Kemetberger Musikanten, Kemetberg Trio

Volksmusikgruppe aus der Weststeiermark 1953–80

Vorläufer der K. M. war ein 1946 gegründetes Duo aus dem späteren Landwirt J. Birnhuber (Steirische Harmonika) und dem späteren Bergarbeiter und Gemeindebediensteten Franz Valeskini (Klarinette, 1933–83), das in privaten Kreisen und zum Tanz aufspielte; sein Spielgut bestand aus den von beiden Musikanten im Unterricht erlernten Stücken bzw. wurde von anderen Gruppen und aus dem Radio übernommen. 1953 wurde es durch den Zimmermann August Müllner (Harmonika, 1929–92) zum K. T. erweitert; nun spielte Birnhuber Posaune. Dieses Trio orientierte sich in Spielweise und Repertoire am Edler Trio, manchmal wurden auch eigene Stücke wie die Kemetberger Polka erfunden. Dazu kamen traditionelle Tanzstücke aus der Weststeiermark sowie die Lieder, Sprüche und Gedichte, die für die sogenannte „Bauernhochzeiten“ gebraucht wurden. 1954 wurde aus dem Trio ein Quartett bzw. Quintett mit dem Namen K. M.; statt der Harmonika wurde nun mit dem chromatischen Knopfgriff-Akkordeon musiziert, zur Klarinette kamen eine Trompete (Josef Krammer bzw. F. Pöschl jun.) oder wechselweise eine zweite Klarinette (ab 1965 F. Pöschls Bruder, der Gestütswärter Helmut Pöschl, * 24.8.1941, † 3.7.2015, der auch Schlagzeug spielte) hinzu. Alle Musikanten spielten auch zwanzig Jahre lang in der 1933 gegründeten Gestütskapelle Piber (heute Musikverein Gestüt Piber). 1956 wurden von Radio Graz erste Stücke des K. T.s aufgenommen und P. Girn, Leiter der Abteilung Volkskultur, wurde zu ihrem Förderer. Durch den Rundfunk wurde das Trio in kurzer Zeit in der Steiermark und auch darüber hinaus bekannt, 1957 folgte der erste Schallplattenvertrag mit der Österreichischen Columbia Grammophon Gesellschaft, 1959 ein großer Auftritt in der Wiener Stadthalle. Die K. M. verschrieben sich damals nicht wie so viele andere Gruppen dem Stil, der Besetzung und dem Repertoire der beliebten Original Oberkrainer von S. Avsenik, sondern blieben weitgehend bei ihrem überlieferten Spielgut (Walzer, Polka, Märsche …) und ihrer Besetzung. Sie musizierten ohne Verstärker bei Hochzeiten, Festen und Bällen und waren, da sie traditionelle Bräuche kannten (Hochzeitslieder, Vorbeten …), nicht nur in der Steiermark, sondern in ganz Österreich gefragt. Moderne Tänze (Tango, Foxtrott, English Waltz …) und Schlager spielten sie nur auf Wunsch des Publikums. Dabei übernahm der Trompeter F. Pöschl jun., der als einziger Musikant nach Noten spielen konnte, die Melodiestimme und wurde von den anderen begleitet. Da immer „live“ musiziert wurde, auch im Rundfunk, gibt es kaum Tonträger der K. M., nur einige wenige Singles, die auf Wunsch von F. Pöschl jun. aufgenommen wurden. Mit dem Ausscheiden von F. und H. Pöschl 1980 ging auch die Ära der K. M. zu Ende.

Werke

Kemetberger Polka (s. Abb.).

Literatur

  • Max Rosenzopf, Weststeirisches Musikantentum, Wien 2016 (Corpus Musicae Popularis Austriacae 21), 55–79 und 466–468
  • eigene Recherchen

Abbildungen

Autorin

  • Eva Maria Hois

Letzte inhaltliche Änderung

16.9.2026

Empfohlene Zitierweise

Eva Maria Hois, Art. „Kemetberger Musikanten, Kemetberg Trio“ (16.9.2026), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits (abgerufen am )

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