T. wuchs unter dem türkischen Namen Songül Beyazgül in einer kurdisch-alevitischen Familie in Varto auf, wo sie als Teenager in türkischen Chören und Gruppen sang. Zum Studium der medizinischen Technik (Prothesen) ging sie an die Univ. Edirne/TR, wo sie sich ihrer kurdischen Identität bewusst und erstmalig mit der kurdischen Musiktradition konfrontiert wurde. T. begann sich fortan der kulturellen Assimilation zu widersetzen. 1991 schloss sie sich als Sängerin dem Mesopotamischen Kulturzentrum in Istanbul/TR, einem Verfechter der kurdischen Kultur, an. Wie viele kurdische Musikerinnen und Musiker war sie bald gezwungen, in den Untergrund zu gehen, im Illegalen zu musizieren und vorwiegend politisch zu agieren. Die kurdische Sprache war in der Türkei zu jener Zeit verboten. 2006 kam sie als politischer Flüchtling nach Österreich, wo sie erstmalig das Singen zu ihrer Hauptbeschäftigung machte. Wien wurde T.s Wahlheimat (Asylbescheid 2010, österreichische Staatsbürgerschaft 2019). Ihr Repertoire setzte sich zusammen aus eigenen Kompositionen, Liedern dreier kurdischer Sprachen und Liedern der türkischen, armenischen und persischen Tradition. 2011 gründete sie gemeinsam mit zwei weiteren kurdischen Musikerinnen, der Pianistin Nazê Îşxan und der Violinistin Nurê Dilovanî, die Formation Trio Mara. 2013 begann sie mit dem Ensemble Anadolu Quartett zu arbeiten und intensiv durch Österreich und Deutschland zu touren. 2015 erfolgte die Gründung des in Wien ansässigen, vom Jazz beeinflussten Ensembles Sakina & Friends gemeinsam mit dem Gitarristen M. Mirarab, dem Violinisten Efe Turumtay, dem Klarinettisten Oscar Antoli und dem Schlagzeuger Jörg Mikula. In ihrer Musik verbindet T. östliche Harmonik und Musiktraditionen mit westlichen, inspiriert von Jazz, klassischer Musik, Chansons und vielem mehr. Mit ihrer Musik ist sie eine Botschafterin ihrer kurdischen Kultur und tritt für die Gleichberechtigung der Frau, Menschenrechte, Toleranz, interkulturelle Verständigung und Akzeptanz ein.
Werke
Alben Royê Mi 2014; mit dem Trio Mara: Deri/Behind the doors 2013; mit dem Anadolu Quartett: Köprü 2015; mit Sakina & Friends: Longing/Bendewari/Intizar 2019.
Literatur
- www.sakinateyna.com (8/2025)
- pers. Mitt. (8/2025)
Abbildungen
Hörbeispiele
Autor
- Emanuel Wenger
Letzte inhaltliche Änderung
23.10.2025Empfohlene Zitierweise
Emanuel Wenger, Art. „Teyna, Sakîna (eig. Songül Beyazgül)“ (23.10.2025), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits (abgerufen am )
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