Nestler besuchte (unregelmäßig) die Volksschule in Modriach/St, war Knecht und erlernte schließlich den Beruf des Schuhmachers (Gesellenprüfung 1903). 1903–06 leistete er Militärdienst in Laibach, vermutlich bei der Militärmusik. Zurück in Modriach legte Nestler 1907 die Meisterprüfung ab und war seitdem als selbstständiger Schuster tätig. 1909 heiratete er Katharina Hiebler vulgo Ziri (1888–1960), adoptierte deren ledigen Sohn und bekam mit ihr zehn weitere Kinder; die Söhne wurden von ihm auf der Geige und einem Blasinstrument unterrichtet, lernten aber auch Steirische Harmonika. Im Ersten Weltkrieg diente Nestler als Schuster. Sein Schuhmacher-Lehrmeister Weißensteiner, selbst Klarinettist, regte ihn zum Klarinettenspielen an, außerdem lernte Nestler Geige bei Johann Muhri vulgo Jauk in St. Martin am Wöllmißberg/St und bei Rudolf Offenbacher (1895–1951) in Köflach/St. Beeinflusst wurde er auch vom aus Südböhmen eingewanderten Musikanten August Wancura († 1920), der mit seinen Brüdern Karl und Wenzel die Wancura Buam bildete und später Kapellmeister der 1873 gegründeten Wöllmißberger Ortskapelle (heute Ortsmusikkapelle St. Martin am Wöllmißberg; älteste Blasmusik im Bezirk Voitsberg/St) war, in der auch N. bis zu Wancuras Tod musizierte. Bei diesem lernte Nestler Klarinette, Geige, Bassgeige und Helikon und übernahm einen Großteil seines Repertoires. Nestler erweiterte die Ortsmusikkapelle Edelschrott (heute Marktmusikkapelle Erzherzog Johann Edelschrott) durch selbst ausgebildete Musikanten auf 15 Mann, leitete diese 50 Jahre lang und spielte mit ihr nicht mehr nur „auf Blech“, sondern nun auch „auf Streich“. Mit seinen Kapellen musizierte Nestler u. a. bei Hochzeiten, Kirtagen und Faschingsfesten, auch außerhalb der Steiermark, was für den Familienvater v. a. in der Zwischenkriegszeit ein wichtiger Zuverdienst war. Um 1928 entstand mit den beiden ältesten Söhnen Rudolf (* 26.3.1910 Edelschrott) und Simon jun. (* 20.3.1912 Edelschrott) ein Trio, aus dem die Schuasta-Sima-Musi hervorging, bei der auch oft Aushilfsmusikanten wie A. Harkam und M. Rosenzopf tätig waren; er selbst wurde später von Sohn Johann (* 14.12.1919 Edelschrott) vertreten. Nestler notierte seit Generationen tradierte Stücke und Lieder aus seiner Umgebung, darunter Polkas, Walzer, Märsche und Ehestandslieder für Hochzeiten; er hinterließ insgesamt mehr als 1.000 Tänze und Märsche, sowie einige Kirchenmusikalien und Konzertstücke; Abschriften befinden sich im Steirischen Volksliedarchiv (HS 524–548).
Literatur
- Musikantenstückln, herausgegeben zum Geigentag ’89, hrsg. von Wolfgang Weingerl und Hermann Härtel, Graz 1989
- „Ein Leben für die Musik“, in: Weststeirische Volkszeitung 12.7.1991, o. S.
- Pefri, „Schuasta Sima, spü’ auf!“, in: Neues Land 21.7.1991, o. S.
- Max Rosenzopf, Weststeirisches Musikantentum, Wien 2016 (Corpus Musicae Popularis Austriacae 21), 391–418
- Lisa-Christina Fellner, Art. „Nestler, Simon (vulgo Schuster Sima)“, in: LiedSammlerVolk. Volksliedsammler und -sammlerinnen in der Steiermark, hrsg. von Helmut Brenner u. a., Graz 2016, 151–153
- Taufbuch der Pfarre Edelschrott 1890–1923, fol. 185, 204 und 262
- eigene Recherchen
Abbildungen
Autorin
- Eva Maria Hois
Letzte inhaltliche Änderung
25.9.2026Empfohlene Zitierweise
Eva Maria Hois, Art. „Nestler, Simon (vulgo Schuster Sima)“ (25.9.2026), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits (abgerufen am )
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