Knepler, Familie

Musikalienhändler, Musikwissenschaftler und Musikkritiker

Hugo: * 10.8.1872 Wien, † nach 13.4.1944 KZ Auschwitz/Generalgouvernement (Oświęcim/PL)? Musikalienhändler, Manager. Als Kind privater Violin-Unterricht, kaufmännische Ausbildung. 1905-07 Inhaber einer Musikalienhandlung, danach zunächst Geschäftsführer der Musikalienhandlung und Konzertdirektion Gutmann, nach dem Tod A. Gutmanns dessen Inhaber. 1916–27 fungierte er als Inhaber des Verlages seines Bruders Paul. K., „bekannt als Universalkünstler und lustiger Humorist“ (Neues 8-Uhr-Blatt) trat im Oktober 1925 im Etablissement Pavillon erstmals öffentlich auf. Emigrierte 1939 nach Frankreich, geriet in deutsche Gewalt. Am 13.4.1944 wurde er von Wien ins KZ nach Auschwitz deportiert, wo er wahrscheinlich ermordet wurde.

Schriften

Literatur

Sein Bruder

Paul: * 29.10.1879 Wien, † 17.12.1967 Wien. Operettenlibrettist, Komponist. Studierte an der Wiener Univ. und arbeitete bis 1929 hauptberuflich als Buchhändler und Verleger. 1905 übernahm er die Wallishauser'sche Hofbuchhandlung und Verlagsanstalt, 1916 ging der Verlag P. K. (Wallishauser Buchhandlung) Wien an seinen Bruder Hugo über. Bis 1938 erfolgreicher Opernlibrettist, danach Emigration (Exil) nach London, Vorstandsmitglied des Austrian Centre, Mitarbeiter des Theaters deutscher Emigranten Das Laterndl, Mitautor der Kulturblätter und der Kulturellen Schriftenreihe des Free Austrian Movement. 1946 kehrte er nach Wien zurück.

Werke

Musik zu den Operetten Josephine Gallmayer (1921) und Wenn der Holunder blüht (1924); Bearb. von K. Millöckers Gasparone; Libretti zu den Operetten Paganini und Giuditta (M: F. Lehár), Die lockende Flamme (M: Eduard Künneke), Der verlorene Walzer (M: R. Stolz), Drei Walzer (M: O. Straus), Kaiserin Josephine (M: E. Kálmán); Texter der Walzer Geschichten aus dem Wienerwald von J. Strauss Sohn und Dorfschwalben aus Österreich. von Jos. Strauss.

Literatur

  • Orpheus im Exil 1995
  • Lang 1986

Dessen Sohn

Georg: * 21.12.1906 Wien, † 14.1.2003 Berlin. Musikwissenschafter. Studierte in Wien Musikwissenschaft unter G. Adler, W. Fischer, E. Wellesz und R. Lach, Klavier bei E. Steuermann und Komposition und Dirigieren bei H. Gál; Klavierbegleiter während der Vorlesungs-Zyklen von K. Kraus zu J. Offenbach. 1934 kurze Inhaftierung aufgrund der Verbreitung kommunistischer Zeitungen; Emigration nach London, wo er als Dirigent, Gesangs- und Klavierlehrer arbeitete und als musikalischer Direktor des Theaters deutscher Emigranten Das Laterndl wirkte. 1946 Rückkehr nach Wien und Sekretär für kulturelle Belange der KPÖ. Gründete 1949 die Deutsche Hsch. für Musik in Berlin (DDR) und wirkte dort als Rektor bis 1960, danach Prof. für Musikwissenschaft und Vorstand des Instituts an der Humboldt-Univ. bis 1970; 1959–90 Chefredakteur der Beiträge zur Musikwissenschaft. K.s Schriften, die von umfassender Kenntnis der europäischen Musik zeugen, sind von seiner humanistischen und marxistischen Gesinnung geprägt.

Werke

gem. mit Eric Crozier Musik für experimentelle TV-Programme während seiner Londoner Zeit.

Schriften

Literatur

  • NGroveD 13 (2001)
  • Brockhaus Riemann 1 (1978)
  • F-A 1 (1974)
  • MGÖ 3 (1995)
  • B. Kruse in J. Braun et al. (Hg.), [Kgr.-Ber.] Verfemte Musik: Komponisten in den Diktaturen unseres Jahrhunderts Dresden 1993, 1995
  • G. Scheit in Musik im Exil 1993
  • Orpheus im Exil 1995
  • G. Rienäcker in Bulletin des Musikrates der DDR 14/3 (1977)
  • G. K./G. Müller in Beiträge zur Musikwissenschaft 18/4 (1976)
  • K. Niemann in Musik und Gesellschaft 21/12 (1971)

Dessen Cousin

Wilhelm (Willy, später Guillermo): * 4.4.1899 Wien, † 10.1.1987 Buenos Aires. Musikkritiker. Als Willy K. schuf er ab etwa 1926 Texte zu Schlagern und Wienerliedern u. a. für E. Arnold. Er emigrierte 1940 nach Buenos Aires, wo er sich als Musikkritiker für das Argentinische Tageblatt und die Mundo israelita betätigte. Mitunter lieferte er Berichte aus Buenos Aires an die ÖMZ.

Werke

Schlager (Du und dein kleines Herz dazu [M: E. Arnold, op. 210], Du kannst mich nicht zwingen [M: H. Love], Spiel auf, Zigeuner [M: Victor Flemming], Hedy, mein Mädi [M: A. Werau], Herbert, ach, sei doch nicht so kleinlich [M: Fred Markush]); Wienerlieder (Herrgott, schenk' dochuns Wienern ein bisserl Musik [M: A. Hummer], Du, mein Wien, bist ein Traum [M: Egon Goldberg], Da versteh’ I kan G’spaß [M: E. Arnold, op. 239]).

Schriften

  • Berichte aus Buenos Aires für die ÖMZ.

Literatur

Abbildungen

Autor:innen

  • Michael Aschauer
  • Monika Kornberger

Letzte inhaltliche Änderung

16.8.2003

Empfohlene Zitierweise

Michael Aschauer, Monika Kornberger, Art. „Knepler, Familie“ (16.8.2003), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits, https://dx.doi.org/10.1553/0x0001d4eb (abgerufen am )

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