Kraxner, erstes von sechs Kindern einer Eisenbahnerfamilie, besuchte die Volks- und Hauptschule in Wolfsberg und ab 1942 die Lehrerbildungsanstalt in Krainburg (Kranj/SLO). Nach dem Kriegsdienst (Einberufung 1943) setzte er seine Ausbildung an der Lehrerbildungsanstalt in Klagenfurt fort, wo er 1946 ein Quintett gründete. Nach der Matura 1947 unterrichtete Kraxner bis 1969 an verschiedenen Volks- und Hauptschulen in Klagenfurt, 1970–88 als Deutschprofessor an der Pädagogischen Akademie in Klagenfurt. Von 1988 bis zur Pensionierung an Gymnasien in Klagenfurt und Völkermarkt, an landwirtschaftlichen Fachschulen und der Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen.Berufsbegleitend studierte er Pädagogik und Germanistik an der Universität Klagenfurt, schloss beide Fächer 1977 mit dem Magistergrad ab und promovierte 1981 zum Doktor der Philosophie. Kraxner war seit 1951 mit Brunhilde, geb. Capellari verheiratet und hatte mit ihr eine Tochter. Geprägt wurde Kraxner u. a. durch seine Bekanntschaft mit dem Volkskundler Franz Koschier (1909–2002), über den er den Volkstanz kennenlernte, und seinen Deutschlehrer Josef Friedrich Perkonig (1890–1959), der auch als Schriftsteller tätig war. 1948–63 leitete Kraxner mit einer kurzen Unterbrechung den Chor der Kärntner Landsmannschaft; er war auch Mitglied im Klagenfurter Rundfunkchor, leitete ein gemischtes Doppelquintett, das Quartett der Arbeiterkammer und später den Wulfeniachor Klagenfurt. Im Kärntner Lehrerchor lernte er A. Anderluh kennen und als Gründungsmitglied des Kärntner Madrigalchors Klagenfurt 1959 G. Mittergradnegger, der ihn zum Verfassen Neuer Kärntnerlieder anregte. Gemeinsam mit A. Schmid, Dieter Fleiß und Hans Streiner gehörte Kraxner als Volksliedkomponist dem Unterkärntner Kreis an; er verfasste auch Gedichte. 1959–69 leitete er das Singen bei den von F. Koschier geleiteten Turnersee-Volkstanzwochen. Kraxner gehörte zu den Mitgliedern des 1958 neu konstituierten Arbeitsausschusses für das Volkslied in Kärnten, 1990–2002 hatte er im nunmehrigen Kärntner Volksliedwerk die Obmannschaft inne. In diesen Jahren gab er die Vereinszeitschrift Auftakt heraus, für die er zahlreiche v. a. biografische Beiträge verfasste, initiierte die Mageregger Gespräche (sechs Symposien zur Volkskultur in Kärnten) und ein volksmusikalisches Feldforschungsprojekt im Lavanttal/K; außerdem wurde unter seiner Leitung die Schriftenreihe Beiträge zur Kärntner Volkskultur gegründet, und es entstand eine umfassende Darstellung der damals 90-jährigen Geschichte des Kärntner Volksliedwerkes, die als Wanderausstellung präsentiert wurde.
Ehrungen
- Anderluh-Plakette 1996
- Ehrenmitglied und Ehrenobmann des Kärntner Volksliedwerkes 2002
- Würdigungspreis für Volkskultur 2011
- Kärntner Landesorden in Silber 2017
- Großes Ehrenzeichens des Landes Kärnten
- Großes Goldenes Ehrenzeichen des Landes Kärnten 2017
- Ehrpfennig und Ehrenring der Stadt Klagenfurt
- Goldenes Verdienstzeichen der Republik Österreich
- Georg Graber Medaille der Kärntner Landsmannschaft
- Goldene Medaille des Vereines der Österreicher in Berlin
- Walther von der Vogelweide-Medaille des Kärntner Sängerbundes
- Freundschaftsplakette der Stadt Ohrid/MK
Werke
über 140 Lieder in Dialekt und Hochsprache; Kärntner Sängermesse 1985. Liederbücher: Waht da Wind üban See 1987, War viel aus an Herzn zan sågn. Lieder für gemischten Chor 2007. Gedichtbände: Die Sonnenfähre 2003, Heller Flöte dunkler Klang 2006, Harfe im Wind 2008, Unterm Schattenbaum 2010, Spuren im Licht 2011, Und die Zeit hält keine Rast 2013.
Schriften
- Walter Kraxner, „Rundfunk und Volksmusik in Kärnten“, in: Franz Koschier, Karntnarisch gsungan – karntnarisch gspielt, Klagenfurt 1972 (Kärntner Heimatleben 14), 101–109
- Walter Kraxner, „Volkslied und Volksmusik im brauchtümlichen Jahreslauf in Kärnten 1“, in: Unser Brauch 16/46 (1993), 3–5
- Walter Kraxner, „Die musische Volkskultur“, in: Auftakt 1/1 (1994), 7f
- Walter Kraxner, „Hochzeitsbrauchtum aus dem Lavanttal, Brautsprüche und Hochzeitstafellied“, in: Auftakt 1/3 (1994), 4–6
- Walter Kraxner, „Das deutsche Volkslied in Kärnten“, in: Wånn du durchgehst durchs Tål. Einblicke in die musische Volkskultur Kärntens, hrsg. vom Kärntner Volksliedwerk, Klagenfurt 1996 (Beiträge zur Kärntner Volkskunde 2), 7–62
- Walter Kraxner, „Gerhard Glawischnig. Ein Leben für Kärnten – Wirken und Werk“, in: Auftakt 3/1 (1996), 4–19
- Walter Kraxner, „Volkslied und Volksmusik im Brauchtum des Jahres in Kärnten“, in: Auftakt 4/1 (1997), 3–5
- Walter Kraxner, „Die Sage (Heiligensage). ,Hildegard auf Proßnitza‘“, in: Auftakt 4/1 (1997), 10–12
- Walter Kraxner, „180 Jahre Volksliedforschung in Kärnten“, 4 Teile, in: Auftakt 4/3 (1997), 2–9, 4/4 (1997), 2–6, 5/1 (1998), 14–16 und 5/3 (1998), 2f
- Walter Kraxner, „Günther Mittergradnegger und das Kärntnerlied. Zum 75. Geburtstag des großen Liedschöpfers“, in: Die Kärntner Landsmannschaft 9–10 (1998), 88f
- Walter Kraxner, „Von Dreikönigssängern und Sternsingern“, in: Auftakt 6/1 (1999), 6–9
- Walter Kraxner, „Über das neue Kärntnerlied“, in: Auftakt 6/3 (1999), 18f
- Walter Kraxner, „Was ist dran am Kärntnerlied?“, in: Auftakt 7/2–3 (2000), 11f
- Walter Kraxner u. a., Weihnachtliche Hirtenlieder aus Kärntner Quellen, Wien 2002 (Corpus Musicae Popularis Austriacae 15/1–2)
- Walter Kraxner, „Pfarrer David Pließnig. Zur Volksliedforschung in Kärnten“, in: Die Kärntner Landsmannschaft 11 (2007), 15f
- Walter Kraxner, „Geschichtliche Zeugnisse über den Gesang in Kärnten“, in: Die Kärntner Landsmannschaft 5 (2007), 5–8
- Walter Kraxner, „Volksliedsammlung in Kärnten von den Anfängen bis zu Anton Anderluh“, in: Die Kärntner Landsmannschaft 9–10 (2007), 80–88
Literatur
- Helmut Wulz, „Laudatio zum 70. Geburtstag des Kärntnerliedkomponisten Walter Kraxner“, in: Auftakt 5/1 (1998), 8–12
- Carmen Gaggl, „Wenn Musik und Sprache eine herzerwärmende Einheit bilden. Unser Ehrenobmann Walter Kraxner feierte vor kurzem seinen 80. Geburtstag“, in: lied.ART 4/4 (2007), 2f
- Heimo Sprenger, „Nachruf Walter Kraxner (17. Dezember 1927 − 6. Mai 2021)“, in: Jahrbuch des österreichischen Volksliedwerkes 71 (2022), 163–165
- eigene Recherchen
Autorin
- Eva Maria Hois
Letzte inhaltliche Änderung
25.9.2026Empfohlene Zitierweise
Eva Maria Hois, Art. „Kraxner, Walter“ (25.9.2026), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits (abgerufen am )
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