Joseph (Josef) Mathias: * 6.3.1852 Wien, † 12.3.1913 Wien. Musiker, Komponist, Dirigent.
Der Sohn des begüterten Schneidermeisters Mathias Bayer und seiner Frau Magdalena, geb. Dubowsky sollte wie sein Vater Schneider werden, nahm aber Klavierunterricht bei J. N. Fuchs und studierte ab 1859 am Konservatorium in Wien, zunächst Gesang, ab 1861 Klavier bei W. Schenner und J. Dachs, dazu ab 1864 Violine im Nebenfach bei G. Hellmesberger d. Ä. und spätestens ab 1866 bei K. Heißler, bei welchem er ab 1868 Violine im Hauptfach belegte; Bayer besuchte auch den Generalbassunterricht bei L. A. Zellner. 1869 kam er in die Violinklasse von J. Hellmesberger d. Ä. und studierte Harmonielehre im Nebenfach bei A. Bruckner sowie Kontrapunkt und Komposition bei F. O. Dessoff; er dürfte im Studienjahr 1871/72 aus dem Konservatorium ausgetreten sein. Parallel zu seiner musikalischen Ausbildung besuchte Bayer Realschule und Handelsakademie und leistete seinen Militärdienst als Trommler in der Kapelle das k. u. k. IR Hoch- und Deutschmeister Nr. 4 ab, der auch J. Hellmesberger d. J. angehörte. Noch während seines Studiums wurde er am 1.5.1870 Sekundgeiger im Hofopernorchester (bis zur Pensionierung am 30.9.1898) und war 1870–91 Mitglied der Wiener Philharmoniker; daneben trat er v. a. bei privaten Veranstaltungen als Geiger oder Pianist auf. 1883 wurde er Hofopern- (bis 1913), 1885 auch Ballettkapellmeister (bis 1898); als Dirigent tourte er durch viele europäische Länder sowie ab 1881 durch die USA. Bayer komponierte zudem zahlreiche auch im Ausland aufgeführte Bühnenwerke wie auch Lieder, Tänze und Märsche und galt, besonders mit seiner 1888 uraufgeführten, von J. Hassreiter choreographierten Puppenfee (zuerst: Im Puppenladen), als „Schöpfer des spezifisch Wienerischen Balletts“ (Signale für die musikalische Welt 71/12 [19139, 453). 1899 vollendete er J. Strauss Sohns einziges Ballett Aschenbrödel (UA 1901 Berlin). Bayer war seit 16.5.1878 mit der Sängerin Therese, geb. Klein verheiratet; ihre beiden Töchter Helene und Ida wurden ebenfalls Sängerinnen, Letztere war auch Komponistin.
Gedenkstätten
- Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof
Ehrungen
- Ritterkreuz des Franz-Joseph-Ordens zum 30jährigen Dienstjubiläum 1900
Werke
55 Tänze (Walzer Die Pariser Weltausstellung, Wiener-Schlittage-Galopp), 41 Märsche (Japanischer Marsch, Deutschmeister-Regiments-Marsch); 19 Operetten (Mister Menelaus 1896, Fräulein Hexe 1898, Der Polizeichef 1904, Das Damenduell 1907); 70 Ballette (Die Puppenfee 1888, Sonne und Erde 1889, Der Kinderweihnachtsmann 1890, Rouge et noir 1891, Die Donaunixe 1892, Columbia 1893, Die Braut von Korea 1897, Rosa d’amore 1898, Aus der Heimat 1908, Nippes 1911); 42 Lieder.
Literatur
- Erhart 1998
- Czeike 1 (1992)
- ÖBL 1 (1957)
- MGG 2 (1999)
- NGroveD 3 (2001)
- Lang 1986
- Ida Bayer-Aspis, Josef Bayer, Typoskript [um 1955]
- Annkatrin Babbe, Wiener Schule. Geigenausbildung bei Josef Hellmesberger, Wien 2024, 139–142
- Signale für die musikalische Welt 71/12 (1913), 453
- Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe) 7.11.1936, 35
- „Josef Bayer“ (10.1.2015), in: Wien Geschichte Wiki, https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Josef_Bayer_(Komponist) (4.9.2026)
- R. Wiesinger, „Der Komponist der ,Puppenfee‘: Josef Bayer“, in: Österreichisches Biographisches Lexikon / Biographie des Monats, https://www.oeaw.ac.at/fileadmin/Institute/INZ/Bio_Archiv/bio_2013_03.htm (4.9.2026)
- Elisabeth Anzenberger / Friedrich Anzenberger, „,Deutschmeister-Regiments-Marsch‘ von Josef Bayer“, in: Anzenberger, https://www.anzenberger.info/bayer/ (4.9.2026)
- Art. „Josef Bayer (Komponist)“, in: Wikipedia, https://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Bayer_(Komponist) (4.9.2026)
- FamilySearch, https://www.familysearch.org (4.9.2026)
Seine Frau
Therese, geb. Klein: * 15.10.1851 Sztraza/H, 26.4.1928 Wien. Sängerin, Gesangspädagogin.
Bayer war eine Schülerin von A. Bochkoltz-Falconi; 1874 war die Sängerin am Theater in Olmütz engagiert, später in Augsburg/D. Gemeinsam mit O. Bull, den Schauspieler:innen Katharina Schratt und A. Girardi u. a. wirkte sie im Februar 1878 unter dem Dirigat von E. Strauss an einem Abend des Literarischen Geselligkeitsklubs in Wien mit. Ihren späteren Mann lernte sie kennen, als es sie bei einem Auftritt in Wien am Klavier begleitete. Nach der Hochzeit mit J. Bayer am 16.5.1878 beendete sie vorerst auf dessen Wunsch ihre Bühnenkarriere, trat aber auch danach immer wieder öffentlich auf, so etwa 1886 bei Veranstaltungen des Clubs von Conceptsbeamten der Wiener Polizei-Beamten und des Brigittenauer Schützen-Clubs und gab Gesangunterricht, um das Familieneinkommen aufzubessern.
Literatur
- Eva Marx, Art. „Ida Aspis-Bayer“, in: dies. und Gerlinde Haas, 210 österreichische Komponistinnen vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart, Wien/Salzburg 2001, 36
- Annkatrin Babbe, Wiener Schule. Geigenausbildung bei Josef Hellmesberger, Wien 2024, 142
- Wiener Zeitung 25.3.1869, 5
- Die Neue Zeit: Olmützer politische Zeitung 22.10.1874, 3
- Illustrirtes Wiener Extrablatt 7.2.1878, 9
- Neue Freue Presse 21.11.1886, 7
- Wiener Allgemeine Zeitung 7.12.1886, 15
- FamilySearch, https://www.familysearch.org (4.9.2026)
Ihre Töchter
Helene, verh. Epstein: * 23.10.1879 Wien, 16.2.1952 Wien. Sängerin
Bayer erhielt wie ihre Schwester in jungen Jahren Klavierunterricht. Sie trat v. a. im Fasching bei Tanzveranstaltungen auf und wirkte etwa 1902 an der Aufführung der Operette Pensionsfähig von Mizzi Elitschka (Text) und Hermann Wieck (Musik) und 1903 bei einem Theaterabend des „Vergnügungscomités der Cottage-Redoute“ mit. Im November 1904 heiratete sie den Juristen Michael Epstein.
Literatur
- Eva Marx, Art. „Ida Aspis-Bayer“, in: dies. und Gerlinde Haas, 210 österreichische Komponistinnen vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart, Wien/Salzburg 2001, 36–38
- Annkatrin Babbe, Wiener Schule. Geigenausbildung bei Josef Hellmesberger, Wien 2024, 142
- Sport und Salon 5.4.1902, 9
- Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe), 12.1.1903, 8
- Illustrirtes Wiener Extrablatt 28.10.1904, 5
Aspis-Bayer, Ida: * 7.3.1881 Wien, † 1.4.1964 Wien. Sängerin (Sopran), Komponistin.
Aufgewachsen in einem künstlerischen Umfeld, erhielt Aspis-Bayer wie ihre Schwester ab 1886 privaten Klavierunterricht und war früh eine begabte Tänzerin. Gegen ihren Willen musste sie ab 1897 eine Nähschule besuchen – aus dieser Zeit datieren ihre ersten Kompositionen, die vom Vater in Noten gesetzt wurden –, da J. Bayer zwar ihre Begabung erkannt, sie trotz ihres entsprechenden Wunsches aber nicht professionell ausbilden ließ, da sie eine Frau war. Sie war in erster Ehe (geschieden 1907) mit dem Juristen Franz Klaus verheiratet; das Paar lebte kurze Zeit in Wels. Volljährig geworden, ließ sich Aspis-Bayer 1905–07 privat in Gesang bei F. Forstén sowie in Schauspiel ausbilden. 1907–13 war sie u. a. in Teplitz (Debut in der Operette Die geschiedene Frau von L. Fall), Troppau, Abbazia (Opatija/HR) und Marburg als Soubrette engagiert und wurde bald zum Publikumsliebling. Um bei ihrem im Sterben liegenden Vater in Wien sein zu können, beendete sie 1913 ihre Bühnenkarriere; in den nächsten drei Jahrzehnten entstanden kaum Kompositionen. Während des Ersten Weltkriegs pflegte Aspis-Bayer Schwerstverletzte an der Front. 1926 heiratete sie den aus Czernowitz stammenden Juristen Julius Aspis (1850–1927), der jedoch schon im Jahr darauf starb. Danach lebte sie von den Tantiemen aus den Kompositionen ihres Vaters. 1936 führte sie mit ihrer Schwester einen Prozess rund um die Verfilmung von dessen Ballett Die Puppenfee, da J. Bayer als Komponist nicht genannt wurde. 1938 war sie als Klavierbegleiterin des Tenors F. Borsos bei einem Gedenkkonzert für ihren Vater im Radio zu hören. Auf der Rückfahrt von einem Besuch bei der Familie ihrer Mutter in Agram im Jahr 1940 wurde sie unter Spionageverdacht verhaftet und vier Monate lang inhaftiert. 1944 wurde ihr Wohnhaus bei einem Bombenangriff zerstört, sie selbst schwer verletzt; Aspis-Bayer kam bis 1946 im Kaiserin Elisabeth Heim unter, danach waren ihre Mittel aufgebraucht. Ihre finanzielle Lage besserte sich, als sie nach dem Tod der Schwester Helene 1952 deren Wohnung zugesprochen bekam. Ab 1945 komponierte sie wieder – v. a. Wienerlieder – und trat der AKM bei. Ihre Werke wurden bei verschiedenen Verlagen gedruckt, etwa von J. Maschkan interpretiert und im Radio übertragen; große Teile ihres Nachlasses befinden sich in der Österreichischen Nationalbibliothek. In den 1920er Jahren leitete Aspis-Bayer eine Bridgerunde.
Ehrungen
- Orden für ihre Verdienste als Pflegerin während des Ersten Weltkriegs, verliehen im Beisein des deutschen Kaisers
Werke
ca. 50 Titel, v. a. Wienerlieder und Unterhaltungsmusik, zumeist auf eigene Texte: Wann hab ich bei Ihnen mein Debüt, schöne Frau? 1948, Lied ohne Worte 1956, Das erste „Du“, Der Schwerenöter, Die Welt ist schön, Es war einmal, Geliebtes Wien, Ich bin ein Zigeuner, Mein liebes altes Wien, Pratermelodie, Uns hab’ns g’halten, Vergebens; Motette: Ave Maria (UA 1897 von Therese und Ida Bayer); Klavierwerke: Lied ohne Worte 1956, Tiroler Marsch, Salonwalzer, Schmerz (Improvisation); Kammermusik: Nocturne; Orchesterwerke: Intrada, Marschlied Die Heimgekehrten.
Schriften
- Ida Aspis-Bayer,Josef Bayer, Typoskript [um 1955] (mit eigenen Lebenserinnerungen)
Literatur
- Eva Marx, Art. „Ida Aspis-Bayer“, in: dies. und Gerlinde Haas, 210 österreichische Komponistinnen vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart, Wien/Salzburg 2001, 36–40
- Ilse Korotin, Art. „Aspis-Bayer Ida“, in: biografiaA. Lexikon österreichischer Frauen, Bd. 1, hrsg. von ders., Wien 2016, 147
- Annkatrin Babbe, Wiener Schule. Geigenausbildung bei Josef Hellmesberger, Wien 2024, 142
- Benedikt Lodes, „Ida Aspis-Bayer – eine Komponistin, die es noch zu entdecken gilt“ (4.4.2024), in: Blogs, https://www.onb.ac.at/mehr/blogs/detail/ida-aspis-bayer-eine-komponistin-die-es-noch-zu-entdecken-gilt (4.9.2026)
- Wiener Salonblatt 5.2.1928, 5
- Neues Wiener Tagblatt (Tages-Ausgabe) 7.11.1936, 35
- Radio Wien 15.1.1937, 21, 10.9.1949, 15
- Das kleine Kino- und Radio-Blatt 3.3.1938, 22
- Die Weltpresse 30.11.1948, 8
- Art. „Aspis-Bayer Ida“ (4.2.2026), in: Musikdatenbank von mica – music austria, https://db.musicaustria.at/node/210538 (4.9.2026)
- MyHeritage, https://www.myheritage.at (4.9.2026)
- eigene Recherchen
Abbildungen
Autorin
- Eva Maria Hois
Letzte inhaltliche Änderung
29.9.2026Empfohlene Zitierweise
Eva Maria Hois, Art. „Bayer, Familie“ (29.9.2026), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits (abgerufen am )
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