Anderluh, Anton

* 11.3.1896 Weitensfeld/K, † 5.1.1975 Klagenfurt

Chorleiter und Volksliedforscher

Absolvierte die Lehrerbildungsanstalt Klagenfurt, an der er später als Lehrer und bis 1945 als Direktor wirkte. 1922 legte er die Staatsprüfung für Violine und 1923 jene für Gesang und Orgel ab. Ab 1927 war er Bratschist im Klagenfurter Streichquartett, 1935–38 Musikrezensent der Klagenfurter Zeitung. A. trat am 1.5.1938 der NSDAP bei, im August/September 1938 war er Dozent bei der volkskundlichen Schulungswoche „Kraft durch Freude“ in Drauhofen/K. 1939–45 Landesleiter der Reichsmusikkammer Gau Kärnten, ab 1942 Präsident des Musikvereines Kärnten. Beauftragter des Gauleiters für das Kärntner Musikschulwerk und Leiter des Gauausschusses für Volksmusik in Kärnten, Leiter der Gebietssingschar der Hitlerjugend, die unter ihm den 1. Musikpreis des Gauleiters empfing. 1939/40 Kriegsdienstleistung, nach dem Krieg in englischer Gefangenschaft in Wolfsberg. 1955 gründete A. gemeinsam mit Maria Weutz die Konzertvereinigung Mozartgemeinde Klagenfurt und leitete diese. Er leitete bereits ab den 1930er Jahren zahlreiche Singstunden und -wochen, 1952 gründete er gemeinsam mit Franz Koschier die Turnersee-Singwochen, die für die Volksmusikpflege in Kärnten und im restlichen Österreich wichtig wurden. Als Sammler, Forscher und Pfleger des Kärntner Volksliedes nach dem Vorbild J. Pommers und als Leiter (ab 1958) des Kärntner Volksliedarchivs gab er zahlreiche Volkslieder seiner Kärntner Heimat in volkstümlichen vierstimmigen Sätzen heraus und erzielte große Vorbildwirkung im Chorwesen und Quartettsingen, auch durch Einbeziehen der Frauenstimmen. Sein wissenschaftliches Lebenswerk ist die nach Gattungen geordnete Repräsentativausgabe der Kärntner Volkslieder (Kärntens Volksliedschatz), zu der auch nach seinem Tod noch Folgebände erschienen. 1950 von der Republik als minderbelastet amnestiert, wurde A.s Position während der NS-Zeit im Schlussbericht der Fachkommission für die Klagenfurter Straßen- und Plätzenamen (2007) als „über das gewöhnliche ‚Mitläufertum‘ und gesellschaftsimmanenten Opportunismus hinausgehend mit dem Schreckensregime des Nationalsozialismus verbunden“ bewertet.

Gedenkstätten

  • Anderluhstraße (Klagenfurt)
  • Gedenktafel am Geburtshaus in Klagenfurt, Pernhartgasse 4

Ehrungen

  • Oberstudienrat
  • Prof.-Titel
  • Silberne und Goldene Verdienstmedaille des Kärntner Sängerbundes
  • Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um die Volksbildung des Kärntner Bildungswerkes
  • Raimund-Zoder-Medaille 1966
  • Goldene Medaille der Landeshauptstadt Klagenfurt
  • Goldenes Ehrenzeichen der Republik Österreich

Werke

Lieder, Präludien und Fugen für Orgel, Bühnenmusiken, Bearbeitung von Kärntnerliedern.

Schriften

Literatur

Autorinnen

  • Gerlinde Haid
  • Barbara Boisits
  • Maria Streit

Letzte inhaltliche Änderung

13.1.2016

Empfohlene Zitierweise

Barbara Boisits, Gerlinde Haid, Maria Streit, Art. „Anderluh, Anton“ (13.1.2016), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits, https://dx.doi.org/10.1553/0x0001f6e4 (abgerufen am )

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