Absolvierte die Lehrerbildungsanstalt Klagenfurt, an der er später als Lehrer und bis 1945 als Direktor wirkte. 1922 legte er die Staatsprüfung für Violine und 1923 jene für Gesang und Orgel ab. Ab 1927 war er Bratschist im Klagenfurter Streichquartett, 1935–38 Musikrezensent der Klagenfurter Zeitung. A. trat am 1.5.1938 der NSDAP bei, im August/September 1938 war er Dozent bei der volkskundlichen Schulungswoche „Kraft durch Freude“ in Drauhofen/K. 1939–45 Landesleiter der Reichsmusikkammer Gau Kärnten, ab 1942 Präsident des Musikvereines Kärnten. Beauftragter des Gauleiters für das Kärntner Musikschulwerk und Leiter des Gauausschusses für Volksmusik in Kärnten, Leiter der Gebietssingschar der Hitlerjugend, die unter ihm den 1. Musikpreis des Gauleiters empfing. 1939/40 Kriegsdienstleistung, nach dem Krieg in englischer Gefangenschaft in Wolfsberg. 1955 gründete A. gemeinsam mit Maria Weutz die Konzertvereinigung Mozartgemeinde Klagenfurt und leitete diese. Er leitete bereits ab den 1930er Jahren zahlreiche Singstunden und -wochen, 1952 gründete er gemeinsam mit Franz Koschier die Turnersee-Singwochen, die für die Volksmusikpflege in Kärnten und im restlichen Österreich wichtig wurden. Als Sammler, Forscher und Pfleger des Kärntner Volksliedes nach dem Vorbild J. Pommers und als Leiter (ab 1958) des Kärntner Volksliedarchivs gab er zahlreiche Volkslieder seiner Kärntner Heimat in volkstümlichen vierstimmigen Sätzen heraus und erzielte große Vorbildwirkung im Chorwesen und Quartettsingen, auch durch Einbeziehen der Frauenstimmen. Sein wissenschaftliches Lebenswerk ist die nach Gattungen geordnete Repräsentativausgabe der Kärntner Volkslieder (Kärntens Volksliedschatz), zu der auch nach seinem Tod noch Folgebände erschienen. 1950 von der Republik als minderbelastet amnestiert, wurde A.s Position während der NS-Zeit im Schlussbericht der Fachkommission für die Klagenfurter Straßen- und Plätzenamen (2007) als „über das gewöhnliche ‚Mitläufertum‘ und gesellschaftsimmanenten Opportunismus hinausgehend mit dem Schreckensregime des Nationalsozialismus verbunden“ bewertet.
Gedenkstätten
- Anderluhstraße (Klagenfurt)
- Gedenktafel am Geburtshaus in Klagenfurt, Pernhartgasse 4
Ehrungen
- Oberstudienrat
- Prof.-Titel
- Silberne und Goldene Verdienstmedaille des Kärntner Sängerbundes
- Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um die Volksbildung des Kärntner Bildungswerkes
- Raimund-Zoder-Medaille 1966
- Goldene Medaille der Landeshauptstadt Klagenfurt
- Goldenes Ehrenzeichen der Republik Österreich
Werke
Lieder, Präludien und Fugen für Orgel, Bühnenmusiken, Bearbeitung von Kärntnerliedern.
Schriften
- Kärntner Liederbuch 1933
- Das Singen in Kärnten 1961
- Kärntens Volksliedschatz 1–12 (1960–75, von W. Deutsch abgeschlossen)
- Das A. Volksliederbuch 1983
- Zu Lied und Musik in Kärnten, red. v. W. Deutsch/G. Anderluh 1987
Literatur
- F. Koschier im JbÖVw 26 (1977)
- Lied und Brauch (A.-Festgabe) 1956
- M. Streit, Musik in Kärnten während der NS-Zeit, MA-Arbeit Klagenfurt 2014
- F. Prieberg, Hb. Dt. Musiker 1933–1945 , 22009
- Musikverein für Kärnten Fs. 1942, 1942
- Festliche Jahresschrift 1943, hg. v. Musikverein für Kärnten 1943
- Kraft durch Freude 1938, Nr. 1, 10ff
- Fachkommission für die Klagenfurter Straßen- und Plätzenamen, Schlussbericht, Mai 2007
- Kärntner Landesarchiv (Landesschulrat für Kärnten, Akten 1943, Sch. 506A, Nr. 17 „Grenzlandkonservatorium Umwandlung, Vermögensrechtliche Auseinandersetzung“; AKL, Kanzleistelle E, Fasz. 19/1 „1940“; Musikverein Kärnten, Sch. 1, Fasz. 13 [u. a. Konservatorium des Musikvereines für Kärnten in Klagenfurt 64. Jahresbericht. Schuljahr 1938/39,1939])
- H. Jeglitsch in Der fröhliche Kreis 57/4 (2007)
Autorinnen
- Gerlinde Haid
- Barbara Boisits
- Maria Streit
Letzte inhaltliche Änderung
13.1.2016Empfohlene Zitierweise
Barbara Boisits, Gerlinde Haid, Maria Streit, Art. „Anderluh, Anton“ (13.1.2016), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits, https://dx.doi.org/10.1553/0x0001f6e4 (abgerufen am )
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