Pertl, Vincenz (Vincentius)

* 21.1.1823 Mariazell/St, † 7.7.1887 Graz

Komponist, Kapellmeister

Sohn des Sattlermeisters Michael P. und der Maria, geb. Peplin (fälschlich Pezl in der Heiratsurkunde von V. P.). Mit sieben Jahren soll er bereits sein musikalisches Talent in der Komposition und auf instrumentalem Gebiet (er spielte Violine und schlug die Pauke am Kirchenchor seiner Heimatstadt) gezeigt haben. In der Folge übersiedelte er nach Graz und wohnte bis an sein Lebensende Griesgasse 16. 1842 trat er die gesetzliche Wehrpflicht im IR Nr. 27 „König der Belgier“ an, über welche Zeit uns teilweise seine Tagebuchaufzeichnungen unterrichten: so nahm er 1848/49 am Italienfeldzug unter Feldmarschall Radetzky teil, zog anschließend mit dem Heer über Verona/I, Venedig, Laibach, Graz, Wien (dort traf er seine Geschwister wieder), Brünn, Königgrätz, Zwittau/Mähren (Svitavy/CZ), Olmütz nach Krönau/Mähren (Křelov/CZ), wo am 21.5.1851 seine Aufzeichnungen enden. Mit Dekret vom 31.12.1853 wurde der „Gefreite“ P., „Riemer von Profession“, als „braver Soldat“ aus der gesetzlichen Wehrpflicht entlassen. Im August 1852 übernahm er die Kapelle von A. Absenger, der nach Leoben ging, und trat bis April 1853 – während seiner Reservistenzeit – regelmäßig als Dirigent bei Soiréen in Graz auf, in denen er auch seine Werke uraufführte (30.10.1852 Potpourri Etwas für Alle, 7.11.1852 Oesterreicher-Marsch und Rosamunden-Polka, 1.1.1853 Potpourri Musikalischer Tandlmarkt). In der Folge ging P. für einige Zeit zu seinem Freund Jos. Gungl nach Berlin, wo er im November 1853 als Dirigent der Sommer’schen Capelle genannt wird. Vor seinem Weggang kamen bei der „Abschiedssoirée“ (17.4.1853) der Walzer Gedenke mein und der „Abschieds-Marsch“ Hier und dort zur UA. Längstens 1857 war P. wieder zurück, denn am 17.9.1857 – zu welchem Zeitpunkt er Kapellmeister im Kurort Bad Gleichenberg/St war (auch später soll er noch die Kurmusik in Bad Gleichenberg und dann Tobelbad/St geleitet haben) – heiratete er in der Pfarre St. Michael in Trautmannsdorf/St Maria Anna Engelbogen (* ca. 1828), Tochter des Taglöhners Josef Engelbogen und der Dienstmagd Maria Matterbauer. Als Beistand fungierte der dortige Schullehrer Josef Seydler (* 19.12.1798 Graz). 1860 wird er als Dirigent einiger Soiréen in Graz genannt. Spätestens seit der Soirée am 1.1.1861, hatte er von Peter Wolf (1814–85) die Leitung der Bürgercorps-Capelle übernommen, die er bis längstens 1876 inne hatte (im Adresskalender 1877 ist er bereits als „Musiker“ geführt). Nebenbei war er zweiter Geiger am Thalia-Theater und ab 1872 (unter Robert Müller [1832–95]) Primgeiger im Stadttheater. Zu Ostern 1878 betraute der damalige Direktor des Ständischen Theaters in Graz, Carl Josef von Bertalan (* 20.4.1833, † ?), P. mit der Führung des Stadttheater-Orchesters, das er bis zu seinem Tod leitete.

Werke

Instrumentalstücke: ca. 200 Tänze, Märsche und Potpourris, u. a. 1878 als neue Kompositionen angekündigt: Die Neulinge, Die Neutralen („Walzer“); Sommerlust, Zum Vergnügen („Polka Mazur“); Tanz Elevin, Die Anspruchslose („Polka tremplant“); Epidemisch, Ewig jung, Ideenflug („Schnell-Polka“); Vom Herzen zum Herzen („Steirer-Ländler“, komponiert zur Feier der Enthüllung des Erzhzg. Johann-Monuments); Bühnenwerke: Volksstück 's Nullerl (T: Karl Morré, Graz: Friedrich Goll 1886; UA 30.10.1884); Posse mit Gesang Der Glückselige (T: K. Morré, UA 25.12.1885).

Literatur

Autorin

  • Ingrid Schubert

Letzte inhaltliche Änderung

15.5.2005

Empfohlene Zitierweise

Ingrid Schubert, Art. „Pertl, Vincenz (Vincentius)“ (15.5.2005), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits, https://dx.doi.org/10.1553/0x00021d76 (abgerufen am )

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