Jahn-Beer (geb. Jahn), Berta (eig. Bertha Sabine Philomena)

* 1.3.1883 Wien, † 22.1.1942 Milton, Massachusetts/USA

Pianistin, Klavierpädagogin

Das einzige Kind des Musikers und Musikpädagogen (Violine, Viola) Bernard (Bernhard) Jahn (1851–nach 2.8.1912; vermutlich nicht ident mit dem in Deutschland tätigen Lehrer und Dirigenten gleichen Namens, der in den 1880er und 1890er Jahren mehrere Bände der Orpheus. Volkslieder-Sammlung mit eigenen und fremden Volksliedbearbeitungen veröffentlichte) und seiner früh verstorbenen ersten Frau Bertha, geb. Rupp (1858–1884), erhielt seine erste musikalische Ausbildung vom Vater. Ab sechs Jahren wurde Jahn-Beer von Theodor Leschetitzkys Assistentinnen, von zehn bis 18 Jahren von Leschetitzky selbst in Klavier unterrichtet und war angeblich eine seiner Lieblingsschülerinnen (Neues Wiener Tagblatt 14.11.1935, 7). Daneben unterrichteten sie J. Müller-Hermann und kurz auch H. Schenker in Musiktheorie. Jahn-Beer galt als Wunderkind, trat ab 1895 öffentlich auf, konzertierte bald häufig als Solistin und Kammermusikerin im In- und Ausland (u. a. in Frankreich und Spanien) und war als solche auch im Rundfunk zu hören. Sie musizierte etwa mit den Sängerinnen B. Katzmayr und Th. Leschetizky, den Geiger:innen M. Dickenson-Auner, M. Kolbe-Jüllig und P. Stojanović, der Wiener Orchestergesellschaft unter K. Weigl, den Wiener Symphonikern unter A. Konrath und hatte ein Repertoire mit Werken von Jean-Philippe Rameau und J. S. Bach über W. A. Mozart und L. v. Beethoven, Fr. Schubert, F. Chopin und J. Brahms bis hin zu H. Pfitzner, G. Donath, J. Müller-Hermann, Ildebrando Pizzetti, O. Dietrich, J. Rinaldini, O. Siegl und W.-N. Lee. Seit 1905 war die „treffliche Pianistin“ (Wiener Morgenzeitung 9.2.1923, 3) mit dem 1896 evangelisch getauften Juden Friedrich (Fritz) Beer (1877–1941) verheiratet; Sohn Gustav Anton wurde 1906 geboren († 1945), Franz Josef 1908 († 1979) und Tochter Maria Helene 1912 († 1925). 1927 wurde Jahn-Beer als „vollgereifte, ernste Künstlerin […] mit […] stilistischer Sicherheit, die ihre Stärke ist“ (Der Abend 2.2.1927, 6) beschrieben. In diesem Jahr kam Jahn-Beer, die zuvor Assistentin von Leschetitzky gewesen war und über eine 30-jährige Erfahrung auch als private Musikpädagogin verfügte, an die Musikakademie, wo sie zuerst Klavier als Nebenfach, ab 1934 als Hauptfach unterrichtete. Nach dem „Anschluss“ Österreichs an NS-Deutschland wurde sie im Mai 1938 aufgrund der jüdischen Herkunft ihres Mannes gekündigt, worauf sich A. Orel als kommissarischer Leiter der Akademie um ihre weitere Beschäftigung bemühte, da sich Jahn-Beer nicht politisch betätigte und „als einzige Vertreterin der Methode Leschetitzky eine in Wien beheimatete Tradition erfolgreich fortführt“ (zit. nach Strouhal). Die Kündigung wurde daraufhin zurückgenommen, jedoch setzte sich Orels Nachfolger F. Schütz im Herbst desselben Jahres für ihre sofortige Beurlaubung und die Auflösung des Dienstverhältnisses ein, die im März 1939 erfolgte. Jahn-Beer ging daraufhin ins Exil, erst nach Leicester/GB zu ihrem schon im Jahr zuvor geflohenen Sohn Franz, dann in die USA, wo sie ab Dezember 1939 an der Longy School of Music in Cambridge, Massachusetts/USA unterrichtete und im Jänner 1942 verstarb. Ihr in Wien verbliebener Mann starb 1941, Sohn Gustav 1945 bei einem Luftangriff.

Literatur

  • Musikalisch-literarischer Monatsbericht über neue Musikalien, musikalische Schriften und Abbildungen (1889) 369, (1890) 337, (1895) 536, (1897) 307
  • Neue Zeitschrift für Musik 85/46 (1889) 527
  • Neues Wiener Tagblatt 25.9.1890, 16, 18.2.1909, 61, 28.2.1911, 22, 15.3.1912, 16, 4.11.1923, 14, 12.2.1928, 14, 12.7.1934, 8, 14.11.1935, 7
  • Die Zeit 10.3.1907, 31
  • Wiener Morgenzeitung 9.2.1923, 3
  • Neue Freie Presse 1.5.1904, 12, 8.11.1925, 18
  • Wiener Zeitung 2.8.1912, 23
  • Ostdeutsche Rundschau 19.11.1926, 7
  • Reichspost 23.12.1926, 10, 19.3.1927, 9, 14.11.1934, 14
  • Der Abend 2.2.1927, 6
  • Zeitschrift für Musik 5 (1933), 462
  • Der Tag 22.11.1935, 8, 13.9.1936, 10
  • Erwin Strouhal, „Berta Jahn-Beer“ (14.11.2024), in: Gedenkbuch für die im Nationalsozialismus verfolgten Angehörigen der mdw, https://gedenkbuch.mdw.ac.at (31.7.2026)
  • Art. „Berta Beer“ (31.1.2017), in: Lexikon verfolgter Musiker und Musikerinnen der NS-Zeit, www.lexm.uni-hamburg.de (9.9.2026)
  • eigene Recherchen (www.myheritage.at, www.familysearch.org, anno.onb.ac.at)

Autorin

  • Eva Maria Hois

Letzte inhaltliche Änderung

14.10.2026

Empfohlene Zitierweise

Eva Maria Hois, Art. „Jahn-Beer (geb. Jahn), Berta (eig. Bertha Sabine Philomena)“ (14.10.2026), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits (abgerufen am )

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