Braga war die Tochter des jüdischen Ladenbesitzers Sigmund P. in der ungarischen Kleinstadt Groß-Kanizsa; die Eltern sangen gerne, die Mutter spielte auch Harfe. Ihre 1848 geborene Schwester Eugenie heiratete 1867 den aus Deutschland stammenden Pianisten und Musikkritiker F. Pyllemann, der in Groß-Kanizsa als Pianist, Musiklehrer (u. a. von Eugenie P.) und Chorleiter tätig war. Braga folgte dem Paar mit ihrer ganzen Familie 1869 nach Wien, wo sie, entdeckt von A. Door, bei J. Gänsbacher am Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde studierte, wobei sie von Gönner:innen aus der alten Heimat finanziell unterstützt wurde. Ihr Lehrer begleitete sie später mehrmals bei Konzerten am Klavier. Einen ihrer ersten Auftritte absolvierte „der wahrhaft prächtige Mezzosopran“ Braga bei einem Schüler:innen-Konzert am 25.2.1877 im Bösendorfer-Saal – „der enthusiastische Beifall wollte kein Ende nehmen“ (Illustrirtes Wiener Extrablatt 27.2.1877, 4); auch im Illustrirten Musik- und Theaterjournal (28.3.1877, 8) war von einem „Mezzo-Sopran von ungewöhnlicher Schönheit und in allen Registern von gleichartiger Klangfarbe und Fülle“ zu lesen, ebenso von „rein[er] und sicher[er] Intonation“. An der Hofoper, wo Braga ab 1878 für vorerst drei Jahre verpflichtet war, debütierte sie mit ihrer „warme[n] leuchtende[n] Stimme“ (Gurschner) am 24.2.1878 auf Wunsch A. Rubinsteins als Noëmi bei der von ihm selbst geleiteten Erstaufführung seiner Oper Die Makkabäer. Der Durchbruch gelang ihr am 1.9. desselben Jahres als Einspringerin ohne Probe für B. Ehnn als Margarethe in der gleichnamigen Oper von Charles Gounod; Hofoperndirektor F. v. Jauner nannte Braga daraufhin in Anlehnung an ihren Nachnahmen und in Anspielung auf Bragi, den nordischen Gott der Dichtkunst, „Braga“, was zu ihrem Künstlernamen wurde. Am 26.5.1880 wirkte sie als Alphonse von Ostiglia an der UA der Oper Der Ritterschlag von Hermann Riedel mit, am 26.3.1884 als Brigitte in S. Bachrichs Heini von Steier. In Georges Bizets Carmen war sie anfangs als Frasquita, ab 1883 in der Titelrolle zu hören, in C. M. v. Webers Der Freischütz zuerst als Ännchen, dann als Agathe. Braga war die Dorabella in W. A. Mozarts Così fan tutte, die Eva in R. Wagners Die Meistersinger von Nürnberg und – an der Seite von M. Lehmann und R. Papier – eine der Rheintöchter in dessen Rheingold sowie die Mignon in der gleichnamigen Oper von Ambroise Thomas; mit dieser, auch einer ihrer ersten Rollen, verabschiedete sie sich „mit tiefem Bedauern“ am 30.4.1888 von der Hofoper (Die Presse 1.5.1888, 11). Danach nahm Braga kein festes Engagement mehr an, sondern unternahm Gastspiele, die sie an wichtige Operntheater in Deutschland, Ungarn und im Winter 1890 auch an die Grand Opéra Paris führten; später trat sie nur mehr als Konzert- und Oratoriensängerin auf, wie schon als Hofopernsängerin u. a. in Berlin, Bremen/D, Brünn, Düsseldorf/D, Kopenhagen, Moskau, Rotterdam/NL, Temesvar (Timişoara/RO), Wiesbaden/D und Zürich/CH. So sang Braga u. a. am 20.11.1889 in Budapest in jenem Konzert, bei welchem G. Mahler die Erstfassung seiner ersten Symphonie erstmals dirigierte. In früheren Jahren musizierte sie oft – auch privat – mit T. Billroth sowie A. und H. Grünfeld. Ende der 1890er Jahre soll Braga als Gesangspädagogin in Prag tätig gewesen sein. Braga war seit 14.11.1886 mit dem Kaufmann Julius Bernhard Jaff (* 2.11.1852, † 26.8.1916 Bad Ischl/OÖ, begr. Wien) verheiratet.
Ehrungen
- Widmungsträgerin von V. v. Rokitanskys Lied Morgenthau 1884
- Widmungsträgerin von L. Ungars Lied Vergiss mein nicht 1888
Literatur
- Art. „Braga-Jaff Hermine“, in: Ludwig Eisenberg, Großes Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert, Leipzig 1903
- Neues Wiener Journal 16.12.1928, 9f
- Illustrirtes Wiener Extrablatt 27.2.1877, 4, 5.9.1878, 1
- Illustrirtes Musik- und Theaterjournal 28.3.1877, 8
- Die Presse 1.5.1888, 11
- Wikipedia, https://de.wikipedia.org/wiki/Hermine_Braga-Jaff (12.7.2026)
- Wien Geschichte Wiki, https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Hermine_Braga (12.7.2026)
- eigene Recherchen
Abbildungen
Autorin
- Eva Maria Hois
Letzte inhaltliche Änderung
20.7.2026Empfohlene Zitierweise
Eva Maria Hois, Art. „Braga (verh. Braga-Jaff), Hermine (eig. Hermine Sara Prager)“ (20.7.2026), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits (abgerufen am )
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