Ullmann, Viktor Josef

* 1.1.1898 Teschen/Österreichisch-Schlesien (Český Těšín/CZ u. Cieszyn/PL), † 18.10.1944 KZ Auschwitz/Generalgouvernement (Oświęcim/PL)

Komponist, Dirigent, Musikschriftsteller

1914–16 Unterricht in Musiktheorie bei J. Polnauer in Wien, ab 1918 Teilnehmer am Seminar für Komposition von A. Schönberg. 1919 übersiedelte er nach Prag und setzte dort seine Ausbildung bei H. Jalowetz fort. A. v. Zemlinsky verpflichtete ihn 1920 als Chordirektor und Korrepetitor am Neuen Deutschen Theater, an dem er 1922–27 auch als Dirigent tätig war. Es folgten weitere Engagements als Kapellmeister in Aussig (1927/28) und Zürich/CH (1929–31). Großes Aufsehen errangen seine Schönberg-Variationen auf dem Musikfest der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik (IGNM) in Genf/CH 1929.

Wichtige Zäsuren stellen U.s Beitritt zur Anthroposophischen Gesellschaft (1931) und der Entschluss dar, seine Kompositions- und Dirigententätigkeit zeitweise einzustellen und eine Buchhandlung in Stuttgart/D zu unterhalten. Nach dem finanziellen Scheitern dieses Projekts und der Machtergreifung der Nationalsozialisten floh er nach Prag (Exil), wo er sich als selbständiger Komponist und Pädagoge etablieren konnte. 1933–35 entstand U.s zentrales Werk, die anthroposophische Oper Der Sturz des Antichrist. Erfolglos bemühte er sich nach dem Überfall auf die Tschechoslowakei 1939 um Auswanderung, 1942 wurde er in das Konzentrationslager Theresienstadt (Terezín/CZ) eingeliefert. Hier war er bis zu seiner Deportation nach Auschwitz am 16.10.1944 kompositorisch tätig, organisierte musikalische Aufführungen und schrieb Rezensionen. Stilpluralismus und Zitate kennzeichnen U.s Spätphase: So werden im Spiel Der Kaiser von Atlantis atonale Passagen mit zeitgenössischer Unterhaltungsmusik, Jazz, dem protestantischen Choral und dem symphonischen Idiom G. Mahlers synthetisiert.

Ehrungen

  • E. Hertzka-Preis 1934 (für die Orchesterversion der Schönberg-Variationen) u. 1936 (für Der Sturz des Antichrist)

Werke

Opern (Der Sturz des Antichrist 1935 [T: Albert Steffen]; Der zerbrochene Krug 1942; Der Kaiser von Atlantis oder die Tod-Verweigerung 1943 [T: Peter Kien]), Melodramen (Die Weise von Liebe u. Tod des Cornets Christoph Rilke 1944); Bühnenmusik; Orchesterwerke (Variationen, Phantasie u. Doppelfuge über ein kleines Klavierstück von A. Schönberg [Orchesterfassung] 1933; Don Quixote tanzt Fandango 1944), Konzerte (Klavierkonzert 1939; Slawische Rhapsodie f. Orchester u. obligates Sax. 1940), Kammermusik (3 Streichquartette 1923–43), Chormusik, Lieder (3 Lieder nach Friedrich Hölderlin 1944); Klaviermusik (Variationen u. Doppelfuge über ein Klavierstück v. A. Schönberg 1925/29; 7 Klaviersonaten 1936–44).

Schriften

Literatur

Autor

  • Stefan Schmidl

Letzte inhaltliche Änderung

30.6.2006

Empfohlene Zitierweise

Stefan Schmidl, Art. „Ullmann, Viktor Josef“ (30.6.2006), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits, https://dx.doi.org/10.1553/0x0001e53b (abgerufen am )

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