Erlernte das väterliche Handwerk (Schlosserei) und trat in Dilettantenaufführungen auf. Ohne Ausbildung spielte er zunächst in Rohitsch-Sauerbrunn (Rogaška Slatina/SLO), Krems, Karlsbad, Bad Ischl, Salzburg und 1871–74 am Strampferschen Theater in Wien kleine Rollen. M. Geistinger und M. Steiner verpflichteten ihn an das Theater an der Wien, wo er 1874–98 und 1902–05 engagiert war. Zahlreiche Gastspiele am Carltheater (s. Abb.), 1898–1900 am Deutschen Volkstheater sowie als Gast am Raimundtheater und Theater in der Josefstadt, weiters in Berlin, Hamburg/D und Dresden/D tätig. 1918 Debüt am Burgtheater als Fortunatus Wurzel in F. Raimunds Der Bauer als Millionär. G. begann als jugendlicher Buffo und Gesangskomiker und kreierte später mit großem Erfolg Komikerrollen in Operetten von J. Strauss Sohn, C. Millöcker, E. Eysler und F. Lehár. G. genoss in Wien eine unglaubliche Popularität (G.-Hut) und war auch durch den Vortrag von Couplets und Wienerliedern bekannt (1885 sang er erstmals das Fiakerlied von G. Pick). Von seiner Stimme existieren auch Schallplattenaufnahmen für Grammophon, die zwischen 1900 und 1913 entstanden. Ab 1913 spielte er auch in Filmen (u. a. in Der Millionenonkel, Regie: H. Marischka, M: R. Stolz) mit. G. wurde später auch als Filmfigur verewigt: A. G. und sein lachendes Wien (1922), Operette (1940, Regie: Willi Forst, mit P. Hörbiger in der Hauptrolle) und Der Komödiant von Wien (1954, Regie und Hauptrolle: Karl Paryla). G. war in erster Ehe (1893–96) mit der Schauspielerin Helene Odilon (eig. Ida Helene Petermann,* 31.7.1864 Dresden, † 9.2.1939 Baden bei Wien/NÖ [s. Abb.]) und in zweiter Ehe ab 1898 mit Leonie Latinovicz de Borsón (* 10.4.1868 Borsód?, Ungarn [Bácsborsód/H], † 20.5.1918 Wien), der Stieftochter des Klavierfabrikanten L. Bösendorfer verheiratet. Der Sohn aus der zweiten Ehe, Anton Maria (1899–1961), war Schauspieler und Schriftsteller.
Gedenkstätten
- Grab ehrenhalber Wr. Zentralfriedhof
- Bronzebüste im Opernhaus Graz
- Gedenktafel am Geburtshaus Leonhardstr. 28 (Graz)
- Gedenktafel Linzergasse 50 (Salzburg, s. Abb.)
- Gedenktafel am Café Ramsauer (Bad Ischl, s. Abb.)
- Marmorbüste im Ehrenhof d. Grazer Burg
- Girardidenkmal von Otto Hofner (Wien I, Friedrichstraße)
- G.gasse (Wien VI; Graz I)
- Alexander-Girardi-Straße (Salzburg, Bad Ischl)
- Girardistraße (St. Peter in der Au/NÖ)
Schriften
- A. G.s Werdegang. Von ihm selbst erzählt in Velhagen & Klasings Monatshefte 27/1 (1912)
Literatur
- K-R 1997
- NGroveDO 2 (1992)
- NGroveD 9 (2001)
- ÖBL 1 (1957)
- Czeike 2 (1993)
- Personenlex. Öst. 2001
- B. Schifferer, G. – ein Wiener aus Graz 1975
- R. Holzer, Die Wiener Vorstadtbühnen 1951
- E. Andorfer, [Kat.] G.-Ausstellung Graz 1950
- W. Fritz in Mitt. der österr. Gesellschaft für Filmwissenschaft 1968
- M. Weihermüller, Discographie der Deutschen Kleinkunst 2, 1991
- Trauungsbuch der Votivkirche (Wien IX) 1892–94, [1893], fol. 18
- Sterbebuch der Lutherischen Stadtkirche (Wien I) 1918, RZ 148 u. 156
Abbildungen
Links
Autorin
- Andrea Harrandt
Letzte inhaltliche Änderung
20.4.2023Empfohlene Zitierweise
Andrea Harrandt, Art. „Girardi, Alexander Andreas“ (20.4.2023), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits, https://dx.doi.org/10.1553/0x0001cf1f (abgerufen am )
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