B. lernte ab 1944 auf einer geborgten Harmonika bei Josef Pölzl in Kemetberg die ersten Tanzmelodien. Seine sangesfreudige Mutter Elisabeth Birnhuber erfüllte ihm 1946 seinen Wunsch nach einem eigenen Instrument und kaufte ihm eine dreireihige Harmonika der Firma Strasser aus Graz; das Geld dafür hatte sie durch den Verkauf von Preiselbeeren verdient. Gelernt wurde damals durch Vor- und Nachspielen kleiner Melodieteile; Bass und Begleitung musste sich Birnhuber selbst zusammensuchen. Beim Bauern Josef Schmidt lernte er Ventilposaune, die später zu seinem Hauptinstrument werden sollte; als Gegenleistung für den Unterricht musste Birnhuber Stallarbeit verrichten. Mit zwölf Jahren bildete Birnhuber mit seinem Nachbarn, dem späteren Bergarbeiter und Gemeindebediensteten Franz Valeskini (1933–83; Klarinette), seine erste „Kapelle“, mit der er in privaten Kreisen und zum Tanz aufspielte. Das Spielgut bestand aus den im Unterricht erlernten Stücken und wurde von anderen Gruppen bzw. aus dem Radio übernommen. 1953 wurde mit dem Zimmermann und Harmonikaspieler August Müllner (1929–92) aus dem Duo das Kemetberg Trio, das sich in Spielweise und Repertoire am Edler Trio orientierte, manchmal wurden auch eigene Stücke wie die Kemetberger Polka erfunden. Dazu kamen die traditionellen Tanzstücke aus der Weststeiermark sowie die Lieder, Sprüche und Gedichte, die für die sogenannten „Bauernhochzeiten“ gebraucht wurden, bei denen Birnhuber oft als „Brautführer“ fungierte. Insgesamt spielte er, meist freitags, ca. 500 Hochzeiten, dazu kamen Bälle am Samstag und Tanzveranstaltungen am Sonntag. Mit dem so verdienten Geld konnte er ein neues Bauernhaus errichten. 1954 wurde aus dem Trio ein Quartett bzw. Quintett mit dem Namen Kemetberger Musikanten , das bis 1980 musizierte. Birnhuber spielte wie die anderen Musikanten auch zwanzig Jahre lang in der 1933 gegründeten Gestütskapelle Piber (heute Musikverein Gestüt Piber). Er war mit Katharina verheiratet und hatte mit ihr fünf Kinder. 40 Jahre lang war er Geschäftsführer der Weidegemeinschaft Schatteisner, 50 Jahre lang Jagdleiter der Jagdgesellschaft Kemetberg-Kirchberg, zugleich Obmann der Fleckviehgenossenschaft im Bezirk Voitsberg/St und ab 1953 Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Kemetberg. Für seine Verdienste wurde er mehrmals ausgezeichnet und gewürdigt.
Literatur
- Max Rosenzopf, Weststeirisches Musikantentum, Wien 2016 (Corpus Musicae Popularis Austriacae 21), 55–79
Abbildungen
Autorin
- Eva Maria Hois
Letzte inhaltliche Änderung
20.7.2026Empfohlene Zitierweise
Eva Maria Hois, Art. „Birnhuber (vulgo Schwarzreif), Johann“ (20.7.2026), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits (abgerufen am )
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