Lauth (geb. Skrabak, verh. Brambach), Leopoldine Johanna (Pseud. Poldi Sendau)

* 5.11.1902 Wien, † 22.11.1964 Hainburg/NÖ (begr. Wien)

Wienerliedsängerin (Sopran)

Über ihre Ausbildung in Gesang und Klavierspiel ist derzeit (2023) nichts bekannt. 1920/21 trat sie bei Veranstaltungen des Wiener Gebirgsvereins unter dem Pseudonym Poldi Sendau erstmals an die Öffentlichkeit. 1921/22 war sie am Stadttheater Wiener Neustadt für die Operette engagiert. Nach ihrer Heirat am 4.4.1922 mit dem Sänger und Witwer Karl L. (* 24.3.1875 Frankfurt am Main/D, † nach 10.2.1930 [Ort?]) dürfte sie sich ins Privatleben zurückgezogen und ein Kind bekommen haben. Als Gründe für ihren Rückzug von der Bühne werden fehlende Bühnenpräsenz bzw. fehlende Ausstattung, die sie selbst zu stellen hatte, genannt. Später – möglicherweise nach ihrer Scheidung am 10.2.1930 – soll sie für sich und ihr Kind ihren Lebensunterhalt als Straßensängerin verdient haben. Im Juni 1931 stellte sich L. unter ihrem damaligen Namen L. L. in Wien der Vorausscheidung des ersten Wettbewerbs für Straßensänger (Jury u. a. R. Waldemar, F. Allmeder, H. Führer, R. Domanig-Roll, F. Fiebrich), der vom Alt-Wiener Bund in Zusammenarbeit mit der Illustrierten Kronen-Ztg. veranstaltet wurde. Begleitet vom Jurymitglied J. Holzer sang sie Lieder aus der Operette Hoheit tanzt Walzer von L. Ascher. Im Finale am 11.7.1931 wurde L. dann einstimmig zur Siegerin der Frauen gekürt, erhielt neben einem Geldpreis auch ein Kleid und durfte sich „Königin der Straßensängerinnen“ nennen. Ein dazwischen liegender Auftritt als Gast in F. Lehárs Operette Die lustige Witwe am 9.7.1931 am Stadttheater Baden, wieder unter ihrem Pseud., wurde weniger gut aufgenommen („Eine Fehlbesetzung war die der Valencienne, durch eine Frau Poldi Sendau“ [Badener Ztg. 11.7.1931, 5]). Durch ihren Sieg bei der Straßensängerkonkurrenz erlangte L. große Popularität und konnte in der Folge ihren Lebensunterhalt als Wienerliedsängerin und Jodlerin bestreiten. Zu zahlreichen Auftritten u. a. ab 1934 auf Radio Wien kamen auch mehrere Platteneinspielungen. Ihr Duett mit M. Starecek, mit der sie auch live u. a. in Stareceks Kaffeehaus in Wien XII auftrat und das sich aufgrund der unterschiedlichen Stimmlagen und Timbres der beiden Frauen hervorragend ergänzte (s. Tbsp.), erzielte große Erfolge und gilt noch heute als vorbildhaft. Ab 1932 stellvertretende Obfrau des Schutzverbandes der Straßenmusikanten Österreichs. Seit 2.2.1939 in 2. Ehe verheiratet mit dem Schneidermeister Franz Brambach (* 24.11.1907 Wien, † 9.10.1972 Hainburg, begr. Wien), mit dem sie seit spätestens 1935 in Wien X zusammenlebte. L.s möglicherweise letzte Plattenaufnahme, das Wiener-Lieder-Potpourri So klingts bei uns, das sie gemeinsam mit Heinz Roland und den Wiener Konzertschrammeln für Philips einspielte, erschien 1950, im Rundfunk war sie noch länger präsent.

Werke

Schallplatten (Solo mit Schrammeln, mit dem Terzett Strauss, mit Heinrich Pröll [Zither]; im Duett mit M. Starecek, Fritz Piletzky, H. Roland).

Literatur

  • Hauenstein 1979, 19
  • E. Weber in Wien Musikgeschichte 2 (2006)
  • Illustrierte Kronen-Ztg. 30.6.1931, 11, 18.7.1931, 5, 25.8.1931
  • Neuigkeits Welt-Bl. 14.7.1931, 5
  • Der Gebirgsfreund 12 (1920), 164
  • Deutschösterr. Tages-Ztg. 27.4.1921, 10
  • Wr. Neustädter Ztg. 5.11.1921, 5, 24.12.1921, 2, 25.2.1922, 2
  • Badener Ztg. 5.8.1931, 4
  • Das kleine Volksbl. 10.12.1943, 5
  • Das Kleine Bl. 14.9.1932, 16
  • Österr. Radio-Amateur 1 (1951), 55
  • Wr. Kurier 27.6.1952, 6
  • www.tirol-schellack.at (10/2023)
  • www.friedhoefewien.at (10/2023)
  • Taufbuch der Pfarre St. Josef zu Margareten (Wien V) 1902, fol. 287
  • Trauungsbuch der Pfarre Lainz (Wien XIII) 1922–30, fol. 9
  • 19
  • Taufbuch der Pfarre St. Anton von Padua 1907, fol. 867
  • eigene Recherchen (www.anno.onb.ac.at; Lehmanns Adresskalender; Bühnen-Jb.er)
  • Mitt. Standesamt Wien-Favoriten (10/2023)

Abbildungen

Hörbeispiele

Autorin

  • Monika Kornberger

Letzte inhaltliche Änderung

12.10.2023

Empfohlene Zitierweise

Monika Kornberger, Art. „Lauth (geb. Skrabak, verh. Brambach), Leopoldine Johanna (Pseud. Poldi Sendau)“ (12.10.2023), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits, https://dx.doi.org/10.1553/0x003e8387 (abgerufen am )

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