Marsch

Musik zum Marschieren („marcher“ wurde als militärisches Fachwort im Dreißigjährigen Krieg gebräuchlich).

Zweck des M.es (engl. march, frz. marche, ital. marcia) ist es, die Bewegung, das Tempo und den Gleichschritt einer Truppe zu regeln, zugleich aber auch – im psychologischen Sinn – auf die Automatik des Marschierens einzuwirken und die Truppe anzufeuern. In dieser Funktion hat der Militär-M. (Militärmusik) sich in Tausenden von Kompositionen in allen Kontinenten ausgebreitet, wobei die strenge und einfache, zumeist vierteilige Form nur geringe kompositorische Variationsmöglichkeiten und damit Unterschiede zwischen dem alt-österreichischen (J. Strauss Vater und Sohn, J. Fučik, K. Komzak, J. F. Wagner, C. M. Ziehrer), dem tschechischen (F. Kmoch), dem preußischen (Gottfried Piefke, Carl Teike, Hermann Louis Blankenburg), dem französisch-belgischen (Gabriël Parès), dem englischen (Kenneth J. Alford) und dem US-amerikanischen (John Philip Sousa) M. ermöglicht.

In stilisierter Form finden wir den M. in Tanz- und Suitenkompositionen (J. J. Fux, J. und M. Haydn, C. Ditters v. Dittersdorf, W. A. Mozart), in Opern (G. F. Händel, Jean-Baptiste Lully, Jean-Philippe Rameau, Ch. W. Gluck, Mozart, L. v. Beethoven), in Klavierkompositionen (Fr. Schuberts „Militärmärsche“, R. Schumann, Felix Mendelssohn Bartholdy), in Symphonien (wie in Beethovens „Neunter“, bei Hector Berlioz, G. Mahler), in Orchesterwerken (Beethoven, F. Liszt, Peter Iljitsch Tschaikowsky, R. Strauss, Paul Hindemith). Der Prozessions- oder Trauer-M. (F. Chopin) begleitet in der Regel kirchliche Umgänge sowie den Trauerzug, erklingt aber auch als Konzertstück. In den USA hat die Untergattung des „Zirkus-M.es“ erfolgreiche Kompositionen hervorgebracht. In der Avantgarde des 20. Jh.s finden sich schließlich Versuche, dem M. neuen Sinn zu geben und dabei zeitgenössische Kompositionstechniken anzuwenden, wie Alban Bergs M. aus den Drei Orchesterstücken, op. 6 (1914/15), E. Kreneks Drei lustige M.e, ebenso für Donaueschingen 1926 komponiert wie P. Hindemiths M. aus der Konzertmusik für Blasorchester op. 41, Mauricio Kagels 10 M.e, um den Sieg zu verfehlen (1983) oder H. M. Preßls Parodie Wir war’n die Deutschmeister sowie Afghanischer M. und Variationen für Trompete und Posaune (1967).

Literatur

Autor

  • Wolfgang Suppan

Letzte inhaltliche Änderung

14.3.2004

Empfohlene Zitierweise

Wolfgang Suppan, Art. „Marsch“ (14.3.2004), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits, https://dx.doi.org/10.1553/0x0001d8c7 (abgerufen am )

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