Schrattenbach (Schrottenbach), Familie

Adelsgeschlecht

Ursprünglich aus Franken stammendes Grafengeschlecht, das ab der Mitte des 15. Jh.s in der Steiermark sesshaft war und in eine steirische sowie mährische Linie zerfiel; Freiherren im 16. Jh., ab 1649 Grafen.

Wolfgang Hannibal:* 12.9.1660 Graz, † 22.7.1738 Brünn/Mähren (Brno/CZ). Bischof und Musikmäzen. Bei den Jesuiten auf die geistliche Laufbahn vorbereitet, studierte er 1676/77 in Salzburg und Graz sowie 1677–83 in Rom. 1682 wurde er Domherr zu Olmütz (Olomouc/CZ) und Salzburg, 1688 Priesterweihe. 1699 Salzburger Domdechant, 1703–11 war Sch. Bischof von Seckau und ab 1711 von Olmütz; 1712 Kardinal. 1719–21 regierte er als Vizekönig von Neapel/I (Nachfolger von Johann Wenzel Graf v. Gallas), danach kehrte er nach Olmütz zurück. Unter W. H. wurden in Kremsier italienische Opern und Oratorien aufgeführt, 1729–38 setzte er sich für die Pflege von Oratorien in Brünn ein (wo um 1737 C. Tessarini „direttore della musica instromentale“ war).

Ehrungen

  • wirklicher Geheimrat 1713

Sein Neffe

Sigismund Christoph:* 28.2.1698 Graz, † 16.12.1771 Salzburg. Erzbischof und Musikmäzen. War ab 1706 Zögling in Maria Rast bei Marburg (Maria Ruše/SLO), begann seine akademische Laufbahn 1711 in Salzburg und studierte anschließend Theologie in Rom. 1716 wurde er Domherr in Eichstätt/D und Augsburg/D, 1723 Priesterweihe in Eichstätt. 1731 Kanonikus und 1733 Domherr im Salzburger Domkapitel, 1750 Domdechant. 1753 wurde S. Ch. als Sigismundus III. in der Nachfolge von Andreas Jakob Graf v. Dietrichstein zum Fürsterzb. gewählt. Er galt als großer Freund der Musik und des Theaters, für seine Hofmusikkapelle wurden zahlreiche hervorragende Musiker engagiert (z. B. A. C. Adlgasser, F. und M. M. Lipp, G. Lolli), wobei er vielen Studienaufenthalte in Italien ermöglichte.W. A. Mozart spielte anlässlich seines Geburtstages am 28.2.1763 erstmals bei Hof, 1766 wurde der 10-jährige zum unbesoldeten Hofkonzertmeister ernannt; L. Mozart stieg unter S. Ch. bis zum Vizehofkapellmeister (1763) auf. Für seine Exequien komponierte M. Haydn die große Missa pro defuncto Archiepiscopo Sigismundo in c-Moll (sog. Sch.-Requiem, MH 155). Sein Nachfolger war H. Graf v. Colloredo.

Ehrungen

  • Hofrat u. Geistlicher Rat 1726
  • Geheimrat 1751

Bei S. Ch.s Bruder Franz Anton Xaver (* 5.5.1712 Graz, † 22.5.1783 Baden/NÖ), der als Landeshauptmann von Mähren (1763–70) in Brünn residierte, verbrachte die Familie Mozart den Jahreswechsel 1767/68. Bei jenem Franz Anton Graf v. Sch., von dem 1804 – ohne Verlags- und Ortsangabe (Wien?) – die Sammlung Pièces faciles pour le clavecin ou forte piano im Druck erschien, dürfte es sich um S. Ch.s Großneffen Anton Franz (* 4.4. [3.10.?] 1783 [Ort?], † 12.4.1816 [Ort?]) handeln.

Literatur

Abbildungen

Autoren

  • Alexander Rausch
  • Christian Fastl

Letzte inhaltliche Änderung

15.5.2005

Empfohlene Zitierweise

Christian Fastl, Alexander Rausch, Art. „Schrattenbach (Schrottenbach), Familie“ (15.5.2005), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits, https://dx.doi.org/10.1553/0x0001e19d (abgerufen am )

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