Gál, Geschwister

Musiker:in

Hans: * 5.8.1890 Brunn am Gebirge/NÖ, † 3.10.1987 Edinburgh/GB. Komponist und Musikwissenschaftler. Der Sohn eines Arztes erhielt seinen ersten Klavierunterricht im Alter von acht Jahren, wenige Jahre später folgten die ersten Kompositionsversuche. Ab 1905 Klavierunterricht durch R. Robert (1909 staatliche Musiklehramtsprüfung für Klavier mit Auszeichnung), der ihm 1910 eine Stelle (ev. als Substitut) am Neuen Wiener Konservatorium (Klavier, Harmonielehre) vermittelte und ihn mit E. Mandyczeweski bekannt machte, seinem späteren Kompositionslehrer. Nach der Matura am 9.7.1908 am Maximiliangymnasium in Wien IX Studium an der Univ. Wien (Geschichte sowie Musikwissenschaft bei G. Adler, Promotion 24.5.1913). Ab 1915 Kriegsdienst. 1917 als Unterstützung H. Graedeners zum Lektor für Harmonielehre und Kontrapunkt an der Univ. Wien bestellt, nach seiner Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg trat er die Stelle ab dem Wintersemester 1918/19 tatsächlich an (zunächst unentgeltlich). Parallel dazu baute G. seine Karriere als Komponist auf. Ab 1920 honorierter Lehrauftrag für vier Wochenstunden (Harmonielehre, Kontrapunkt, Formenlehre, Instrumentation) am musikhistorischen Institut der Univ. Wien (Nachfolger: K. Weigl). 1929–33 Direktor der MHsch. (heute Peter-Cornelius-Konservatorium) in Mainz/D. 1933 – nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten – floh G. zuerst zurück nach Wien, gab Privatunterricht und dirigierte. 1938 Emigration nach Großbritannien (Exil). Ab 1939 in Edinburgh tätig, folgte im selben Jahr die Internierung im Lager Huyton. Nach dem Krieg beteiligte er sich tatkräftig am Aufbau des Musiklebens. 1945–65 lehrte G. an der Univ. Edinburgh. Von seinen zahlreichen Werken vernichtete er viele, v. a. Frühwerke, Opuszahlen erhielten nur die veröffentlichten, Opus 1 seine Kantate Von ewiger Freude (1912). Mehr als die Hälfte davon entstand in Schottland; sie können ihre mitteleuropäische Prägung (Fr. Schubert, J. Brahms, Rich. Wagner) nicht verleugnen, verwenden zwar eine erweiterte Harmonik, bleiben jedoch dem in den 1930er Jahren erreichten Stil (post-Brahms- bzw. post-Strauss-Charakteristik) weitgehend treu.

Ehrungen

  • Stipendium der Blumenfeldschen Musikerstiftung 1914
  • Kunstpreis für Österr. Komponisten für seine Symphonie 1915
  • Österreichischer Staatspreis für Komposition 1957
  • Ehrendoktorat für Musik der Univ. Edinburgh 1948
  • Österreichisches Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst 1981

Werke

Opern (Der Arzt der Sobeide [T: Fritz Zoref] 1918, Die heilige Ente [T: Karl Michael v. Levetzov u. L. Feld] 1921, Der Zauberspiegel [T: Karl Erich Jaroschek] 1930, Die beiden Klaas [T: K. M. v. Levetzov] 1933); 4 Symphonien; je 2 Konzerte für V., Vc., Kl.; 4 Streichquartette; Orchester- und Chorwerke; Lieder; Kammermusik.

Schriften

Literatur

Seine jüngste Schwester

Erna (eig. Ernestine): * 17.7.1899 Wien, † 20.19.1995 Milton Keynes/GB. Pianistin. Erhielt als Fünfjährige ersten Klavierunterricht von ihrem 14-jährigen Bruder Hans. Später wurde sie von R. Robert und dessen Assistentin Anka Landau unterrichtet. Besuchte die Schule von E. Schwarzwald (Matura 1918) und studierte zunächst ab dem Sommersemester 1918 Musikwissenschaft an der Univ. Wien. Nach einigen Semestern widmete sie sich mit E. Steuermann wieder ganz der Klavierausbildung. In den 1920er Jahren Klavier- und Lebenspartnerin von R. Kolilsch (u. a. am 17.4.1928 Aufführung von A. Schönbergs Herzgewächse, op. 20 im Kleinen Musikvereinssaal). Später Klavierunterricht im Sinne von L. Deutsch, darüber hinaus Tätigkeit als Klavierbegleiterin für Sänger und private Korrepetitorin an der Wiener Staatsoper und der RAVAG. 1937 spielte sie den Klavierpart in H. Gáls Concertino für Klavier und Streichorchester mit dem Wiener Konzertorchester. Emigrierte 1938 mit Hilfe von W. Reich nach Norwegen, danach nach Großbritannien. Hier arbeitete sie zunächst als Klavierpädagogin in Summerhill, ab 1950 als Korrepetitorin in Glyndebourne, wo sie in den späten 1960er Jahren bis 1970 v. a. als Sprachlehrerin und Souffleuse tätig war.

Werke

Arrangement von W. A. Mozarts Ave verum für 2 Soprane, Alt und Kl.

Literatur

Autorinnen

  • Monika Kornberger
  • Elisabeth Th. Hilscher

Letzte inhaltliche Änderung

25.3.2019

Empfohlene Zitierweise

Elisabeth Th. Hilscher, Monika Kornberger, Art. „Gál, Geschwister“ (25.3.2019), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits, https://dx.doi.org/10.1553/0x0001ce96 (abgerufen am )

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