Kallab stammt aus einer gutbürgerlichen Familie; Vater Viktor K. (1849–1911) war Kaufmann, Mutter Carolina, geb. Block (* 1860) verlor sie schon im Kindesalter. Sie besuchte das Staatliches Mädchenlyzeum in Brünn (Reifeprüfung 1905), legte 1909 in Wien die Staatsprüfung für Klavier ab und erhielt danach weiteren Klavierunterricht bei Heinrich Janoch (1858–1929) in ihrer Heimatstadt. 1912–1915 erlernte Kallab im „Rhythmischen Dorf“ in Hellerau bei Dresden/D die Methode von É. Jaques-Dalcroze für „Rhythmische Gymnastik“, nach ihrem Abschluss 1915 gründete sie in Brünn eine eigene Schule für Rhythmik, Gymnastik, Tanz und Musik, die sie bis 1945 leitete und in welcher sie die Dalcroze-Methode weiterentwickelte. Daneben unterrichtete sie 1920/21 an der Deutschen Akademie für Musik und darstellende Kunst in Prag („Dalcroze-Rhythmik“) und 1939–45 an der Musikschule (Rhythmik) sowie an der Staatlichen Lehrerbildungsanstalt (Klavier) in Brünn; zudem gab sie zahlreiche Kurse an der dortigen Volkshochschule. Kallab trat aber auch als Tänzerin auf; als solcher wurde ihr nach einem Auftritt bei einer Veranstaltung des Vereins für rhythmische Gymnastik im großen Konzerthaussaal in Wien „Anmut und Temperament“ (Neues Wiener Tagblatt 1918) bescheinigt. In diesen Jahren entstanden erste Kompositionen, v. a. Kinderlieder, Klavierstücke, zwei musikalische Hörspiele und Musikstücke für Bewegungsgestaltung (u. a. Im Reich der Schatten, Gotisches Lied, Puck) – diese führte sie allein oder mit ihrer Tanzgruppe auf und erzielte damit eine „eindrucksvolle[n] Wirkung“ (Prager Tagblatt, 14.2.1925). Wie ihre späteren Kompositionen auch wurden diese Stücke mehrmals im Radio gesendet, wo K. auch als Pianistin zu hören war. 1945 fiel Kallab unter den „Aussiedelungsbeschluss“, musste den „Todesmarsch nach Porliz“ mitmachen und kam u. a. ins KZ Grusbach (Hrušovany nad Jevišovkou/CZ), von wo aus ihr die Flucht nach Wien gelang. Hier erhielt sie 1945 mit Unterstützung ihrer ehemaligen Schülerin R. Chladek, die sie von 1918–21 z. T. kostenlos unterrichtet hatte, eine Stelle an der von dieser geleiteten Tanzabteilung des Konservatoriums der Stadt Wien (Rhythmik, Korrepetition). 1947 erhielt Kallab die österreichische Staatsbürgerschaft. 1947–57 studierte sie Kontrapunkt und Satzlehre an der Akademie für Musik und darstellende Kunst bei A. Uhl, der sie als „kompositorisch bemerkenswert begabt“ (zit. n. Marx/Haas) beschrieb. 1947 legte sie als eine der Ersten die Staatsprüfung für Rhythmische Erziehung ab. 1948 führte ein schwerer Unfall zu Berufsunfähigkeit und Kündigung (1949), woraufhin sie ihre musikalischen Studien intensivierte. Sie belegte u. a. 1956 den Kurs für Komposition bei J. N. David und 1958 jenen für „Probleme der 12-Tonmusik“ bei E. Krenek an der Akademie. Ihre am 25.4.1955 vom jungen Bariton Eberhard Wächter im Brahms-Saal uraufgeführten und von ihr selbst am Klavier begleiteten „dilettantischen, langweiligen“ (Wiener Zeitung 29.4.1955, 7) oder gar „beleidigend blamablen“ (Neues Österreich 4.5.1955, 6) Lieder (Das große Wolfslied [T: Theodor Csokor], Der Kaktus [T: Herbert Werner Franke], Verklärung [T: Georg Trakl], Kircheninneres [T: Friederike Mayröcker], Im Nebel [T: Hermann Hesse]) fielen bei der Kritik als „klanglich dürre[n] Schöpfungen“ (Neuer Kurier 27.4.1955, 5) durch. Ch. Ludwig setzte sich aber für den Josef-Weinheber-Zyklus ein und führte diesen, begleitet von E. Werba, am 27.12.1960 auf. Kallab war Mitglied des Deutschen Gymnastik-Verbandes in der Tschechoslowakei, 1939–45 der Reichstheaterkammer (Protektorat Böhmen und Mähren), 1951–69 der AKM und des Clubs der Wiener Musikerinnen, an dessen Kompositionsabend von komponierenden Klubmitgliedern im Hugo-Wolf-Saal des Wiener Konzerthauses sie am 25.5.1952 teilnahm.
Ehrungen
- Prof.-Titel 1958
Werke
Lieder (Josef-Weinheber-Zyklus); Kinderlieder; Klavierstücke (Rhythmische Studien 1951, 21 Klavierstücke, beides verlegt bei V. Goll), 11 Variationen über ein eigenes Thema 1954); musikalische Hörspiele.
Literatur
- Eva Marx, Art. „Kallab Margarete“, in: dies. und Gerlinde Haas, 210 österreichische Komponistinnen vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart, Salzburg u. a. 2001, 212–215
- Ilse Korotin, Art. „Kallab Margarete, Margaretha Camilla Carolinain”, in: biografiaA. Lexikon österreichischer Frauen, Bd. 2, hrsg. von ders., Wien 2016, 1545
- Deutsches Südmährenblatt 31.3.1911, 2
- Neues Wiener Tagblatt 28.5.1918, 41
- Prager Tagblatt 11.2.1925, 6, 14.2.1925, 6
- Neuer Kurier 27.4.1955, 5
- Wiener Zeitung 29.4.1955, 7
- Neues Österreich 4.5.1955, 6
- Art. „Kallab Margarete“ (27.11.2025), in: Musikdatenbank von mica – music austria, https://db.musicaustria.at/node/210773 (10.7.2026)
Autorin
- Eva Maria Hois
Letzte inhaltliche Änderung
20.10.2026Empfohlene Zitierweise
Eva Maria Hois, Art. „Kallab, Margarete (Margaretha Camilla Carolina)“ (20.10.2026), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits (abgerufen am )
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