Tollinger (Tolinger), Robert František

* 14.9.1859 Zámostí/Böhmen (heute Hluboká nad Vltavou/CZ), † 20.2.1911 Schabatz/Königreich Serbien (Šabac/SRB)

Cellist, Komponist, Musikpädagoge und Chorleiter

Absolvierte 1874–79 ein Violoncellostudium am Konservatorium in Prag bei F. Hegenbart. Ab dem 1.8.1879 war er als Cellist am Kroatischen Nationaltheater in Agram tätig. Auf Einladung des Musikvereins Gusle kam er am 20.5.1880 nach Velika Kikinda (Kikinda/SRB), wo er bis zum Frühjahr 1890 wirkte. Er heiratete Ana, die Tochter des Kikindaer Priesters Konstantin Rajković und trat aus diesem Grund zur orthodoxen Kirche über. Sein Trauzeuge war der Rechtsanwalt Milan Petrović, Präsident des Musikvereins Gusle. Die zehn Jahre in Kikinda stellen zugleich T.s schöpferisch ergiebigste Phase dar. In Kikinda wirkte er als Chorleiter von Gusle, als Musiklehrer an der Grundschule sowie als Cellist. Er war einer der Begründer und Redakteur der vom Verein Gusle herausgegebenen Zeitschrift Gudalo [Bogen] und Hauptautor der meisten Beiträge. Er komponierte weltliche und geistliche Chormusik, Kinderlieder, Sololieder, Klavierstücke sowie Werke für andere Instrumente. Zu seinen umfangreicheren Vokal-Instrumentalwerken zählen die Operette Veseli mornari [Die fröhlichen Matrosen], die Kantaten Ciganin [Der Zigeuner] und Kosovka sowie eine Sinfonie. Als Cellist interpretierte er Werke von Julius Röntgen, Moritz Moszkowski, D. Popper und Georg Goltermann. Das Ende seiner Tätigkeit in Kikinda war von persönlichen Enttäuschungen geprägt: 1887 ließ er sich von seiner Frau Ana scheiden, die später seinen Trauzeugen M. Petrović heiratete. Ab dem 1.11.1890 unterrichtete T. in Cetinje/Fürstentum Montenegro (Cetinje/MNE) als Gesangs- und Musiklehrer am Gymnasium, am Priesterseminar und am Mädcheninstitut. Er genoss hohes Ansehen am Hofe von Fürst Nikola I., wo ihm die musikalische Erziehung der fürstlichen Kinder anvertraut wurde. Im Juli 1897 verließ er Cetinje und lebte bis 1902 in Prag. Am 1.6.1902 folgte er dem Ruf des Gesangsvereins in Šabac, wo er bis zu seinem Tod blieb. Dort unterrichtete er Musik am Gymnasium sowie an der Höheren Mädchenschule. Er starb an einer Lungenentzündung und wurde in Šabac beigesetzt.

Werke

(Auswahl) Simfonija [Sinfonie]; Kammermusik (Začinka op. 14 f. V., Harmonium u. Kl.); Klaviermusik (Svatovac [Hochzeitslied] op. 2, Serbische Rhapsodie op. 3, Nekoliko listića iz glasovne zapisnice (Albumblätter) [Einige Blätter aus dem Stimmenbuch] op. 5, Slike i prilike iz dečjeg života [Bilder und Szenen aus dem Kinderleben] op. 8, Mladost radost [Jugend – Freude] op. 9, Dve srpske igre [Zwei serbische Tänze] op. 11, Stručak srpskih popevaka [Ein Sträußchen serbischer Volkslieder] op. 17); Lieder (Đulići I, II [Kleine Rosen], Tri pesme [Drei Lieder] op. 16 f. zwei Frauenstimmen u. Kl., Pupoljci [Knospen] op. 10 f. Kinderstimme, V. u. Kl.); Chöre (Liturgija Sv. Jovana Zlatoustog [Liturgie des hl. Johannes Chrysostomos] op. 12; Crnogorskom vojniku [Dem montenegrinischen Soldaten] op. 18).

Literatur

Autorin

  • Marijana Kokanović Marković

Letzte inhaltliche Änderung

30.10.2025

Empfohlene Zitierweise

Marijana Kokanović Marković, Art. „Tollinger (Tolinger), Robert František“ (30.10.2025), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits (abgerufen am )

Dieser Text wird unter der Lizenz CC BY-NC-SA 4.0 zur Verfügung gestellt. Das Bild-, Film- und Tonmaterial unterliegt abweichenden Bestimmungen; Angaben zu den Urheberrechten finden sich direkt bei den jeweiligen Medien.