Sohn des späteren Burgtheaterdirektors Josef G. (1890–1968) und der Schauspielerin Rosa Steuermann (1891–1972, Schwester von E. Steuermann). 1940 Emigration der Familie nach Buenos Aires; 1942–49 Klavier- und Theoriestudium bei Erwin Leuchter; Philosophiestudium; 1947–50 Korrepetitor am Teatro Colón Buenos Aires; als Komponist und Interpret für die agrupación nueva musica tätig; führte 1949 sämtliche Klavierwerke A. Schönbergs auf; 1950–53 Analysestudien bei J. Polnauer in Wien; 1950–60 Korrepetitor und Kapellmeister an der Wiener Staatsoper; 1960–65 Chefdirigent der Königlichen Oper Stockholm, anschließend in Köln/D; 1969 Chefdirigent des belgischen Nationalorchesters in Brüssel, 1973 der Niederländischen Oper Amsterdam; 1977–87 Operndirektor und Generalmusikdirektor in Frankfurt am Main/D; 1978–81 Chief Guest Conductor des BBC-Orchestra London; 1980–86 Musikdirektor des Cincinnati Symphony Orchestra; ab 1986 Chefdirigent des SWF Sinfonieorchesters Baden-Baden//D (ab 1996 umbenannt in SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg), welches er bis 1999 leitete (ab diesem Zeitpunkt „ständiger Gastdirigent“); 1987–95 Professur für Dirigieren an der Salzburger MHsch. Mozarteum; „ständiger Gastdirigent“ des ORF-Symphonieorchesters (RSO Wien); 1995 Debüt bei den Salzburger Festspielen mit Lulu. G. lebt in Freiburg im Breisgau/D und in Wien. G.s frühere Kompositionen sind stark von der Zweiten Wiener Schule beeinflusst. Als Dirigent leitete er zahlreiche UA.en von Bernd Alois Zimmermanns (Oper Die Soldaten; Requiem für einen jungen Dichter), G. Ligeti (Requiem), Karlheinz Stockhausen (Carré), L. Nono, Luciano Berio, H. W. Henze (Dramatische Szenen aus ‚Orpheus’) u. a.
Ehrungen
- Hessischer Staatspreis für Kultur 1985
- Adorno-Preis der Stadt Frankfurt am Main 1986
- österreichischer Orden Litteris et Artis 1992
- Würdigungspreis des Bundesministeriums für Wissenschaft und Kunst 1991
- Großes Bundesverdienstkreuz der BRD 1992
- Preis der Stadt Wien (Kategorie Musik) 1996
- Frankfurter Musikpreis 1999
- Musikpreis der Stadt Duisburg/D 2006
- Faust Theaterpreis (für sein Lebenswerk) 2007
- Musikpreis der Internationalen Ernst von Siemens Musikstiftung 2010
- Großes Verdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik Deutschland 2010
Werke
Variationen für Streichquartett 1949; Variationen für 40 Instrumente 1959; Melodram mit Zwischenspielen die glocken sind auf falscher spur für 6 Musiker und Bänder 1970; Einige Schwierigkeiten bei der Überwindung der Angst für Orchestermusiker 1975; Streichquartett Un vieux souvenir 1983–85; Jesu meine Freude (Collage über die gleichnamige Motette von J. S. Bach und Igor Strawinskys Canticum sacrum für Chor und Orchester 1988); Kammermusik.
Schriften
- Ein Getreuer Korrepetitor. Rede zur Verleihung des Adorno-Preises 1986 in Nicht versöhnt: Musikästhetik nach Adorno 1987
- gem. m. P. Fiebig, Beethoven im Gespräch. Die neun Sinfonien 1996
- gem. m. P. Fiebig, Mahler im Gespäch. Die zehn Sinfonien 2002
- Unbedingt Musik. Erinnerungen 2005
Literatur
- MaÖ 1997
- Goertz 1979 u. 1994
- NGroveD 9 (2001)
- MGG 16 (1976)
- Riemann 1972
- MGÖ 3 (1995)
- P. Fiebig (Hg.), M. G. 1997
- M. Eggerth/K.-H. Jungheinrich, Durchbrüche: 10 Jahre Musiktheater mit M. G. 1987
- A. Douer/U. Seeber (Hg.), Wie weit ist Wien. Lateinamerika für österreichische Schriftsteller und Künstler 1995
- G. Rohde in Neue Musikzeitung 7 (1997)
- http://www.bach-cantatas.com/ (11/2011)
- http://www.beckmesser.de (11/2011)
- http://de.wikipedia.org (7/2019)
Autorin
- Barbara Boisits
Letzte inhaltliche Änderung
2.7.2019Empfohlene Zitierweise
Barbara Boisits, Art. „Gielen, Michael Andreas“ (2.7.2019), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits, https://dx.doi.org/10.1553/0x0001cf10 (abgerufen am )
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