Haselböck, Familie

Musiker:innen und Orgelmacher

Hans (eig. Johann): * 26.7.1928 Nesselstauden/NÖ, † 20.10.2021 Wien. Organist, Komponist. Erlernte zunächst in Maria Langegg/NÖ autodidaktisch das Orgelspiel, das er während der Gymnasialzeit in Krems (1939–47) vertiefte. Danach Orgelausbildung am Konservatorium bei A. Forer (Abschluss 1950) und 1954–57 Kirchenmusikstudium (u. a. bei W. Pach) an der MAkad. Wien, ab 1947 Studium der Altphilologie und Germanistik an der Univ. Wien (Promotion 1953); Gymnasiallehrer ab 1955. 1949–2016 Organist an der Dominikanerkirche Wien, seit 1960 Lehrtätigkeit an der MAkad. bzw. MHsch. Wien; 1965–87 Leiter der Abteilung für Kirchenmusik; 1970 ao. Prof. und 1973 o. Prof. für Orgel und Improvisation (Emeritierung 1996); 1984–89 Stellvertreter des Rektors. Gestalter eigener Sendereihen für Rundfunk und Fernsehen, Buchautor und -herausgeber, Komponist, Dozent bei Organistenseminaren und Leiter von Meisterklassen, insbesondere für das Fach Orgelimprovisation, in Europa, den USA und Japan. Konzerte und zahlreiche Rundfunk- und Fernsehaufnahmen in aller Welt; Solist bei bedeutenden Orchestern sowie Juror bei zahlreichen großen nationalen und internationalen Orgelwettbewerben; Berater bei Neubauten und Restaurierungen von Orgeln.

Ehrungen

  • u. a. Publikumspreis (1954) und Erster Preis beim Orgel-Concours in Haarlem/NL (1958, 1959, 1960)
  • Zweiter Preis beim Improvisationswettbewerb St. Florian 1956
  • Landeskulturpreis des Landes Niederösterreich 1961
  • Erster Preis beim Unda-Festival Sevilla/ESP für Komposition (1964 u. 1967)
  • Komturkreuz des päpstlichen Silvesterordens 1985
  • Goldene Ehrenmedaille der Stadt Wien 1988
  • Großes Silbernes Ehrenzeichen f. Verdienste um die Republik Österreich 1997

Werke

Hörspiel- u. Filmmusiken, Stücke für gem. Chor a cappella, Kirchenmusik (u. a. Salzburger Messe f. gem. Chor, Kantor u. Org. 1966, Psalmenproprium f. Kantor, gem. Chor u. Org. 1968, Dt. Psalmenmesse 1975) und Orgelwerke (u. a. Variationen über ein altdt. Volkslied f. Orgelpositiv u. Cb. 1987, Toccata serena 1988).

Schriften

Literatur

Seine Frau

Lucia: * 21.7.1930 Waidhofen an der Ybbs/NÖ. Studium der Germanistik, Musikwissenschaft und Volkskunde an der Univ. Wien sowie der Musikpädagogik an der MAkad. Wien. Nach einigen Jahren Unterrichtstätigkeit zunehmend Assistentin bei den Orgel-Konzerten ihres Mannes H. H. In ihrer wissenschaftlichen Arbeit beschäftigte sie sich mit Themen der Motivforschung.

Schriften

Literatur

Deren Söhne

Martin: * 23.11.1954 Wien. Organist, Dirigent, Komponist. Studium der Orgel, Cembalo, Kirchenmusik und Komposition an der Musikhochschule Wien (M. Radulescu, A. Heiller, F. Cerha, H. Gillesberger und H. Haselböck) und in Paris (Jean Langlais, Daniel Roth, Diplome 1974 und 1976); daneben Studium der Philosophie und Kunstgeschichte an der Univ. Wien; seit 1970 Konzerttätigkeit, Organist der Wiener Hofmusikkapelle (1978–2019) und der Augustinerkirche (Wien I; ab 1976 Organist, 1993–95 Kirchenmusikdirektor), initiierte das Festival Orgelkunst, internationale Auftritte als Solist; Widmungsträger von E. Kreneks beiden Orgelkonzerten, zahlreiche UA.en für ihn geschriebener Werke (u. a. Alfred Schnittke, Cristóbal Halffter, Th. Ch. David); Gestaltung von Fernsehfilmen, zahlreiche Tonaufnahmen. 1978–2000 Herausgeber der Universal Orgel Edition. Erste Lehrtätigkeit 1977 am Luther College in Iowa, USA; 1979–89 Unterricht an der Wiener MHsch.; ab 1986 Prof. für Orgel an der MHsch. Lübeck/D (1992–2001 Leiter des Instituts für Kirchenmusik); 2003–24 Prof. für Orgel an der MUniv. Wien; Juror bei zahlreichen großen Orgelwettbewerben, Gastprofessuren. Seit 1985 Leitung des von ihm begründeten Barockorchesters Wiener Akademie (rege internationale Konzertätigkeit). Daneben ist H. gefragter Orchester- und Operndirigent (u. a. seit 2003 Chefdirigent von Musica Angelica in Los Angeles/USA); 2004–10 künstlerischer Leiter des Festivals Reinsberg in Niederösterreich. Mitglied der internationalen Orgelkommission. Mitwirkung bei Konzeption und Planung der neuen Orgel (Eröffnung März 2011) im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins. Zusammenarbeit mit John Malkovich und Michael Sturminger im Rahmen des Musikdramas The Infernal Comedy sowie The Giacomo Variations. Seit 2021 Präsident des Liszt-Vereins Raiding/Bl und der 2020 gegründeten Liszt-Akademie.

Ehrungen

  • Erster Preis des Internationalen Orgelwettbewerbs Wien-Melk 1972
  • Ungarischer Liszt-Preis 1986
  • Mozart-Preis der Stadt Prag 1991
  • Deutscher Schallplattenpreis
  • Diapson d’Or
  • Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse
  • Großes Ehrenzeichen für die Verdienste um die Republik Österreich 2010
  • Franz Liszt International Grand Prix du Disque 2011
  • Ehrenmitglied der Wr. HMK 2019
  • Franz-Liszt-Ehrenpreis 2021

Werke

Werke für Org. solo bzw. Org. zu vier Händen, div. Kirchenmusik (u. a. Georgs-Messe f. gem. Chor, Blechbläser u. Org. 1972; Missa Dona nobis pacem f. gem. Chor u. Org. 1973; Konradmesse f. 3 Stimmen, 2 Perkussion und Org. 1996), Orchester- und Kammermusik (u. a. Manelom f. 3 Soprane u. Kammerorch. 1974; Weltgebräuche. Literarisch-musikalische Aktion über Texte von Ernst Jandl f. Sprecher, Org. u. Pos. 1982; Movimento f. Streichquartett 1991; Tageszeiten f. Sprecher u. Kammerorch. 1993).

Schriften

Literatur

Georg: * 6.1.1957 Wien. Bratschist. Studierte an der Wiener MAkad. Bratsche bei Siegfried Führlinger. 1979–97 Mitglied der Wiener Symphoniker; 1979–92 wiederholte Mitwirkung bei Konzerten im Wiener Konzerthaus auch in kammermusikalischen Besetzungen (u. a. Kompositionsabende von R. Weißensteiner). Wirkt(e) zudem in etlichen Kammermusik-Ensembles national und international (u. a. Ensemble BELLA MUSICA Wien), weiteren Formationen (z. B. Vienna Symphonic Orchestra Project von Ch. Kolonovits) sowie bei zahlreichen Platteneinspielungen mit.

Literatur

Lukas: * 11.3.1972 Wien. Komponist, Sänger und Musikwissenschaftler. Studium der Musikwissenschaft an der Univ. Wien, der Gesangspädagogik (Adelheid Hornich) und der Komposition (I. Eröd, E. Urbanner) an der MHsch. Wien, seit 1999 privates Gesangsstudium (u. a. Margit Klaushofer, Julij Chomenko, Margarita Lilowa), Teilnahme an Meisterkursen (u. a. Ute v. Garczynski, Kai Wessel, Kurt Widmer). Seit 2001 Assistent an der MUniv. in Wien (Institut für Analyse, Geschichte und Theorie der Musik, ab 2007 Assistenz-Professor); 2004 Organisation und Planung des Friedrich-Cerha-Symposiums sowie 2009 des Symposiums Klangperspektiven; 2007/08 Gastprofessur an der MUniv. Graz; musikwissenschaftlicher Berater des Ensembles Wiener Collage. H. ist u. a. Mitglied des Ensembles Il Diletto Moderno und der Company of Music, wirkt bei Aufführungen namhafter Chöre mit (u. a. Arnold Schönberg-Chor, Wiener Singverein, Wiener Singakademie) und ist Solist im Wiener Musikverein sowie beim Festival Allegro vivo.

Ehrungen

  • Förderungspreis der Theodor-Körner-Stiftung 1998
  • Würdigungspreis des Ministeriums für Unterricht und Kunst 1999
  • Stipendium des Bundeskanzleramtes
  • Arbeitsstipendium der Stadt Wien 2000
  • Förderungspreis der Czibulka-Stiftung
  • Wiener Symphoniker -Kompositionsstipendium 2001
  • Förderung der Berg-Stiftung

Werke

div. Orchester- und Kammermusik, u. a. Metamorphosen f. V. u. Orch. (1997/98); Schatten f. Bassklar., Schlagzeug u. Akkordeon (1999); Kantate f. Sopran, Tenor, Bass u. sechs Instrumente nach Gedichten von Thomas Bernhard und Andreas Gryphius (2001); Jenes Licht … nach Texten von Paul Celan und Nelly Sachs (2005); Der Maler Brabanzio; Concerto da camera (2008/09).

Schriften

Literatur

Hans’s Bruder

Franz: * 28.6.1939 Maria Langegg/NÖ, † 11.2.2024 Krems/NÖ (begr. Senftenberg/NÖ). Organist, Pädagoge. Seit früher Jugend Beschäftigung mit Orgelspiel und Orgelbau, Sängerknabe in Göttweig, Organist an der Piaristenkirche in Krems. Studium an der MAkad. Wien (bei W. Pach und A. Heiller). Als Prof. für Musikerziehung und Instrumentalmusik an der Pädagogischen Akad. Krems (ab 1968) engagierte Ausbildung von Volks- und Hauptschullehrern mit besonderer Betonung der lebendigen musikalischen Praxis. Als Künstler galt sein Interesse neben dem Standardrepertoire besonders unveröffentlichten Werken. Zahlreiche Tonträgeraufnahmen; Juror bei internationalen Wettbewerben.

Ehrungen

  • Oberstudienrat
  • Preis bei der internationalen Sommerakademie Haarlem 1960
  • Förderungspreis des Landes Niederösterreich 1978 u. 1987
  • Auszeichnungen der Diözese St. Pölten und der Stadt Krems 1999
  • Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Niederösterreich 2002

Schriften

  • Texte für Festschriften bei diversen Orgelweihen
  • zahlreiche Erstausgaben

Literatur

Autor:innen

  • Cornelia Szabó-Knotik
  • Georg Demcisin
  • Bettina Graf

Letzte inhaltliche Änderung

22.5.2025

Empfohlene Zitierweise

Georg Demcisin, Bettina Graf, Cornelia Szabó-Knotik, Art. „Haselböck, Familie“ (22.5.2025), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits, https://dx.doi.org/10.1553/0x0001d09a (abgerufen am )

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