Grünhut, Hans

* 15.6.1902 Wien, † 16.7.1979 Amsterdam

Sänger

Zur musikalischen Ausbildung des Sohnes eines mährischen Buchdruckergehilfen ist nichts bekannt. Ursprünglich hauptberuflich als Beamter tätig, fungierte er ab 1928 als Refrainsänger der Jazzkapelle von Ch. Gaudriot. Bis 1933 nahm er mit ihm mehrere Schallplatten für Odeon auf und trat regelmäßig auf Radio Wien auf, sodass er rasch eine große Popularität („Radioliebling“) erlangte. Daneben trat er dort auch als Solist auf, so 1929 am Klavier begleitet von W. Landauer. Ab spätestens Sommer 1929 bis 1933 war G. auch Refrainsänger der Kapelle von H. R. Korngold, mit der er ebenfalls auf Radio Wien zu hören war. Im Februar 1930 nahm er mit Ernst Pauka am Flügel eine Schallplatte für Odeon auf; Ende Juli 1930 wirkte er bei Aufführungen von R. Katschers Die Wunder-Bar in Baden mit. Im Jänner und Februar 1931 trat G. im Simpl auf, mit dessen musikalischem Leiter T. Wellisch er Ende 1931 ebenfalls eine Platte aufnahm. Im gleichen Jahr Plattenaufnahmen für Edison Bell mit dem Wiener Radio-Orchester unter D. Mathé. Dazu kamen Engagements in verschiedenen Wiener Etablissements, etwa im Kursalon Hübner oder 1933 im Café Splendide (Wien I), wo er als Refrainsänger der Kapelle I. Geiger tätig war, deren Auftritte teilweise auch auf Radio Wien übertragen wurden. Vermutlich im Sommer 1933 Engagement im Schlosshotel Velden/K, später in Belgrad tätig. Aus wirtschaftlichen Gründen ging er Ende 1933 in die Niederlande, wo er u. a. in Amsterdam und Den Haag als Barsänger arbeitete. Später ließ er sich in der Tschechoslowakei nieder (Engagements in Prag und Brünn). 1935/36 nahm G. in Prag mehrere Platten als Refrainsänger eines Jazzorchesters auf. Für ein geplantes Engagement im Sommer 1938 in Marienbad erhielt er aufgrund seines jüdischen Glaubens keine Auftrittserlaubnis mehr (Nationalsozialismus). Im Herbst 1938 emigrierte er mit seiner Frau und seinem damals zweijährigen Sohn von Prag, wo er noch ein kurzfristiges Engagement erhalten hatte, in die Niederlande (Exil). Hier war er zunächst weiterhin als Barsänger tätig, plante jedoch eine Auswanderung nach China. 1950 erhielt er die niederländische Staatsbürgerschaft. Später gab er hier u. a. mehrfach den Frosch in verschiedenen Produktionen der Fledermaus (ab 1958 an der Amsterdamer Oper, 1968–70 in einer von F. Bauer-Theussl dirigierten Produktion des De Nederlandse Operastichting). In erster Ehe ab 14.8.1927 verheiratet mit der Beamtin Emilie Grünwald (* 24.5.1900 Wien, † 28.4.1928 Wien), in zweiter ab 26.10.1931 mit der Sängerin Tilly Hauff (eig. Mathilde Josefa Hauf, * 30.1.1904 Wien, † ?), mit der er etwa zur selben Zeit H. Leopoldis Überlandpartie auf Schallplatte aufnahm.

Ehrungen

  • Sieger in der Kategorie „Sänger“ das Jazzwettbewerbs um das „Goldene Band“ 1931 und 1933

Werke

Schallplatten u. a. mit dem Jazzorchester Ch. Gaudriot.

Literatur

Abbildungen

Autorin

  • Monika Kornberger

Letzte inhaltliche Änderung

14.8.2025

Empfohlene Zitierweise

Monika Kornberger, Art. „Grünhut, Hans“ (14.8.2025), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits, https://dx.doi.org/10.1553/0x003bef31 (abgerufen am )

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