Schwarz (Švarc, Schwartz), Rikard (Richard, Spitzname: Dundo)

* 20.9.1897 Agram (Zagreb), † Ende 1941? KZ Jasenovac/HR

Komponist, Dirigent, Musikkritiker, Musikschriftsteller

Sch. wurde in eine jüdische Familie in Agram geboren. Sein Vater Ljudevit, Jurist und Politiker, war der erste Abgeordnete jüdischer Herkunft im kroatischen Parlament. Seine musikalische Ausbildung erhielt Sch. am Hrvatski glazbeni zavod [Kroatischen Musikverein] in seiner Heimatstadt (Violine bei Václav Huml, Klavier bei Ernest Krauth, Musiktheorie bei Franjo Dugan und Fran Lhotka). Nach der Matura an einem Realgymnasium begann er 1918/19 auf Wunsch seines Vaters ein Chemiestudium an der Technischen Fakultät in Agram, wechselte jedoch schon 1919 an die Technische HSch. in Wien. Im selben Jahr schrieb er sich als ordentlicher Student an der Wiener MAkad. ein, wo er Musiktheorie (Harmonielehre und Kontrapunkt) bei J. Marx studierte, Klavierunterricht im Nebenfach erhielt er von Franz Joseph Moser (Austritt 24.2.1922). Darüber hinaus besuchte er Vorträge von A. Schönberg und A. Berg und lernte Dirigieren bei L. Kaiser. Die in dieser Wiener Zeit entstandenen Kompositionen stehen unter dem Einfluss der Komponisten der Wiener Schule. 1922 kehrte er nach Zagreb zurück und veranstaltete dort ein Autorenkonzert. Seit 1924 arbeitete er in Osijek/HR als Operndirigent am Kroatischen Nationaltheater, als Chorleiter des Gesangvereins Kuhač, als Lehrer am Städtischen Konservatorium und als Musikkritiker (Die Drau, Kazališni list, Jugoslovenski muzičar und Hrvatski list). Gemeinsam mit dem Dirigenten Lav Mirski dirigierte er oft die Osijeker Philharmonie. Ende 1926 zog Sch. nach Split/HR und begann seine Arbeit an der Oper. In Zusammenarbeit mit der Geigerin Marija Žeželj und der Pianistin Jelka Karlovac gründete er am 1.4.1927 eine private MSch. Er leitete das Orchester und den Chor des Gesangvereins Zvonimir und veranstaltete Symphoniekonzerte der Philharmonie Split. Weiterhin schrieb er Musikkritiken, nunmehr für Novo doba und Jutarnji list. Ab 1927 arbeitete er in Belgrad als Klavier- und Musiktheorieprofessor an der MSch. Stanković, wo er vom 12.11.1929 bis 1937 auch stellvertretender Direktor war. Er war Musiklehrer der Kinder von König Aleksandar Karađorđević. 1934–38 hielt er Vorlesungen über Musikgeschichte an der Kolarčev Volksuniversität. Er schrieb für den Glasnik Muzičkog društva „Stanković“ und gründete 1929 zusammen mit den Komponisten Miloje Milojević und Kosta Manojlović die Zeitschrift Muzika. Außerdem publizierte er u. a. in den Zeitschriften Zvuk, Radio Beograd und Muzičar. 1936 wechselte Sch. nach Novi Sad, wo er bis 1940 als Direktor der MSch. Isidor Bajić tätig war. Dort organisierte er Symphoniekonzerte, bei denen er sowohl als Dirigent als auch als Vortragender auftrat. Im Jahr 1940 wurde er zum Militärdienst eingezogen und nach Sarajevo sowie nach Mazedonien geschickt. Nach dem Aprilkrieg 1941 kam er nach Zagreb, wo seine Familie lebte. Er wurde am 30.6.1941 verhaftet und zum Zagreber Sammellager gebracht, von dort nach Gospić, anschließend ins Lager Slana auf der Insel Pag und später nach Krapje (Jasenovac I) überstellt, wo er vermutlich Ende 1941 ums Leben kam. Sch. schrieb Werke für Orchester, Chor, Kammerensembles, Gesang und Orchester, Sololieder sowie Klaviermusik. 27 seiner Kompositionen sind erhalten.

Werke

(Auswahl): Romantische Symphonie 1938; Klaviermusik (Mali preludij [Kleines Präludium] 1916, Variationen und Fugato über ein Menuetto von Mozart 1922, Albumblatt 1923); Lieder (Mrtvo jezero [Der tote See] f. Alt 1916, U mistične noći [In mystischen Nächten] f. Mezzosopran 1917, Fünf Lieder nach Gedichten aus den „Arabischen Nächten“ 1921); Kammermusik (Sonate in cis-Moll f. V. u. Kl. 1921, Zwei Streichquartette 1919–22 bzw. 1924).

Schriften

  • Arnold Šenberg kao učitelj [Arnold Schönberg als Lehrer] in Glasnik Muzičkog društva „Stanković“ 7 (Oktober 1929)

Literatur

Autorin

  • Marijana Kokanović Marković

Letzte inhaltliche Änderung

27.11.2025

Empfohlene Zitierweise

Marijana Kokanović Marković, Art. „Schwarz (Švarc, Schwartz), Rikard (Richard, Spitzname: Dundo)“ (27.11.2025), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits (abgerufen am )

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