Besuchte das Jesuitenkolleg in Brera bei Mailand, juridisches Studium in Pavia/I und Mailand; 1787–94 am Theater in Monza/I, für das er Komödien nach französischem Vorbild verfasste bzw. französische Werke übersetzte und inszenierte. 1792–96 Herausgeber der Gazetta di Milano, in der er sich gegen die französische Revolution aussprach; wegen Einzug französischer Truppen ab 1796 Exil in Wien, bis 1804 Direktor der Theater von Venedig, ab 1805 endgültig in Wien, Ernennung zum Hofdichter. Librettist bei Maria Theresia, der zweiten Gattin Franz’ II.; großer Erfolg mit dem Libretto Camilla ossia Il sotterano (M: Ferdinando Paër) am Kärntnertortheater; übersetzte 1797/98 die Hymne Gott erhalte von J. Haydn, mit dem er befreundet war, und 1798 das Libretto zur Schöpfung ins Italienische (1. Aufführung in italienischer Sprache am 17.3.1808 im Festsaal der Alten Universität); arbeitete auch als Polizeispitzel beim Wiener Kongress; 1814/15 lernte er in Salons u. a. L. v. Beethoven kennen. Seine Haydine (1812) sind ein biographisches Werk über Haydn in Briefform, dem ein ähnliches über G. Rossini folgte (Le Rossiniane 1824). Sie verursachten einen Plagiatsstreit, da Stendhal sich in seinen Lettres écrites de Vienne en Autriche, sur le célèbre compositeur Joseph Haydn (1814) und in Vie de Rossini (1823) stark an C. angelehnt hatte. Sein Gedicht In questa tomba oscura wurde von 63 Komponisten vertont (A. Salieri, J. Weigl, Fr. H. Himmel, Franz Danzi, Beethoven, Paër; hg. in DTÖ 140/141 [1986]).
Werke
Camilla ossia Il sotterano (nach Nicolas Dalayrac; M: Paër); L’uniforme (M: J. Weigl); Nina ossia La pazza per amore (nach Dalayrac; M: G. Paisiello); Oratorium La Passione di Nostro Signor Gesù Cristo (M: Weigl); Kantatentexte.
Schriften
- Le Haydine ovvero lettere su la vita e le opere del celebre maestro Giuseppe Haydn1812, 21823
- Le Rossiniane ossia lettere musico teatrali 1824
- Lettera [...] in difesa del Maestro Salieri calunniato di avvelenamento del Mozzard [o. J.]
Literatur
- Czeike 1 (1992)
- MGG 2 (1952), 4 (2000)
- NGroveD 5 (2001)
- MGÖ 2 (1995)
- PiperEnz, Reg.bd. 1997
- H. C. Jakobs, Studien zu G. C. 1988
Autorin
- Barbara Boisits
Letzte inhaltliche Änderung
27.12.2017Empfohlene Zitierweise
Barbara Boisits, Art. „Carpani, Giuseppe“ (27.12.2017), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits, https://dx.doi.org/10.1553/0x0001caa9 (abgerufen am )
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