Radl (Radel), Familie

Kirchenmusiker und Pädagogen

Ludwig: * 25.5.1849 Alservorstadt (Wien IX), † 3.12.1927 Wien. Regens chori, Musikpädagoge, Komponist. R. wuchs in einer Bürgerfamilie als Sohn des aus Mähren stammenden Tischlers Jakob Radel und dessen Frau Maria-Anna, geb. Czech in Wien auf und besuchte eine Realschule. 1863–69 wurde er gemeinsam mit seiner Schwester Adalberta (* 7.1.1852 Alservorstadt, † ?) am Konservatorium der GdM in Klavier unterrichtet, einer ihrer Lehrer war Franz Ramesch. Zusätzlich wurde R. im Kontrapunkt und Generalbass ausgebildet. Seine berufliche Laufbahn begann er als Kunsttischler, wobei nicht auszuschließen ist, dass er sich auch mit Klavierbau beschäftigte. Am 29.8.1874 heiratete er Sophie Speyl (* 24.12.1848 Wien, † 8.7.1907 Wien). Spätestens gegen Ende der 1870er Jahre war er als Klavierpädagoge tätig. Ab 1884 wirkte R. als Klavierlehrer an der Horak’schen MSch., wobei er auch zum Lehrkörper der Vorbereitungsklassen für die Staatsprüfungen in Transponieren und Blattlesen gehörte. Zu seinen Schülern zählte u. a. E. Seidler. Ab 1916 war er auch im Beirat der Direktion. 1890 übernahm R. als Nachfolger von Andreas Prinz das Amt des Chorregenten an der Pfarre St. Laurenz am Schottenfeld (Wien VII). R. verpflichtete sich, jeden Sonntag ein lateinisches Hochamt erklingen zu lassen. Messen von K. R. Kristinus, F. Schöpf und Ignaz Reiman gehörten hier zum regelmäßig gespielten Repertoire. An den Festtagen wurden Missae solemnes musiziert, wobei R. auch seine eigenen zu Gehör brachte. Sein Sohn Fritz unterstützte ihn als Geiger und auch kompositorisch. Neben seinen Tätigkeiten an der Horak’schen MSch. und als Regens chori leitete R. das Orchester (Orchesterverein) des Chor- und Orchestervereins „Die Musikfreunde“ in Währing (Wien XVIII).

Ehrungen

  • Ehren-Regens chori der Pfarre St. Laurenz am Schottenfeld

Werke

Messen in F-Dur, Es-Dur und C-Dur; Graduale in Es-Dur.

Literatur

  • L. M. Kantner in J. Kellner (Hg.), Pfarre Sankt Laurenz am Schottenfeld 1786–1986, 1986
  • G. Orator, Eine kleine Musikgesch. des 7. Bezirks zwischen 1880 und 1920 mit besonderer Berücksichtigung der Rolle des Bürgertums, Dipl.arb. Wien 2013
  • Die Presse 7.12.1886, 11, 11.9.1893, 11
  • Dt. Volksbl. 11.9.1893, 7, 20.4.1896, 7, 31.3.1904, 9, 10.7.1907, 9, 16.10.1910, 18, 21.4.1914, 7
  • Neues Wr. Tagbl. 1.6.1895, 8, 13.9.1896, 29
  • Dt. Kunst- und Musikztg. 5.1.1886, 8
  • Fremden-Bl. 11.4.1912, 8
  • Neues Wr. Journal 21.5.1914, 13, 8.12.1927, 19
  • Neuigkeits-Welt-Bl. 22.4.1914, 6
  • Reichspost 7.12.1905, 10, 20.5.1920, 3, 28.5.1927, 5
  • Kleine Volks-Ztg. 28.5.1927, 4
  • Der Bezirksbote für den politischen Bezirk Bruck a. d. Leitha 19.12.1927, 5
  • NFP 8.6.1925, 8
  • Jahresberichte des Konservatoriums der GdM 1863–69
  • Jahresberichte der Horak’schen Klavierschule 1896, 1905–16
  • Taufbuch der Pfarre Alservorstadt (Wien VIII) 1848–49, fol. 286
  • Taufbuch der Pfarre Alservorstadt 1852–53, fol. 6
  • Taufbuch der Pfarre St. Peter (Wien I) 1877–97, fol. 35
  • Trauungsbuch der Pfarre St. Stephan (Wien I) 1873–80, fol. 103
  • Sterbebuch der Pfarre Schottenfeld (Wien VII) 1927, fol. 66
  • Sterbebuch der Pfarre Schottenfeld 1907, fol. 61

Sein Sohn

Fritz (eig. Ludwig Friedrich): * 21.12.1878 Wien, † 7.11.1951 Wiener Neustadt/NÖ. Geiger, Komponist, Musikpädagoge. 1890–96 war er Schüler an der Horak’schen MSch. In der Pfarre St. Laurenz am Schottenfeld spielte er unter der Leitung seines Vaters regelmäßig Violine. Bei den Messen brachte er auch seine eigenen Kompositionen zur Aufführung. 1905–08 war er an der Horak’schen MSch. als Gesangslehrer tätig und für die „Wiederholung der Gegenstände aus der Bürgerschule“ zuständig. Zumindest 1905/06 leitete er das Orchester des katholischen Lehrervereins Dr. Lorenz Kellner. 1909–38 war er an der Lehrerbildungsanstalt in Wiener Neustadt als Musikprof. tätig. 1909–11 übernahm er die Funktion des Obmannstellvertreters des Wiener Lehrergesangsvereins. Als der erste musikpädagogische Kongress in Wien 1911 stattfand, zählte neben K. v. Wiener und V. Keldorfer auch F. R. zu den Anwesenden. Er war Mitglied im Verein der Musiklehrer und 1912 Teil des Vorstands. 1919–29 leiteten J. Sukfüll und F. R. den Konzertverein in Wiener Neustadt, nachdem sich dieser vom Musikverein abgespalten hatte. 1922–45 und 1947–51 war er Leiter des Wiener Neustädter Männergesangsvereins, mit dem er in Österreich sowie in Ungarn konzertierte. 1933–38 sowie 1941/42 leitete R. auch den Neukloster-Kirchenchor, dazwischen vertreten durch Fritz Heindl (* 19.2.1911 [Ort?], † 1.5.1981 Wiener Neustadt). 1937 rief F. R. einen Kammerchor (später Fritz-Radel-Bund) für arbeitslose Junglehrer ins Leben, mit dem er auch Konzertreisen durch Österreich unternahm. Das Repertoire des Chores bildeten vorrangig deutsche Kunst- und Volkslieder sowie deutschsprachige Kirchenmusik.

Gedenkstätten

  • Fritz-Radel-Gasse (Wiener Neustadt)

Ehrungen

  • Ehrenmitglied des Wr. Lehrergesangsvereins 1911
  • Silbernes Ehrenzeichen der Republik Österreich 1928
  • Ehrenchormeister des Wr. Neustädter Gesangsvereins 1930
  • Ehrenmitglied des Grazer MGVs 1930
  • Reg.-Rat (vor 1935)

Werke

Dt. Messe (T: Josef Heitzenberger) 1930; Ave Maria; Tantum ergo f. Männerquartett, UA 1896; Männerchöre (Abschied UA 1935, Mein Österreich UA 1937); Heldenhymne f. Chor (SATB) u. Orch. UA 1936; Volksliedbearbeitungen für Männerchor.

Literatur

Autorin

  • Evelyn Szabo

Letzte inhaltliche Änderung

19.7.2022

Empfohlene Zitierweise

Evelyn Szabo, Art. „Radl (Radel), Familie“ (19.7.2022), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits, https://dx.doi.org/10.1553/0x003d3da1 (abgerufen am )

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