Brady (Bradi), Philipp

* 20.9.1857 Moson?, Ungarn (Wieselburg heute Mosonmagyaróvár/H), † 9.11.1907 Wien

Natursänger, Frisör

Der Sohn eines jüdischen Arztes war ursprünglich Frisörgehilfe in Wien I. Darüber hinaus sang Brady als Natursänger (Tenor) zunächst im Duett mit Pepi Brandmayer. Popularität erlangte er als Sänger der Schrammeln (ab etwa 1887). Einladungen in aristokratischen Salons und Auftritte außerhalb Wiens, etwa in Deutschland oder Prag, folgten. Später trat er auch in Varietés (Ronacher, Orpheum) auf. Am 26.4.1886 hatte er sich vermutlich im Zuge seiner Eheschließung am 16.5.1886 mit der Katholikin Antonia Karolina Neschen taufen lassen. Um 1898 gründete Brady in der Ballgasse (Wien I) das angeblich erste Nachtlokal Wiens unter dem Namen „Brady’s Wintergarten“, das als Vorläufer der nach 1905 entstandenen Bars gilt. In dem Lokal wurde Heurigenmusik „im Genre der berühmten Waldschnepfen-Abende“ (Wiener Allgemeine Zeitung 1.9.1899, [1], benannt nach einem bekannten Gasthof in Dornbach [Wien XVII]) geboten und es wurde von der „Wiener Lebewelt“ (Neues Wiener Journal 20.4.1930, 20) gern frequentiert; Brady betrieb es bis 1902. 1906 fand das literarische Kabarett Nachtlicht dort seine Bühne, wo Brady nach Beendigung des literarischen Programms um Mitternacht sein beliebtes Drah’n ma um und drah’n ma auf (M: Rudolf Hauptmann, T: J. Hadrawa) interpretierte. Weitere Auftritte folgten in Pertl’s drittem Kaffeehaus im Prater und zuletzt im Herbst 1907 im „Zum süßen Mädel“ (Wien I, Kärntnerstraße 8), wo er auch die künstlerische Leitung innehatte.

Literatur

  • Margarethe Egger, Die „Schrammeln“ in ihrer Zeit, München 1989
  • Neues Wiener Journal 10.11.1907, 7, 24.11.1907, 5, 20.4.1930, 20
  • Neues Wiener Tagblatt 23.10.1906, 12, 10.11.1907, 11, 30.1.1927, 6
  • Czernowitzer Allgemeine Zeitung 29.11.1907, [1f]
  • Illustrirtes Wiener Extrablatt 5.1.1906, 12, 5.11.1907, 7, 10.11.1907, 8
  • Illustrierte Kronen-Zeitung 10.11.1907, 6
  • Neue Freie Presse 12.11.1907, 11
  • Prager Tagblatt 11.11.1907, 4
  • Die Zeit 31.8.1906, 5, 6.9.1907, 7, 11.11.1907, 3
  • Wiener Allgemeine Zeitung 1.9.1899, [1]
  • Trauungsbuch der Pfarre St. Stephan (Wien I) 1881–86, fol. 261
  • eigene Recherchen (ANNO. Historische Zeitungen und Zeitschriften, www.anno.onb.ac.at)

Autorin

  • Monika Kornberger

Letzte inhaltliche Änderung

8.10.2026

Empfohlene Zitierweise

Monika Kornberger, Art. „Brady (Bradi), Philipp“ (8.10.2026), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits (abgerufen am )

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