Decker, Franz

* 24.9.1833 Wien, † 8.4.1886 Klagenfurt

Pianist, Musikpädagoge, Komponist, Dirigent

Der Sohn des aus dem Elsass/F nach Wien eingewanderten Malers und Zeichenlehrers Johann Stephan Decker (1783–1844), der u. a. 1824 L. v. Beethoven portraitierte, erhielt privat Unterricht in Klavier (Ladislaus Crispin) und Komposition (G. F. v. Preyer) und gab sein Konzertdebüt am 8.2.1852 in Wien. Nach Abschluss seiner Studien unternahm er eine Konzertreise durch Ungarn und Böhmen und war als Klavierlehrer tätig. Ab 1863 war Decker als solcher wie auch als geschätzter Pianist in Klagenfurt tätig, außerdem übernahm er im November desselben Jahres (zuerst bis April 1865, dann wieder 1867–71) gemeinsam mit J. Reiner die Leitung des Männergesangvereins Klagenfurt, dessen künstlerische Leistungen er verbesserte und mit welchem er u. a. 1864 J. Haydns Oratorium Die Jahreszeiten aufführte. 1882 wurde er Chormeister des neu gegründeten Singvereines. Decker war mit zwei seiner ehemaligen Klavierschülerinnen verheiratet, ab 1869 mit Thekla von Schluga (1848–77) und ab 1878 mit Maria (Mitzi) Matschnigg (* 1857); beide Ehen blieben kinderlos. In den 1870er Jahren setzte Decker die in zwei Heften (1849–1851) publizierte Sammlung Kärnthnerische Volkslieder von E. v. Herbert fort. Er erweiterte diese auf insgesamt 125, z. T. heute noch gesungene Lieder, die er in fünf Heften veröffentlichte. Sie waren dem Stil der Zeit entsprechend für Singstimme und Klavierbegleitung eingerichtet; Letztere war kunstvoller als die einfachen Klaviersätze Herberts, was wohl auf den Pianisten Decker zurückzuführen ist. Im Vorwort zum dritten Heft (1874) verwies er auf den großen Variantenreichtum des Volksliedes und empfahl nicht zuletzt deshalb u. a. einen freien Umgang mit der Rhythmisierung. Deckers Volksliedbearbeitungen für Klavier solo sowie für Männerchor wurden ebenfalls publiziert; seine Vokalsätze gehörten etwa zum Repertoire des Wiener Männergesang-Vereins. Am zweiten Band der Männerchor-Ausgabe wirkte nach eigenen Angaben E. Hanslick mit.

Werke

(z. T. verlegt): Klavierstücke (Deutsche Tänze für das Pianoforte [vor 1877], Kärntner Volkslieder für Pianoforte allein); Streichquintett 1864; Lieder (Zaubersüße Mondnacht fließe hin in milder Ruh [T: Fritz Lemmermayer], Lied der Deutschen in Österreich), Männerchöre (Die stille Wasserrose für Männerchor und Tenor); Volksliedbearbeitungen.

Schriften

  • 125 Kärntner Volkslieder für eine Singstimme mit Begleitung des Pianoforte, 5 Hefte, hrsg. von Franz Decker, Klagenfurt-Villach o. J.
  • Volkslieder aus Kärnten für vier- und fünfstimmigen Männerchor, 2 Hefte, hrsg. von Franz Decker, Wien o. J

Literatur

  • Anton Kollitsch, „Franz Decker“, in: Ders., Geschichte des Kärntnerliedes, Bd. 2: 1862 bis zur Gegenwart, Klagenfurt 21943 (Schriften zur Geistesgeschichte Kärntens I/2), ND in: Anton Kollitsch. Forschungen und Beiträge zu Lied und Musik in Kärnten, hrsg. von Gerda Anderluh, Klagenfurt 2005 (Archiv für Vaterländische Geschichte und Topographie 92), 99–101
  • Dieter Anderluh, „Der Musiker Franz Decker (1833–1886) und das Kärntnerlied“, in: Carinthia I 195 (2005), 433–443
  • Klagenfurter Zeitung 13.4.1886, 717f
  • Neue Wiener Musik-Zeitung 12.2.1852, 33
  • Taufbuch der Pfarre Unsere Liebe Frau zu den Schotten (Wien I) 1833–39, fol. 31

Autorin

  • Eva Maria Hois

Letzte inhaltliche Änderung

10.9.2026

Empfohlene Zitierweise

Eva Maria Hois, Art. „Decker, Franz“ (10.9.2026), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits (abgerufen am )

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