Harkam, Alois (eig. Aloisius)

* 13.2.1916 Lasselsdorf bei Groß St. Florian/St, † 25.10.2003 Voitsberg/St

Bergmann, Gastwirt, Musiker

Harkam, letztes von sechs Kindern des Keuschlers Josef H. vulgo Scherer und seiner Frau Josefa geb. Mandl, besuchte die Volksschule in Lasselsdorf und arbeitete schon als Kind am elterlichen Bauernhof. In Familie und Schule wurde gesungen, ab neun Jahren lernte er Violine, Posaune und Bassflügelhorn, ab zwölf war er Posaunist bei der Marktmusikkapelle Groß St. Florian. 1935 wurde Harkam Bergmann bei der Graz-Köflacher Eisenbahn- und Bergbaugesellschaft in Rosental an der Kainach/St und Mitglied der Bergkapelle Rosental. Daneben studierte er am Steiermärkischen Landeskonservatorium in Graz Posaune, Flügelhorn und Trompete bis zum Lehrabschluss. 1938 wurde H. als Militärmusiker zur Deutschen Wehrmacht eingezogen, ab Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde er, da „Dringlichkeitsbedarf“ herrschte, wieder als Bergmann im Bergbau Marienschacht bei Köflach eingesetzt. 1949 heiratete Harkam Maria Theresia, geborene Pačnik aus Rosental/St, der gemeinsame Sohn Othmar, ebenfalls Musiker und Gastwirt, baute eine Fremdenpension in Westendorf bei Kitzbühel/T und war als Alleinunterhalter tätig. Das 1949 gepachtete „Gasthaus Tonipeter“ in Lobming bei Voitsberg/St wurde wie das später gekaufte Gasthaus in Voitsberg (1957–76) von Maria Theresia Harkam geführt.

1945–61 war Harkam im Bergbau Zangtal in Voitsberg tätig und spielte bei der Bergkapelle Hödlgrube-Zangtal, mit der er in den 1950er-Jahren als 1. Flügelhornist bzw. Trompeter u. a. zu internationalen Blasmusikfestivals nach Holland (1. und 2. Preis bei einem Wettbewerb in Kerkrade 1954), Belgien und Luxemburg fuhr. In den ersten Nachkriegsjahren war er auch als 1. Geiger in Rudolf Strobls moderner Tanzkapelle in Köflach sowie in der Kapelle von S. Nestler in Edelschrott/St tätig. 1961–73 führte Harkam die Kantine der Firma „Pumpen Bauer“ in Voitsberg und spielte bei der dortigen Werkskapelle Bauer Voitsberg, danach kehrte er zur Bergkapelle Hödlgrube-Zangtal zurück. Er war auch Mitglied der Gestütskapelle Piber, ab 1981 Kapellmeister der Trachtenmusikkapelle Pack, Aushilfsmusiker bei vielen Blaskapellen im Bezirk Voitsberg und leitete zehn Jahre lang den Chor des Pensionistenverbands Voitsberg, für den er z. T. Singblätter schrieb und dessen Auftritte er meist mit der Steirischen Harmonika begleitete. Außerdem war Harkam nach dem Krieg Lehrer für Violine, Trompete und Posaune an der Musikschule Voitsberg. Mit seinen drei Instrumenten war Harkam auch ein gefragter Tanzmusiker bei unterschiedlichen Kleingruppen. 1948 gründete er eine eigene Tanzkapelle mit Paul Heinzelmann (Trompete), Viktor Gorenz (Steirische Harmonika) und Johann Oswald (Posaune), in der er selbst ebenfalls Trompete spielte; dieses beliebte Ensemble wurde 1974, vermutlich angeregt durch S. Avsenik und sein Original Oberkrainer Quintett , durch eine Klarinette verstärkt. Später kam – eine absolute Rarität, die sich geschäftlich positiv auswirkte – Linde Seidler mit ihrem chromatischen Knopfgriff-Akkordeon und als Sängerin zur Kapelle Harkam. Als Aushilfen waren 1950–75 M. Rosenzopf (Chromatisches Knopfgriff-Akkordeon), Gabriel Müller (Trompete und Flügelhorn), F. Hiden (Klarinette und Saxophon), Florian Berner (Gitarre) und Georg Weber (Schlagzeug) tätig. Für größere Feiern wurde das Quintett durch Saxophon, Gitarre, Bassgeige (Johann Oswald) und Klavier (Helmut Staral) aufgestockt, gespielt wurden v. a. die aktuelle Unterhaltungsmusik. Mit einigen wechselnden Musikern bestand die Kapelle H. fast ein halbes Jahrhundert lang. Nach deren Auflösung 1995 spielte Harkam Trompete im Köflacher-Trio des Harmonikaspielers Josef Strohmaier, mit dem er auch im Duo auftrat. Nach 72 Jahren beendete er am 27.5.2000 seine blasmusikalische Tätigkeit als 1. Flügelhornist und Trompeter bei einem Blasmusiktreffen in Salla bei Köflach/St. Zu seinem Begräbnis kamen Abordnungen von 21 Musikkapellen aus dem Bezirk Voitsberg.

Ehrungen

  • Mehrere Ehrungen der Bergkapelle Hödlgrube-Zangtal und des Steirischen Blasmusikverbands

Literatur

  • Max Rosenzopf, Weststeirisches Musikantentum, Wien 2016 (Corpus Musicae Popularis Austriacae 21), 183–198
  • Taufbuch der Pfarre Groß St. Florian 1906–1922, fol. 252
  • eigene Recherchen

Abbildungen

Autorin

  • Eva Maria Hois

Letzte inhaltliche Änderung

16.9.2026

Empfohlene Zitierweise

Eva Maria Hois, Art. „Harkam, Alois (eig. Aloisius)“ (16.9.2026), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits (abgerufen am )

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