Matosch, Anton

* 10.6.1851 Linz, † 10.5.1918 Wien

Germanist, Bibliothekar, Mundartdichter

Entstammte einer vermutlich im 18. Jh. aus Böhmen eingewanderten und später schon lange in Oberösterreich angesiedelten Schullehrerfamilie. Seine Ausbildung erhielt er 1856–61 an der Normalhauptschule und 1861–69 am Gymnasium in Linz. Der Familientradition folgend begann M. in Wien das Studium der Philosophie, um den Lehrberuf zu ergreifen. Er wurde Mitglied der oberösterreichischen Studentenverbindung Germania, in der er die für sein weiteres Leben bestimmenden und für die Gründung des Stelzhamerbundes ausschlaggebenden Freunde kennen lernte. Ab 1873 wirkte er, ohne das Studium beendet zu haben, als supplierender Lehrer an der Linzer Realschule. Doch schon 1875 kehrte er nach Wien zurück, um seine Ausbildung fortzusetzen. Erst 1883 gelang M. ein erfolgreicher Abschluss des Studiums. Sein weiteres Leben war davon geprägt, in Oberösterreich oder Salzburg eine Anstellung in einem Museum oder einer Bibliothek zu finden, denn der Lehrerberuf war ihm inzwischen unerträglich geworden. 1881 trat M. mit Peter Rosegger in Kontakt, um eine vollständige Werkausgabe F. Stelzhamers vorzubereiten. 1885 wurde er an die Univ.sbibliothek Wien berufen; zwei Jahre später wies man ihn der geologischen Reichsanstalt zu, an der er bis zu seinem Lebensende als Bibliothekar verblieb. 1891 heiratete er Hilde v. Fischer. Das geordnete Leben und eine fixe Anstellung, erlaubten ihm nun, intensiver der Mundartdichtung nachzugehen. Daneben engagierte sich M. für den Stelzhamerbund, dessen Gründungsmitglied er neben H. Commenda und H. Zötl war. Für diesen Verein arbeitete er u. a. als Mitherausgeber der Schriftenreihe Aus dá Hoamát, deren Hauptanliegen es war, die Werke F. Stelzhamers aufzulegen und eine Biographie des Mundartdichters zu erstellen. Diesem ehrgeizigen Unterfangen verschrieb sich M. 20 Jahre lang. Sein gewichtiger Beitrag zur Biographie Stelzhamers konnte allerdings erst posthum erscheinen. Bei der Herausgabe der Schriftenreihe Aus dá Hoamát nahm die Musik einen beachtlichen Stellenwert ein. Viele der Gedichte finden sich darin in Vertonungen von H. Schnopfhagen, A. und P. Vergeiner (M.s Gedicht Frühlings-Gsangl wurde von A. Vergeiner vertont), E. Zöhrer u. a., so dass die Reihe heute auch als wichtige Quelle für regional bezogene Lieder im Volkston gesehen werden kann. Von 1908 bis zu seinem Tod war M. zudem Gründungsmitglied und Obmann des Arbeitsausschusses für das Volkslied in Oberösterreich (heute Oberösterreichisches Volksliedwerk). Hier war er v. a. bestrebt, die Publikation des Oberösterreichischen Anteiles des großen Sammelwerkes Das Volkslied in Österreich voranzutreiben. Sein Nachfolger wurde H. Commenda.

Gedenkstätten

  • Ehrengrab Wr. Zentralfriedhof
  • Gedenktafel am Geburtshaus (Linz, Herrenstraße 23)

Schriften

Literatur

Autor

  • Klaus Petermayr

Letzte inhaltliche Änderung

18.2.2021

Empfohlene Zitierweise

Klaus Petermayr, Art. „Matosch, Anton“ (18.2.2021), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits, https://dx.doi.org/10.1553/0x0001d8f3 (abgerufen am )

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