Kralik (von Meyrswalden), Familie

Musiker:innen, Schriftsteller und Musikkritiker

Richard (Pseud. Roman): * 1.10.1852 Eleonorenhain/Böhmen (Lenora/CZ), † 4.2.1934 Wien. Schriftsteller und Komponist. Studierte 1870–74 an der Univ. Wien Jus (1876 Dr. jur.), Beschäftigung mit Malerei, Musik, klassischer Philologie, Geschichte und Literatur. Reisen nach Deutschland, in die Schweiz, Italien und Griechenland; erstrebte eine Erneuerung der deutschen Kultur aus Volkstum und Katholizismus bei gleichzeitiger Ablehnung des Individualismus. Seine Werke stehen in der Tradition der deutschen Neuromantik. Bei Zusammenkünften in seinem Haus trafen sich Wiens Wagnerianer, u. a. auch G. Mahler und H. Wolf. 1881 entstand aus diesem Kreis eine Sagengesellschaft mit dem Ziel einer Erneuerung des Lebens auf der Grundlage der germanischen und griechischen Mythologie. J. M. Hauer studierte K.s Buch Altgriechische Musik und entnahm diesem offensichtlich die für seine Theorie wichtigen Begriffe Nomos und Melos. 1896–1900? Vizepräsident der Wiener Singakademie, die auch einige seiner Kompositionen aufführte. K. gründete 1905 den katholischen Schriftstellerverband Gral-Bund (mit der Zeitschrift Der Gral) und vertrat einen christlich geprägten, auf der Idee des Heiligen Römischen Reiches basierenden österreichischen Staatsmythos. 1910–23 unterrichtete K. Ästhetik der Kirchenmusik an der Akademie für Musik und darstellende Kunst Wien.

Gedenkstätten

  • Ehrengrab Wr. Zentralfriedhof

Ehrungen

  • Österr. Ehrenzeichen f. Kunst und Wissenschaft 1913
  • Großes Ehrenzeichen der Republik Österreich 1927

Werke

Festlieder, Festspiele, Chormusik, Bühnenmusik zu eigenen Dichtungen (u. a. Das Mysterium von der Geburt des Heilands), Kirchenmusik, Lieder.

Schriften

Literatur

Seine Schwester

Mathilde: * 3.12.1857 Linz, † 8.3.1944 Wien. Komponistin und Pianistin. Der Vater war ein musikalisch aktiver, wohlhabender Fabrikant, die Mutter eine begabte Pianistin, die M. den ersten Klavierunterricht erteilte. Ein weiterer Klavierlehrer in Linz war Eduard Haupt. Ab 1875 Privatstudium bei J. Epstein (Klavier) und A. Bruckner (Theorie). 1876–78 Kompositionsstudium am Konservatorium der GdM bei Franz Krenn (u. a. neben G. Mahler, H. Rott und R. Krzyzanowski), das sie mit der Diplomprüfung und der silbernen Gesellschaftsmedaille abschloss. Dank des familiären Vermögens konnte M., die zeitlebens unverheiratet blieb, freiberufliche Komponistin bleiben. Sie war in mehreren musikalischen Vereinen engagiert, darunter im Damenchorverein (dessen Ehrenpräsidentin sie war), in der Wiener Bachgemeinde, im Verein der Schriftsteller und Künstler in Wien und im Österreichischen Komponistenbund. M.s umfangreiches Œuvre umfasst rund 250 Werknummern in sämtlichen Gattungen, darunter a-capella Gesang, Chorwerke, Messen, Oratorien, Lieder mit Instrumental- und Klavierbegleitung, Orchesterwerke, Kammermusik und Solowerke. Aufführungen ihrer Werke erfolgten häufig im Rahmen von Veranstaltungen von Frauenorganisationen, aber auch bei eigenen Konzerten bzw. in Konzerten mit Werken ihres Bruders Richard. Festkonzerte zu ihrem 75. und 80. Geburtstag im Brahmssaal fanden ein starkes Presseecho.

Ehrungen

  • 1. Preis des Concurs für Komposition des Konservatoriums der GdM 1878
  • Silberne Gesellschaftsmedaille des Konservatoriums der GdM 1878

Werke

Opern Weißblume und Amfortas (T: jeweils R. K.); Oratorium Der heilige Leopold; Kantaten; Melodramen; Ouvertüren; Symphonie; Requiem; Messen; Kammermusik; Lieder.

Literatur

  • Marx/Haas 2001
  • ÖMZ 46/7-8 (1991)
  • H. R. Fleischmann in Modernes Musikleben 1.7.1914
  • ÖBL 4 (1969)
  • Weissenbäck 1937
  • F-A 1936

Sein Sohn

Heinrich: * 27.1.1887 Wien, † 26.9.1965 Wien. Musikkritiker und -schriftsteller. Wuchs in einer konservativen, religiösen und kaisertreuen Umgebung auf. Er studierte Komposition bei H. Grädener am Konservatorium der GdM und Musikwissenschaft an der Univ. Wien (Promotion 1913). 1912 übernahm er das Musikreferat bei der Wiener Zeitung, 1918–38 wirkte er beim Neuen Wiener Tagblatt als Nachfolger M. Kalbecks, hier entstanden zahlreiche Werkeinführungen zu Opern- und Oratorientextbüchern in der Tagblatt Bibliothek. 1945–55 war K. mit Aufbau und Leitung der Musikabteilung von Radio Wien betraut, mit der Einführung der Modernen Stunde 1946 trug er wesentlich zur Verbreitung der Neuen Musik in den ersten Nachkriegsjahren bei. Von 1946 bis zu seinem Tod gehörte er als Musikkritiker dem Redaktionsstab der Presse an. Neben seinen Kritiken verfasste K. zahlreiche Bücher vorwiegend zu österreichischen Musikthemen.

Ehrungen

  • Prof.-Titel 1946

Schriften

Literatur

  • ÖMZ 10 (1955), 36ff
  • H. K., Gustav Mahler, hg. v. F. C. Heller 1968, 7–9
  • F-A 1936

Abbildungen

Autorinnen

  • Barbara Boisits
  • Lynne Heller

Letzte inhaltliche Änderung

19.1.2023

Empfohlene Zitierweise

Barbara Boisits, Lynne Heller, Art. „Kralik (von Meyrswalden), Familie“ (19.1.2023), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits, https://dx.doi.org/10.1553/0x0001d5c3 (abgerufen am )

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