Kuba, Ludvík

* 16.4.1863 Podiebrad/Böhmen (Poděbrady/CZ), † 30.1.1956 Prag

Folklorist, Maler und Schriftsteller

Sohn des Schlossermeisters Ludvík K. 1877–79 studierte er an der Orgelschule in Prag bei František Zdeněk Skuherský und war gleichzeitig Privatschüler des Bildhauers Bohuslav Schnirch. 1879–83 setzte er dann seine Ausbildung an der Lehrerbildungsanstalt in Kutná Hora/CZ fort. Er nahm sich vor, eine Liedsammlung aller slawischen Völker herauszugeben, und arbeitete bereits während seiner Tätigkeit als Lehrer (1883–85) an den ersten Teilen seines Werkes Slovanstvo ve svých zpěvech [Das Slawentum in seinen Liedern], einer Sammlung, der er 45 Jahre seines Lebens widmete. Nachdem er 1885 seinen Lehrerberuf aufgegeben hatte, unternahm er Studienreisen (1885 Slowakei, 1886 Lausitz, Galizien, 1886/87 Russland, 1888 Krain, 1889 Steiermark, Kärnten, Slowenien und Kroatien, 1890–92 Montenegro und Dalmatien, 1893 Bosnien und Herzegowina, 1894 Bulgarien usw.), sammelte die Volkslieder der dort lebenden Slawen und hielt deren Sitten auch als Maler fest. Bereits 1887 wurde er Mitglied der sorbischen wissenschaftlichen Vereinigung Maćica Serbska. Seine Malerei-Studien setzte er als Privatschüler von Karel Liebschein in Prag, bei Maximilian Pirner an der Prager Akademie der bildenden Künste (1891–93), an der Académie Julien in Paris (1894/95) und bei dem slowenischen Maler Ante Ažbe in München (1896–1904) fort. 1901–11 lebte er in Wien (1907 wurde er Mitglied des Ausschusses zur Herausgabe des Volksliedes in Österreich), dann ständig in Prag. Sein malerischer Stil verbindet Elemente des Realismus und Impressionismus, thematisch wurde er von seinen Reisen inspiriert, später konzentrierte er sich auf das Porträt und das Stilleben. Seine Reisen veranlassten ihn auch zu ethnographisch-literarischen Studien (z. B. Kroje Srbů lužických [Lausitzer Trachten] 1924) und Reisebeschreibungen. K. notierte als erster die volkstümliche Mehrstimmigkeit in Russland, die südslawischen chromatischen Gesänge, aber auch die Spielweise der Dudelsackkapellen in Taus (Domažlice/CZ). 1922 wurde er mit dem sorbischen Orden der Hl. Sawa II. Klasse ausgezeichnet, 1923 wurde er Ehrenmitglied der Maćica Serbska, 1928 Repräsentant der Tschechoslowakei in der Commission Internationale des Arts populaires (CIAP). Nach 1932 widmete er sich überwiegend der Malerei (insgesamt an die 2200 Werke).

Ehrungen

  • Dr. h. c. an der Karlsuniv. Prag 1936
  • Ehrenprofessur an der Akad. der bildenden Künste in Prag 1945
  • Mitglied des Slawischen Instituts in Prag, der Jugoslawischen Akad. der Wissenschaften und Künste in Zagreb und Mitglied bzw. Ehrenmitglied von weiteren Institutionen und Organisationen

Schriften

Literatur

Autorin

  • Vlasta Reittererová

Letzte inhaltliche Änderung

10.8.2004

Empfohlene Zitierweise

Vlasta Reittererová, Art. „Kuba, Ludvík“ (10.8.2004), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits, https://dx.doi.org/10.1553/0x000487b8 (abgerufen am )

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