Wladigerow (Vladigerov, Wladigeroff), Familie

Musiker und Komponisten

Pancho (Pantscho, Pantcho): * 13.3.1899 Zürich/CH, † 8.9.1978 Sofia. Komponist, Pianist, Dirigent, Musikpädagoge. W. wuchs in Shumen/BG auf und bekam im frühesten Alter den ersten Klavierunterricht. 1910 erfolgte die Übersiedelung nach Sofia, wo er Kompositionsunterricht bei Dobri Hristov, dem damals bedeutendsten bulgarischen Komponisten, nahm. 1912 erhielt er zusammen mit seinem Zwillingsbruder Lyuben († 1992), einem Geiger, ein Staatsstipendium für ein Studium in Berlin. Hier studierte er zunächst bis 1915 an der MHsch. Klavier bei Heinrich Barth und Komposition bei Paul Juon, danach an der Preußischen Akademie der Künste Klavier bei Leonid Kreutzer und Komposition bei Friedrich Gernsheim sowie Georg Schumann. 1920 schloss er sein Studium ab und wurde Kapellmeister und Pianist am Deutschen Theater in Berlin, wo er mit M. Reinhardt eng zusammenarbeitete. Mit ihm war er u. a. an mehreren Produktionen am Theater in der Josefstadt in Wien beteiligt. Wien wurde neben Berlin zum zweiten Standort seiner musikalischen Tätigkeiten. Bereits während des Studiums intensive Kompositionstätigkeit in den verschiedensten Genres. 1918 komponierte er sein erstes Klavierkonzert op. 6 und 1919 die Symphonische Legende op. 8, die am 23.4.1921 von den Wiener Philharmonikern in Wien uraufgeführt wurde. 1924 präsentierte er einige seiner Klavierwerke im Rahmen eines vom Mazedonischen Akademischen Verein veranstalteten Konzerts im kleinen Wiener Konzerthaussaal. In der Folge findet sich sein Name immer wieder auf Wiener und Salzburger Konzertprogrammen verschiedener Interpret:innen. Darüber hinaus wurden einige seiner Kompositionen auf Radio Wien sowohl live (u. a. von H. Loewe und vom Quartett B. Silving) als auch von Schallplatten gespielt. In den 1920/30er Jahren erschienen einige Werke bei der Universal Edition. 1932 kehrte er auf Grund des aufkommenden Antisemitismus in Deutschland zurück nach Sofia, wo er 1938 eine Professur für Klavier, Kammermusik und Komposition an der Nationalen MAkad., die seit 2006 nach ihm benannt ist, erhielt. In seiner Musik, die weitgehend auf der spätromantischen Tradition fußt, war W. der erste, der auch bulgarische Volksmusikmotive mit klassischer symphonischer Musik verknüpfte. Seine Werke fanden viel Beachtung und wurden weltweit aufgeführt. W. gilt als bedeutendster bulgarischer Komponist des 20. Jh.s. Sein Sohn Alexander (1933–93) war als Komponist und Dirigent tätig.

Gedenkstätten

  • Museum in Sofia, Yakubitsa Str. 10 (ehemaliges Wohnhaus)
  • Nationale MAkad. Prof. P. W. in Sofia
  • W.-Passage (Meerenge in der Antarktis, seit 2013)

Ehrungen

  • Mendelssohn-Preis der Berliner MHsch. 1918 u. 1920
  • Herder-Preis der Univ. Wien 1969
  • bulgarische Preise

Werke

Oper Tsar Kaloyan op. 30; zwei Symphonien; Suite für großes Orchester Ljulin Impressionen op. 63; Jüdisches Poem op. 47; Ballett Die Legende vom See op. 40; Konzerte (5 für Kl., 2 f. V., 1 f. Vc.); Kammermusik; Klavierwerke; Lieder und Volksliedbearbeitungen; Plattenaufnahmen.

Literatur

Seine Enkel

Alexander: * 17.8.1978 Sofia. Trompeter, Komponist. Der Sohn von Alexander W. erhielt seinen ersten Trompetenunterricht im Alter von neun Jahren. 1997 begann er in der Jazzabteilung der Nationalen MAkad. in Sofia ein Trompetenstudium. 1998 erfolgte die Übersiedelung nach Wien und die Aufnahme in die Vorbereitungsklasse der MUniv. Wien bei H. Lauermann. 1999–2004 Trompetenstudium bei R. Politzer und Manfred Holzhacker. Mit seinem Zwillingsbruder bildete er die Balkanjazz-Gruppe Wladigeroff Brothers, der manchmal auch deren Schwester, die Sängerin und Pianistin Ekaterina Wladigerova (* 28.8.1971 Sofia) sowie u. a. A. Prozorov, F. Philipp, M. Vavti, M. Coleman, Stoyan Yankoulov und D. Schneeberger angehörten. 2023 starteten sie ein Projekt mit Neuvertonungen von Gedichten von R. M. Rilke. Der Fokus ihrer weiteren Projekte liegt im genreübergreifenden Bereich mit Elementen aus Jazz, Weltmusik, bulgarischer Folklore, Klezmer und Klassik. Die beiden Zwillingsbrüder spielten u. a. mit Fatima Spar and the Freedom Fries, Carole Alston, W. Resetarits, O. Lechner, M. Simsa, Özlem Bulut, P. Ferrara und Juan Garcia-Herreros.

Werke

CDs mit Wladigeroff Brothers: Wanderer in Love 2008, Dreaming of Dreams 2014, The Rag Waltz Time 2017, For the Greatest & Little Things 2011, Dedicated Sounds 2014, Magie. Hommage an Rainer Maria Rilke 2022.

Literatur

Konstantin: * 17.8.1978 Sofia. Pianist, Klarinettist, Komponist. Der Zwillingsbruder von Alexander bekam seinen ersten Klavierunterricht mit fünf Jahren und begann mit dem Klarinettenspiel als Neunjähriger. Seine musikalische Ausbildung erhielt er in Sofia an der Nationalen MSch. „Lyobumir Pipkov“ (Klavier bei Maria Warbanova sowie Klarinette bei Ilya Iliev und Borislav Yotsov). 1998 übersiedelte er gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder nach Wien. Mit diesem bildete er die Balkanjazz-Gruppe Wladigeroff Brothers. Außerdem ist er an fast allen Projekten seines Bruders beteiligt.

Werke

CDs mit Wladigeroff Brothers: Wanderer in Love 2008, Dreaming of Dreams 2014, The Rag Waltz Time 2017, For the Greatest & Little Things 2011, Dedicated Sounds 2014, Magie. Hommage an Rainer Maria Rilke 2022.

Literatur

Abbildungen

Autor

  • Emanuel Wenger

Letzte inhaltliche Änderung

28.1.2026

Empfohlene Zitierweise

Emanuel Wenger, Art. „Wladigerow (Vladigerov, Wladigeroff), Familie“ (28.1.2026), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits (abgerufen am )

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