss-Theater. 1911–12 wurde er am Stadttheater in Teplitz engagiert und trat auch 1912 bei den Sommerfestspielen am Münchner Künstler-Theater auf. In Teplitz lernte er vermutlich seine spätere Frau Bert(e)l Ott (eig. Rupertine Juliana, * 23.9.1884 Salzburg, † 5.8.1978 Salzburg-Aigen) kennen. Sie war die Tochter des Salzburger Bürgermeisters Max Ott und hatte in München Gesang bei B. Bianchi studiert. Ab 1908 war sie am Stadttheater in Augsburg/D engagiert, gab 1909/10 Gastspiele in Berlin und kam um 1911 ans Stadttheater Teplitz, wo sie häufig gemeinsam mit H. auftrat. Dieser erhoffte sich 1912 als 1. Bassist in Koblenz/D eine feste Anstellung zu erhalten, wurde jedoch bereits nach kurzer Zeit entlassen. Danach fertigte er für die Universal Edition Notenkopien von Werken seines Bruders an. 1913 erhielt H. eine feste Anstellung als 2. Bassist an der Deutschen Oper in Prag, wo er unter A. Zemlinsky (später H. Jalowetz, William Steinberg und George Szell) meist kleine Rollen sang. Die Hoffnung, dass Bertel ebenfalls in Prag engagiert würde, erfüllte sich nicht. Aus finanziellen Gründen lebte sie bei ihrer Familie in Salzburg und trat nur noch selten als Sängerin auf. Die beiden heirateten am 6.1.1917 in Wien und hatten die Tochter Margit Eleonore (* 3.5.1918 Salzburg, † 17.9.1976 Salzburg). H. diente 1914–18 im Ersten Weltkrieg (Corporal, ab 1917 Feldwebel im IR Nr. 72). Nach seiner Rückkehr nach Prag wurde er hauptsächlich im Schauspiel oder in Operetten eingesetzt und arbeitete zeitweise nebenbei bei der Theaterzeitung. 1928 gab er mehrere Gastspiele in Karlsbad unter L. Blech sowie 1932 in Pilsen. Nach einem Bühnenunfall ging H. 1932 in Pension und zog zu seiner Familie nach Salzburg. Ab 1937 wohnten sie im sog. Bürgermeisterhaus in der Chiemseegasse 6, dem ehemaligen Wohnhaus seines Schwiegervaters Max Ott. Da das Haus 1938 zum Sitz der NSDAP-Gauleitung umfunktioniert wurde, musste die Familie nach Parsch übersiedeln. Am 10.3.1941 wurde H. aufgrund des „Verdachtes des Besitzes falscher Urkunden“ von der Gestapo verhaftet. Am 24.4.1941 verbrachte man ihn mit einer in Haft zugezogenen Sepsis in das Inquisitenspital des Landesgerichts verbracht, wo er trotz einer Armamputation verstarb.

Gedenkstätten

  • Stolperstein Chiemseegasse 6, Salzburg (22.8.2008)

Ehrungen

  • Eisernes Verdienstkreuz mit der Krone am Band der Tapferkeitsmedaille 1917

Literatur

  • A. Meyer et al. (Hg.), Schönberg Hb. 2023
  • Salzburger Chronik 24.12.1907, 8, 4.10.1909, 4
  • Salzburger Volksbl. 17.3.1908, 8, 17.2.1917, 4
  • Arbeiter Ztg. 28.3.1909, 16
  • Der Humorist 10.10.1911, 5
  • Teplitz-Schönauer Anzeiger 4.11.1911, 16, 13.1.1912, 17, 10.2.1912, [16]
  • Prager Tagbl. 16.1.1914, 4
  • Pilsner Tagbl. 5.1.1932, 3
  • ASC, Gertrud Schoenberg Collection 47.46, Gertrud Sch.: Biography of Arnold Schoenberg
  • ASC T.43.09, A. Sch: Biographisches: Biography (Stichpunkte)
  • Briefe H. Sch.s an Arnold Sch. 21.9.1911, 19.2.1912, 24.7.1912, 17.8.1912, 29.9.1912, 12.10.1912, 14.10.1912, 22.8.1913, 24.4.1917, 29.5.1917, 10.11.1918, 1.10.1919, 2.5.1928, 7.5.1928, 14.7.1928, 27.10.1931, 22.2.1932, 24.6.1932, 7.2.1936, 21.1.1937, Brief H. Sch.s an E. Hertzka 8.11.1912
  • Brief Margit Sch.s an Gertrud Sch. 17.6.1941
  • https://wiki.sn.at (2/2026)
  • www.stolpersteine-salzburg.at (2/2026)
  • www.geni.com (2/2026)

Arnolds 2. Frau

Gertrud Bertha (geb. Kolisch, Pseud.e Max Blonda, Jolly Joker): * 11.7.1898 Karlsbad, † 14.2.1967 Los Angeles, begr. Wien 1974. Librettistin, Schauspielerin. Sie studierte zunächst Chemie an der Univ. Wien, danach Schauspiel am Max Reinhardt Seminar und verfasste in den 1920er Jahren einige Drehbücher. Am 18.8.1924 heiratete sie Arnold Sch., mit dem sie die Kinder Nuria, Ronald Rudolf (* 1937) und Lawrence Adam (* 1941) hatte. Ronalds Sohn ist der Anwalt E. Randol Schoenberg (* 12.9.1966 Los Angeles). G. verfasste für Arnold unter dem Pseudonym Max Blonda das Libretto zum Einakter Von heute auf morgen, op. 32. Nach dem Tod ihres Mannes gründete sie den Verlag Belmont Music Publishers, der für die Veröffentlichung seiner Werke zuständig war. Auf G.s Initiative stellte Winfried Zillig aus den unvollendet gebliebenen Quellen des Oratoriums Die Jakobsleiter eine Partitur her, außerdem machte sie sich um die UA der Oper Moses und Aron verdient (1954 konzertant, 1957 szenisch). Sie verfolgte darüber hinaus Pläne einer Gesamtausgabe, für die viele Vorarbeiten, wie die Inventarisierung des Nachlasses, vorgenommen werden konnten.

Gedenkstätten

  • Ehrengrab Wr. Zentralfriedhof
  • Widmungsträgerin von A. Sch.s Suite op. 29

Werke

Libretto Von heute auf morgen; unveröffentlichte Theaterstücke, Drehbücher, Kurzgeschichten etc., u. a. Where there is a will, there is a way 1943, Rien ne va plus (Kurzoper), The Barber’s Stew 1947 (als Jolly Joker).

Literatur

Der Sohn von Arnold und Mathilde

Georg Wilhelm (Görgi): * 22.9.1906 Wien, † 3.1.1974 Mödling. Komponist, Kopist, Arrangeur. Er besuchte zunächst die Volksschule in Berlin, nach der Rückkehr nach Wien 1915 dann die Schwarzwaldschule sowie 1918–22 das Gymnasium in Mödling. Er studierte 1922–27 auf Wunsch seines Vaters (bzw. laut eigener Aussage „gegen seinen Willen“) an der Wiener MAkad. Horn bei K. Stiegler sowie im Nebenfach Musiktheorie bei C. Horn, blieb jedoch ohne Abschluss. Im Sommersemester 1928 studierte er außerdem Schauspiel bei Rudolf Beer. Nebenbei nahm er Klavierunterricht bei O. Novakovic, bei der er nach der Übersiedlung Arnolds nach Berlin auch bis 1928 wohnte. Daneben lernte G. auch Geige bei R. Kolisch. Nach der Studienzeit verfolgte er verschiedene Karrieren: Er komponierte, hatte einzelne Auftritte als Schauspieler am Theater (Wiener Akademietheater) bzw. als Statist beim Film, schrieb Drehbücher und hoffte auf eine Laufbahn als Profifußballer. Eine Anstellung als Hornist ergab sich nicht, auch wenn er vereinzelt als Substitut für die Wiener Philharmoniker spielen durfte. 1928–30 arbeitete er als Notenstecher und Korrektor für die Universal Edition und fertigte dabei vor allem Kopien von Werken seines Vaters an. Nach seiner Entlassung hielt er sich mit Aushilfsarbeiten über Wasser, arbeitete u. a. als Hausierer oder als Zeitungsredakteur. Später arbeitete er wieder als Kopist für verschiedene Verlage (u. a. Schirmer). Am 15.6.1929 heiratete er in Wien Anna (geb. Sax, * 9.7.1906 Ort?, † nach 1974, begr. Mödling), die zuvor als Dienstmädchen bei der Familie in Mödling beschäftigt gewesen war. Mit ihr hatte G. die Tochter Gertrude Susanne (Susi, verh. Supan, * 24.7.1929 Wien, † 18.7.2015 Mödling). Diese nahm zeitweise ebenfalls Klavierunterricht bei Novakovic. Während des Zweiten Weltkriegs ging G. nicht mit seinem Vater in die USA, auch andere Emigrationspläne ließen sich nicht realisieren. Er arbeitete für einen Gemüse-Großhändler und lebte mit seiner Familie unter prekären Umständen in Wiener Neudorf/NÖ, wo ihr Haus am 15.2.1945 bei einem Bombenangriff zerstört wurde. Danach wohnten sie wieder in Mödling. Obwohl G. evangelisch getauft war, galt er als Jude und konnte nur durch die Ehe mit Anna sowie durch mehrfache Interventionen seiner Arbeitgeber vor der Deportation ins KZ Theresienstadt bewahrt werden. Nach dem Krieg arbeitete er 1948–53 für die Tageszeitung Neues Österreich, dann ab 1954 wieder Vollzeit als Kopist für die Universal Edition bis zu seiner Pensionierung 1970. Nebenbei komponierte er und verarbeitete 1960 seine Biographie in der Kantate Mein Lebenslauf. 1974 starb er an Lungenkrebs.

Werke

Sieben Balladen, 4 Stücke f. Klav. 1944–45 (O. Novakovic gewidmet); Kantate Mein Lebenslauf ca. 1960; Bläserquartett ca. 1960, UA 1974 Mödling; Lieder (einige nach Texten von Fred Eggarter).

Literatur

  • Chr. Matzner in medilihha 16/32 (2024)
  • W. Szmolyan in ÖMZ 29 (1974)
  • ASC, Korrespondenz G. Sch., v. a. Briefe G. Sch.s an Arnold Sch. 4.5.1928, 7.7.1928, 21.2.1930, 6.7.1930, 8.2.1934, 24.2.1934, 20.4.1937, 12.6.1938, 17.2.1945, 18.11.1945, 21.3.1946, 27.5.1946, 28.4.1948, 28.11.1951
  • Arnold Sch. an G. Sch. 23.2.1927, 27.3.1927, 12.7.1930, 25.9.1933, 3.9.1937
  • www.geschichtewiki.wien.gv.at (2/2026)
  • Mitt. Archiv MUniv. Wien (1/2026)

Die Tochter von Arnold und Gertrud

Nuria Dorothea (verh. Sch.-Nono): * 7.5.1932 Barcelona/E. Musikschriftstellerin und Nachlassverwalterin. Kurz nach ihrer Geburt floh ihre Familie 1933 in die USA und sie erhielt 1941 die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. N. studierte ab 1950 Biologie an der University of California, Los Angeles (B.Sc. 1953) mit dem Ziel, Ärztin zu werden, die Aufnahme an der Medical School wurde ihr jedoch verwehrt. 1954 lernte sie bei der UA von Moses und Aron in Hamburg den italienischen Komponisten L. Nono (1924–1990) kennen. Seit der Hochzeit 1955 lebt sie in Venedig, wo sie 1993 das Archivio Luigi Nono gründete. Sie hat die Töchter Silvia Nono (* 1959) und Serena Bastiana Nono (* 1964). Seit dem Tod ihrer Mutter 1967 verwaltet N. außerdem gemeinsam mit ihren Brüdern den Nachlass Arnold Sch.s, der 1973 ans Arnold Schoenberg Institute der University of Southern California übergeben wurde und seit 1997 am Arnold Schönberg Center in Wien liegt. Daneben gab N. zahlreiche Publikationen heraus und kuratierte Ausstellungen zu Sch. und Nono. Sie ist Präsidentin der Arnold Schönberg Center Privatstiftung.

Ehrungen

  • Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold 2002
  • Ehrendoktorat der Univ. Venedig 2007
  • Fs. zum 70. Geburtstag: Anna Maria Morazzoni (Hg.), Schoenberg & Nono: a birthday offering to Nuria 2002

Werke

(Hg.): Arnold Schoenberg Self-Portrait. A Collection of Articles, Program Notes and Letters by the Composer About His Own Works 1988; Arnold Schönberg 1874–1951: Eine Lebensgeschichte in Begegnungen 1992; Arnold Schoenberg – Spielkarten, Piatnik, Wien 1981.

Literatur

Abbildungen

Hörbeispiele

Autor:innen

  • Matthias Schmidt
  • Meike Wilfing-Albrecht

Letzte inhaltliche Änderung

14.4.2026

Empfohlene Zitierweise

Matthias Schmidt, Meike Wilfing-Albrecht, Art. „Schönberg (Schoenberg), Familie“ (14.4.2026), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits, https://dx.doi.org/10.1553/0x0001e16d (abgerufen am )

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