Orsler (Orschler, Orßler, Orschel), Familie

Musiker:innen

Johann Georg: * ca. 1698 Löwen/Schlesien (Lewin Brzeski/PL), † 4. [5. lt. Wr. Ztg.; begr. 6.] 10.1777 Wien. Komponist, Kapellmeister, Violinist. War Schüler des Löwener Organisten Michael Kirsten. Sein Dienstherr im schlesischen Falkenberg (Niemodlin/PL), Graf Žerotín, ließ ihn in Wien bei Michael Frey, J. O. Rosetter (Violine) und J. J. Fux (Komposition) studieren. Um 1726 ist O. in Prag nachweisbar. Er war Kapellmeister bzw. Violinist beim Grafen Johann Matthias v. Thurn und Valsassina in Brünn und Olmütz (ab 1730) und 1731–36 beim Grafen F. A. von Rottal in Holleschau (Holešov/CZ), wo er eigentlich als Hofmeister engagiert war (sein Nachfolger wurde dort I. J. Holzbauer). Während dieser Zeit verehelichte sich der verwitwete O. am 11.2.1733 in Wien zu St. Stephan neuerlich. Weitere Tätigkeiten beim Grafen Johann Adam v. Fünfkirchen, bei József Esterházy de Galántha, beim Fürsten Johann Nepomuk Karl v. Liechtenstein in Südmähren (bis ca. 1750) und bei Thomas Vinciguerra Freiherr v. Collalto in Pirnitz (Brtnice/CZ). Eine angebliche Tätigkeit als Violinist in der Wiener Hofmusikkapelle in den späten 1750er Jahren konnte bislang nicht nachgewiesen werden. Er starb als gewesener herrschaftlicher Kapellmeister.

Werke

Sinfonien, Trios, Partiten, Passionsoratorium, Kirchenmusik, Arien.

Sein Sohn

Johann Adam Joseph: get. 25.8.1736 Neubistritz/Böhmen (Nová Bystřice/CZ), † 2.6.1806 Leopoldstadt (Wien II). Komponist, Violoncellist. Ist – als nicht näher bezeichneter Musiker – erstmals 1759 anlässlich seiner Verehelichung und der Taufe eines Sohnes in Wien greifbar. 1772–1806 Mitglied der Wiener Hofkapelle, mindestens 1775–96 spielte er auch im Orchester der Hoftheater. 1771 Gründungsmitglied der Tonkünstler-Sozietät, deren Ausschuss er ab 1772 angehörte (1785/86 Rechnungsführer). Er wurde in der Vergangenheit immer wieder mit J. G. O. verwechselt.

Werke

Sinfonien, Quartette (Zuordnung fraglich).

Dessen Bruder?

Karl Ludwig: * ca. 1739 (Ort?), † 23.10.1796 Wien. Beamter, Violoncellist. Bei ihm könnte es sich um jenen zweiten O. (neben Jos. O.) handeln, der im Dezember 1775 als Cellist im Hoftheater-Orchester überliefert ist. 1772 ist er aber bereits auch als „Juris Candidatus“ überliefert. Johann Ferdinand Schönfeld bezeichnet ihn als guten Violoncellospieler, der „vielfälltig für Privatakdemien aufgesucht“ wird (Schönfeld, 46). Er starb als Notar und Registrant beim Wiener Magistrat.

Josephs Tochter

Maria Anna: * 7.2.1769 Wien, † 12.6.1816 Wien. Sängerin. Trat am 8. und 9.4.1786 in einer Akademie der Tonkünstler-Sozietät in C. Ditters v. Dittersdorfs Oratorium Giobe als Solistin (neben K. Cavalieri, C. Gsur, J. V. Adamberger, Vincenzo Calvesi, St. (oder P.) Mandini) auf.

Ein weiterer O. spielte ab 1784 bis mindestens 1796 neben Jos. O. Violoncello im Orchester der Hoftheater, überliefert ist hierbei ein Vater-Sohn-Verhältnis. Bislang konnte nicht geklärt werden, um wen es sich hierbei handelte. Anscheinend erreichten nur zwei Söhne Jos. O.s das Erwachsenenalter, von denen jedoch einer Jurist (Joseph Johann, 1759–1811) und einer Arzt (Ferdinand, 1763–1819) wurde. In älteren Lexika wird dieser zweite O. als Franz: O. (* ?, † ca. 1798 Wien?), angeblich Jos. O.s Vater, identifiziert. Ein F. O. konnte in Wien bisher jedoch quellenmäßig nicht nachgewiesen werden.

Literatur

Autor

  • Christian Fastl

Letzte inhaltliche Änderung

4.3.2026

Empfohlene Zitierweise

Christian Fastl, Art. „Orsler (Orschler, Orßler, Orschel), Familie“ (4.3.2026), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits, https://dx.doi.org/10.1553/0x0001dbff (abgerufen am )

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