Steidler, Brüder

Volkssänger

Josef (Pepi): * 9.1.1846 Schottenfeld (Wien VII), † 1.6.1923 Wien. Volkssänger. Der Sohn des Porzellanmalers Franz Xaver Steidler (* 15.6.1815 Altlerchenfeld [Wien VIII], † 19.10.1857 Hernals [Wien XVII]) und dessen Frau Anna, geb. Schlee (* 10.6.1816 Alservorstadt [Wien VIII], † ?), Tochter eines Seidenzeugfabrikanten, soll seine musikalische Ausbildung von seinem Großvater, einem Musiker und Kapellmeister erhalten haben. Als sein Vater starb, musste der Elfjährige sowohl diese Ausbildung als auch den Besuch des Gymnasiums aufgeben. Er wurde Lehrling im Betrieb seines Onkels mütterlicherseits, Anton Schlee, ebenfalls Seidenzeugfabrikant. Steidler brach diese Ausbildung jedoch ab und begann als Statist und später in kleinen Rollen im Theater in der Josefstadt und im Thaliatheater eine Bühnenkarriere. Hier entdeckte ein Volkssänger namens Grünwald sein komisches Talent und überzeugte ihn davon, ebenfalls diesen Beruf zu wählen. Er debütierte in der „Ente“ in Neulerchenfeld (Wien XVI), arbeitete danach in verschiedenen Gesellschaften (Gesellschaft Unger, Fuchs-Mariedl, Deckmayer und Anger, Seidel und Kriebaum) und war auch in Budapest tätig. Bei einem Gastspiel in Dresden/D hörte ihn E. Danzer und engagierte ihn als Hauskomiker an das von ihm geleitete Orpheum (Wien IX, Wasagasse 33), wo er am 10.10.1880 erstmals auftrat. Hier war Steidler in der Folge 18 Jahre lang als Gesangskomiker tätig und wurde u. a. durch die Interpretation zahlreicher sog. Klapphornverse mit Texten des Volksdichters Gustav Schöpl populär. W. Wiesberg schrieb ihm I bin der Pepi Steidler, der schönste Mann von Wien auf den Leib, mit dem er bewusst sein Äußeres „mit dem charakteristischen schiefen Mund und dem eigentümlichen Gang, dem gewissen ‚Gschau‘“ (Koller, 104) karikierte. In die gleiche Kerbe schlug Weil i der schöne Pepi bin (M: Anton Göller, T: Karl Schmitter). Gastspiele führten ihn u. a. nach Olmütz, Graz, Linz, Znaim und Agram. 1884–1900 trat er mit seiner Frau Amélie, einer Soubrette auf, einige Zeit auch mit eigener Gesellschaft. Später wirkte er im Varieté Gartenbau, wo er als Witwer seine dritte Frau, die Wiener Liedersängerin Paula Palme (eig. Wenitzky, * 2.8.1881 Wien, † 3.12.1941 Wien) kennenlernte (Heirat 26.5.1915). Während des Ersten Weltkriegs unterhielt er verwundete Soldaten in Militärspitälern. Nach seinem Bühnenabgang betrieb er eine Tierhandlung. Steidler starb verarmt im Gumpendorfer Klosterspital.

Literatur

  • Josef Koller, Das Wiener Volkssängertum in alter und neuer Zeit, Wien 1931
  • Neues Wiener Abendblatt 31.5.1933, 3
  • Kleine Volks-Zeitung 20.7.1931, 8, 23.8.1940, 9
  • Militär-Zeitung 8.10.1880, 653
  • Illustrirtes Wiener Extrablatt 15.11.1900, 15
  • (Linzer) Tages-Post 2.12.1910, 4
  • Taufbuch Pfarre Schottenfeld (Wien VII) 1946, fol. 7
  • Trauungsbuch Pfarre Mariahilf 1915–1920, fol. 14
  • Trauungsbuch Pfarre Schottenfeld 1838, fol. 63
  • Sterbebuch der Pfarre Hernals 1856–58, fol. 138
  • eigene Recherchen (ANNO. Historische Zeitungen und Zeitschriften, www.anno.onb.ac.at; Lehmann’s Adresskalender)

Johann Nepomuk: * 23.1.1851 Hernals, † 10.9.1891 Ottakring (Wien XVI). Volkssänger. Erstmals 1872 als Komiker in Johann Prem’s Gasthaus „Zum alten Liedl“ (Wien VI) nachweisbar, trat Steidler in verschiedenen Wiener Etablissements als Komiker und Volkssänger auf. Am 30.4.1885 musste er aufgrund eines Nervenleidens den Abschied vom sog. „Brettl“ nehmen. Sein Bruder Josef nahm danach regelmäßig an Benefizveranstaltungen für ihn teil, zuletzt am 1.4.1890. Er verstarb unverheiratet an Lungentuberkulose.

Literatur

  • Fremden-Blatt 6.2.1872, [27], 30.4.1885, 19, 5.5.1886, 19
  • Deutsches Volksblatt 29.3.1890, 7
  • Taufbuch der Pfarre Hernals 1851–53, fol. 7
  • Sterbebuch der Pfarre Altottakring 1891–93, fol. 145
  • eigene Recherchen (ANNO. Historische Zeitungen und Zeitschriften, www.anno.onb.ac.at; Lehmann’s Adresskalender)

Autorin

  • Monika Kornberger

Letzte inhaltliche Änderung

8.10.2026

Empfohlene Zitierweise

Monika Kornberger, Art. „Steidler, Brüder“ (8.10.2026), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits (abgerufen am )

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