Anton: * 1.6.1820 Zerlach bei Kirchbach/St, † 16.12.1899 Graz. Regens chori, Pädagoge, Komponist. Der Sohn eines Bauern wuchs in einer kinderreichen Familie in der Oststeiermark auf. Zunächst begann er mit dem Singen, ab dem Alter von zehn Jahren erhielt er Gruppenunterricht im Geigenspiel durch den Kirchbacher Schulmeister Franz Satter und erlernte auch Blasinstrumente. Im Alter von 12 Jahren begann er zu komponieren und wirkte auch bei der Musikgestaltung an der Pfarrkirche St. Johann Baptist in Kirchbach mit. Ab 1834 erlernte er bei Fl. Schantl in Graz das Flügelhornspiel. Einige Jahre später war er gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Franz Teil einer sog. „Banda“, ein „armseliges Bandl von sieben Mann, das ein Schuster zusammengestellt hatte“ (A. A. zit. n. Grazer Tagbl. 31.5.1910). Zu Fuß tourte die Truppe durch die Obersteiermark und durch Teile Kärntens; in Wolfsberg brachen die Brüder die Reise vorzeitig ab. 1843 wurden beide Mitglieder der 16-Mann starken Kapelle von Jos. Gungl und unternahmen eine mehrjährige Konzertreise von Graz über die Obersteiermark, Linz und Salzburg nach Deutschland (München, Nürnberg, Frankfurt am Main, Köln, Berlin, Danzig, Königsberg), Russland (Riga, St. Petersburg) und zurück über Hamburg/D, Dresden/D, Prag, Olmütz, Brünn und Wien. Danach ließ sich A. in Graz nieder und leitete die Streichmusik des Bürgercorps und der Nationalgarde. Nach 1848 erhielt er Harmonielehre- und Kontrapunktunterricht von A. Svoboda. 1851 veranstaltete er als Leiter einer eigenen Kapelle mehrere Gartenfeste. A. erfreute sich bei der örtlichen Bevölkerung sowohl als Kapellmeister als auch als Tanzmusikkomponist großer Beliebtheit und bei seinen beiden Abschiedskonzerten (Nachfolger: V. Pertl) Ende Juli 1852 mussten „mehrere Hundert Personen an der Casse zurückgehen“ (Wr. Theater-Ztg. 12.8.1852, 744). Am 1.8.1852 ging A. als letzter Thurnermeister nach Leoben, wo er gleichzeitig auch die Positionen als Stadtmusikdirektor und Regens chori für die drei dortigen Kirchen belegte. Darüber hinaus eröffnete er eine MSch., aus der eine Blaskapelle aus acht- bis 16-jährigen Knaben hervorging, die 1855 erfolgreich auch in Graz auftrat. Am 2.6.1856 heiratete er in Seckau bei Knittelfeld die Wirtstochter Maria Stradner (* 29.12.1837 Seckau/St, † 4.2.1865 Leoben). Im Wirtshaus ihrer Eltern war er während seiner ersten Konzertreise einquartiert gewesen. Mit ihr hatte er fünf Kinder. 1859 übernahm er die Ausbildung der Hornisten für das 1. Wiener Freiwilligen-Bataillon. Außerdem Gründung eines Volksmusiktrios mit dem Flügelhornisten und Flötisten Johann Lorenz, der bereits in Graz Mitglied seiner Kapelle war, und Karl Kraushofer. Die drei Musiker spielten insgesamt 14 Instrumente, unternahmen Konzertreisen bis Paris, Mannheim/D und München und machten die steirische Volksmusik in Europa populär. 1865 musizierte das Trio vor K. Franz Joseph in Schönbrunn. 1862–76 war er Gesangslehrer am Gymnasium in Leoben, davon die ersten drei Jahre unentgeltlich. Außerdem war A. ab 1863 auch Chormeister des Leobner MGVs und ab 1877 des neu gegründeten Akademischen Gesangvereins. Am 18.9.1878 heiratete er in Graz Josefa Kratochwill von Löwenfeld (* ca. 1840 Graz?, † 1.1.1894 Graz), mit der er zwei weitere Söhne hatte. 1883 verlor A. nach Anfeindungen seine Anstellung in Leoben, erhielt keine Pension, sondern nur eine Abfertigung und musste daher als freischaffender Musiker seinen Unterhalt bestreiten. Er unternahm mit seinen älteren Kindern Josefine (eig. Josefa Ottilia, * 3.1.1862 Leoben, † ?) und Anton eine Konzertreise durch die Steiermark und Kärnten. Hinsichtlich der Vermarktung seiner zahlreichen Kompositionen hatte er sich als wenig geschäftstüchtig erwiesen und konnte – im Gegensatz zu seinen Verlegern – aus diesen keinen Profit schlagen. Ab 1892 lebte er mit seiner zweiten Frau und den beiden minderjährigen Söhnen im Grazer Griesviertel (Graz V). Infolge eines Sturzes, der eine langwierige Krankheit nach sich zog, war er zuletzt von der finanziellen Unterstützung von Freunden und Gönnern angewiesen und starb verarmt. A. komponierte neben Kirchenmusik, Märschen und Tänzen vor allem zahlreiche volkstümliche Musik. In seinen Liedern, von denen viele auch gedruckt wurden (u. a. bei A. Bösendorfer, Haslinger und Anton Goll in Wien sowie Tendler in Graz), nahm er vielfach Anleihe am traditionellen mündlich überlieferten Volkslied, sodass auch seine Lieder (am bekanntesten: ’s Kohlröserl) wurde A. rasch vergessen. Die Auflösung seines Grabes am St.-Leonhard-Friedhof wurde 1926 durch Spenden und dem Erlös einer kleinen Gedenkschrift, initiiert durch August Herzl vom Grazer MGV Liederkranz, verhindert.
Gedenkstätten
- Absengerstraße (Graz XIV)
- Absengergasse (Leoben)
Ehrungen
- Goldene Medaille „Viribus unitis“ des Kaisers 1872
- k. k. Goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft 1872
- Flügelhorn und Anerkennungsschreiben von Prinz Alexander v. Württemberg 1874
Werke
über 270 Werke: volkstümliche Lieder (’s Kohlröserl op. 126, S’ Edelweiß op. 165 [s. Abb.], d’ Gruaß aus der Hoamat op. 190); Märsche (Kronprinz Rudolf-Marsch op. 160, Landsturm Marsch op. 250); Tänze; 6 Tantum ergo; Chöre; Blasmusik.
Literatur
- StMl 1962–66 u. 22009
- ÖBL 1 (1957)
- G. Kurzmann/O. Hafner, Tot in Graz 1990, 21
- [Kat.] Musik i. d. St. 1980
- XXXVIII. Jahresbericht des k. k. Staatsgymnasiums in Leoben 1899/1900, 1900, 45
- A. A., ein vergessener steirischer Tondichter [1926]
- Pazdirek I/2 (1904)
- Grazer Tagbl. 18.12.1899, 5, 31.5.1910, 1ff
- Grazer Volksbl. 7.3.1926, 7, 12.8.1929, 5, 15.12.1929, 5ff
- Steirische Alpenpost 23.12.1899, 9
- Wr. Theater-Ztg. 12.8.1852, 744
- Grazer Ztg. 29.8.1851, [4], 28.5.1859, [1]
- (Grazer) Tagespost 18.6.1863, [7], 23.2.1872, [4], 4.2.1874, [7], 8.3.1877, [5]
- Taufbuch der Pfarre Kirchbach/St 1812–33, fol. 96
- Trauungsbuch der Pfarre Seckau/St 1838–84, fol. 36
- Sterbebuch der Pfarre Graz-St. Leonhard 1883–99, fol. 685
- Taufbuch der Pfarre Seckau 1835–73, fol. 20
- Taufbuch der Pfarre Leoben-St. Xaver 1861–69, fol. 29
- www.musik-austria.at (2/2025)
- eigene Recherchen (www.anno.onb.ac.at; www.hofmeister.rhul.ac.uk)
Sein Bruder
Franz: * 23.8.1822 Zerlach bei Kirchbach, † nach 1895 Ort?. Geiger, Kapellmeister. Erhielt ebenfalls Geigenunterricht bei dem Kirchbacher Schulmeister F. Sattler. Gemeinsam mit seinem Bruder Anton Gründer und Mitglied einer siebenköpfigen Kapelle und 1843 Mitglied der Kapelle von Jos. Gungl. Nach der Rückkehr von einer mehrjährigen erfolgreichen Tournee, die die Kapelle bis nach Riga und St. Petersburg führte, wurde er Kapellmeister der Civil-Musik-Kapelle in Laibach und um 1852 städtischer Kapellmeister. 1853 trat er als „Capellmeister der Stadtmusik und Musiklehrer“ der Laibacher Philharmonischen Gesellschaft bei. 1895 wird er als Konzertmeister in Prag erwähnt, danach verliert sich seine Spur.
Werke
Walzer Die Libelle.
Literatur
- Grazer Volksbl. 15.12.1929, 5ff
- Vereinigte Laibacher Ztg. 20.4.1853, 367, 28.4.1855, 422, 28.9.1864, 883
- Taufbuch der Pfarre Kirchbach 1812–33, fol. 96
Sein Sohn
Anton jun: * 11.11.1860 Leoben, † 12.6.1890 Graz. Musiker, Komponist. Sein Taufpate war J. Lorenz. Über seine Ausbildung ist derzeit (2025) nichts bekannt, möglicherweise erhielt er sie von seinem Vater. Er machte zunächst mit diesem und Schwester Josefine Konzertreisen, später trat er mit seinem Vater allein auf. Dabei spielte er Harmonium und fungierte auch als Begleiter. Wie sein Vater war auch er kompositorisch tätig, seine beiden einzigen bekannten Werke, ein Marsch und ein Walzer, erschienen 1880. A. jun. starb unverheiratet als Musiker im Alter von 29 Jahren an einem Herzfehler.
Werke
Franziska-Walzer, Festmarsch.
Literatur
- Pazdirek I/2 (1904)
- Grazer Volksbl. 14.6.1890, [4]
- Mühlviertler Nachrichten 21.6.1889, 3
- Prager Tagbl. 20.1.1895, 10
- eigene Recherchen (www.hofmeister.rhul.ac.uk)
- Taufbuch der Pfarre Leoben-St. Xaver 1848–60, fol. 239
- Sterbebuch der Pfarre Graz-Mariahilf 1877–94, pag. 364
Abbildungen
Autorin
- Monika Kornberger
Letzte inhaltliche Änderung
7.1.2026Empfohlene Zitierweise
Monika Kornberger, Art. „Absenger, Familie“ (7.1.2026), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits, https://dx.doi.org/10.1553/0x0001f642 (abgerufen am )
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