Offenbach, Jacques (Jacob)

* 20.6.1819 Köln/D, † 5.10.1880 Paris

Komponist

Der Sohn eines jüdischen Kantors erhielt bereits ab 1833 seine musikalische Ausbildung in Paris, wo er zunächst als Cellist, dann als Theaterleiter wirkte. Seit 1860 französischer Staatsbürger. Zunächst Kompositionen im populären Stil der Romanzen, Virtuosenstücke und Salonmusik, später Bühnenmusik und seit 1853 (Pépito) Operetten (operettes-bouffes), die er seit 1855 in einer selbst geleiteten Bühne (Bouffes-Parisiens) aufführte. Seit Orphée aux enfers (1858) Tendenz zu mehraktigen Werken. Betonung der Parodie bei bewusster Vernachlässigung von Logik und Schlüssigkeit der Handlung. Diese stehen als entscheidender Impuls und als Vorbild am Beginn der Geschichte der Wiener Operette, maßgeblich initiiert von J. Nestroy, der sie hier 1858 (Übersetzung und Bearbeitung der Mariage aux lanternes) einführte. Durch den Tod Nestroys unterblieb jedoch eine anhaltende stilistische und v. a. inhaltliche Orientierung am Vorbild O.s. K. Kraus, der diesen Umstand wiederholt beklagte, stellt mit seinen insgesamt 124 O.-Vorlesungen (in denen 14 Operetten vorgestellt wurden) und darüber hinaus rund 350 „Zeitstrophen“ zu O.-Couplets die wichtigste Rezeptionsstufe der Werke von O. in Österreich dar. Zentrales Interesse fand dabei das Motiv des „sozialen Rollentauschs“ (Knepler). O. wird bei Kraus zum Lehrbeispiel einer „wahren“ Operette, die das Potential des Genres nützt und nicht in seichter Imitation populärer Opernhaftigkeit verbleibt und damit von ihm zum Gegenbeispiel zur Wiener Operettenszene funktionalisiert wird. Zusätzlich verwendete Kraus auch O.-Musik in eigenen Werken (u. a. Wolkenkuckucksheim).

Literatur

Abbildungen

Autor

  • Christian Glanz

Letzte inhaltliche Änderung

16.2.2023

Empfohlene Zitierweise

Christian Glanz, Art. „Offenbach, Jacques (Jacob)“ (16.2.2023), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits, https://dx.doi.org/10.1553/0x0001dbc2 (abgerufen am )

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