K. wuchs in Wien in künstlerischen Verhältnissen auf. Sein Vater war Schauspieler, seine Mutter Balletttänzerin. Er begann seine musikalische Karriere 1965 als Bluesmusiker auf dem Kontra- und E-Bass unter dem Namen Small Blues Charlie. 1972–78 war er auf Tournee mit Bluesmusikern aus Chicago, Illnois/USA wie Mickey Baker, David „Honeyboy“ Edwards, J. B. Hutto und Houston Stackhouse. 1977 war er Mitbegründer des Vienna Art Orchestra. Aus Respekt vor den amerikanischen Kollegen beendete er 1978 seine Karriere als Bluesmusiker und widmete sich am Konservatorium der Stadt Wien dem Studium der klassischen Musik (Komposition, Kontrabass sowie Klavier, Cembalo und Viola da Gamba bei V. Sokolowski). Sokolowski führte ihn an der MHsch. Wien in die Zwölftonmusik und die Musik von J. M. Hauer ein. K. komponierte in der Folge viele Zwölftonspiele für kammermusikalische Besetzungen. Eine UA seiner Zwölftonspiele fand 1983 im Rahmen der Ausstellung 100 Jahre Josef Matthias Hauer im Historischen Museum der Stadt Wien statt. 1984 gründete er das Zwölftonspiel-Ensemble Wien, mit dem er Konzerte bei den Wiener Festwochen gab und im Wiener Konzerthaus auftrat. 1985 gründete er das Solo-Orchester, dessen einziges Mitglied er war. 1991–2016 war er Mitglied der Reform Art Unit. K. gab zahlreiche Konzerte im Rahmen der Wiener Festwochen und des KlangBogen Wien, in der Alten Schmiede (Wien I) und bei zahlreichen Vernissagen und Veranstaltungen in Galerien und Kunstmuseen. Er hielt viele Vorträge an HSch.n und Seminare für E-Musik sowie Workshops über das Zwölftonspiel von J. M. Hauer für das Österreichische Kulturservice. Mit C. Salesny und Niki Dolp gründete er 2023 ein Trio. Seit 1971 entstanden an die 6.500 Werke, darunter auch Kompositionsaufträge. Seine Musik ist einmalig und schwer einzuordnen. Sie spannt einen weiten Bogen von Alter Musik, freier Zwölftonmusik, zeitgenössischer Avantgarde, elektronischer Musik und Computermusik hin zu Freejazz, Blues, Funk, Techno und Rock. Er ist wahrscheinlich der erste und einzige Jazz-Gambist der Welt.
Werke
rund 6.500 Werke, u. a. Wittgenstein-Suite; Zwölftonspiele für kammermusikalische Besetzungen; Computersinfonien; Würfelsinfonie (UA Graz 2003); zahlreiche Tonaufnahmen mit der Reform Art Unit; CD Die Liebe wird siegen – Krbavac/Salesny/Dolp 2023.
Literatur
- A. Felber, Die Wiener Free-Jazz-Avantgarde 2005
- https://db.musicaustria.at/node/69958 (7/2025)
- www.baer-baer.at (7/2025)
- pers. Mitt. (7/2025)
Abbildungen
Autor
- Emanuel Wenger
Letzte inhaltliche Änderung
23.9.2025Empfohlene Zitierweise
Emanuel Wenger, Art. „Krbavac, Karl Wilhelm (Pseud. Small Blues Charlie)“ (23.9.2025), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits (abgerufen am )
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