Forster, Josef

* 20.1.1838 Trofaiach/St, † 3.3.1917 Wien

Komponist, Techniker und Mathematiker

Sohn des aus Böhmen stammenden Lehrers und Organisten Jakob F. und seiner zweiten Ehefrau Klara, geb. Helm, der Tochter eines Domchoristen von Göß. Erste musikalische Ausbildung durch die Eltern, danach Sängerknabe am Stiftsgymnasium Admont (musikalische Ausbildung bei F. Traunbauer). Lehrerausbildung mit Kursus für Kirchenmusik in Graz 1854, anschließend technische und mathematische Studien am Joanneum (spätere Technische Univ. Graz). Während seiner Grazer Zeit erste (verschollene) musikalische Kompositionen. Tätigkeit als Lehrer und Chorleiter in Trofaiach, 1865 Übersiedlung nach Wien, wo er Anschluss an den Kreis um R. Heuberger, C. M. Ziehrer und Ludwig Anzengruber fand. Abgebrochenes Architekturstudium, später Tätigkeit als Privatlehrer, Erfinder (Anmeldung mehrerer Patente, v. a. im Bereich optischer Geräte sowie der Geschütz- und Motorenentwicklung) und Komponist. Anfangs gefördert durch E. Hanslick und O. Dessoff, trat F. mit zwei Streichquartetten und einer – von der Kritik überwiegend negativ aufgenommenen – romantischen c-moll-Symphonie (UA 1871 durch die Wiener Philharmoniker unter O. Dessoff) an die Öffentlichkeit. Aufführungen seiner komischen Oper Die Wallfahrt der Königin (1878) am Ringtheater, sowie der Ballette Der Spielmann (1881) und Die Assassinen (1883) – nach einer Dichtung von Erzhzg. Johann Salvator (später: Johann Orth) – an der Wiener Hofoper. Eine Bewerbung als Kapellmeister am Burgtheater wurde abgelehnt. Seinen größten Publikumserfolg errang F. mit dem Einakter Die Rose von Pontevedra (UA 1893 in Gotha/D), für den er den geteilten ersten Preis eines vom Herzogtum Sachsen-Coburg-Gotha ausgeschriebenen Opern-Wettbewerbs erhielt; das Werk gilt als eines der gelungensten Beispiele einer veristischen Oper (Verismo) in deutscher Sprache und wurde bis 1914 an zahlreichen Bühnen des deutschen Sprachraums gespielt (12 Aufführungen an der Wiener Hofoper). Mit späteren Arbeiten konnte F. an diesen Erfolg nicht mehr anschließen: Seine auf einem Fastnachtsspiel von H. Sachs beruhende Oper Der dot Mon (UA 1902 an der Wiener Hofoper, Dirigent: G. Mahler) fiel, trotz positiver Kritiken, beim Publikum durch. In seinen letzten Lebensjahren beschäftigte sich F. – zunehmend unter beengten Verhältnissen, teilweise von Instrumentationsaufträgen (unter anderem von F. Lehár) lebend – v. a. mit mathematischen Problemen.

Gedenkstätten

  • Forstergasse (Graz XV)

Ehrungen

  • Toskanisches Ritterkreuz für zivile Verdienste 1883

Werke

Opern (Canot [verschollen]; Der Wunderdoktor; Die Dorfkokette; Ines oder Die Wallfahrt der Königin; Sirene [Fragment]; Die letzten Tage von Pompeji; Die Rose von Pontevedra; Maria Tudor; Der dot Mon; Die Sturmflut [in überarbeiteten Fassungen auch als Wiarda und Flammen und Wogen]; Der Großmeister; Geheimnis und Liebe [verschollen]; Operetten (Onkel Trim [Fragment]; Rekrut und Korporal [Fragment]; Ballette (Der Spielmann; Die Assassinen; Der Alchymist); Ouverture in C [verschollen]; Symphonie in c-moll; Kammermusik (zwei Streichquartette), Menuett für vier Hörner; Walzerfolge Die Hainbacher; Kirchenmusik (Choralmessen, Messe für Männergesang; Offertorium); Weltliche Chorlieder (Commerslied; Die Adriawacht).

Schriften

mathematische Studien

Literatur

Abbildungen

Autor

  • Peter Stachel

Letzte inhaltliche Änderung

18.2.2002

Empfohlene Zitierweise

Peter Stachel, Art. „Forster, Josef“ (18.2.2002), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits, https://dx.doi.org/10.1553/0x0001cdcc (abgerufen am )

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