Ryba (Poisson, Peace, Ryballandini, Rybaville), Jakub Šimon Jan

* 26.10.1765 Přeštitz/Böhmen (Přeštice/CZ), † 8.4.1815 Rosenthal/Böhmen (Rožmitál pod Třemšínem/CZ) (Freitod)

Komponist, Lehrer, Chordirigent, Literat

Als Sohn von Jakub R., der Lehrer und wahrscheinlich auch Komponist war, genoss er bei seinem Vater in Nepomuk/Böhmen (Capartice/CZ) seit früher Kindheit Gesang-, Klavier-, Orgel-, Violin- sowie Generalbassunterricht. 1781–84 besuchte er das Piaristengymnasium in Prag, wo er sich im Selbststudium auch dem Violoncello- und Orgelspiel sowie der Musiktheorie widmete. Nach dem Gymnasium war er zuerst als Hilfslehrer in Nepomuk und (seit 1786) in Einsiedel (Mníšek/CZ) angestellt. Am 11.2.1788 wurde er Hilfslehrer und am 23.5.1788 Lehrer und Chorleiter in Rosenthal, wo er bis zu seinem Tod lebte und wirkte.

R., vertraut mit klassischer Dichtung und Philosophie (Catullus, Seneca), Voltaire und Jean-Jacques Rousseau sowie Befürworter der josephinischen Schulreform, gilt als einer der wichtigsten und fortschrittlichsten Lehrer-Kantoren in Böhmen. Neben seiner Lehrtätigkeit widmete er sich intensiv der Komposition. Nach eigener Angabe schuf er, z. T. unter verschiedenen Pseudonymen, insgesamt 1.391 geistliche und weltliche Kompositionen. Seine Werke zeigen dabei eine gelungene Mischung von Einflüssen der Wiener Klassik (W. A. Mozart, J. Haydn) und Elementen des böhmischen Volksgesangs. Besonderer Popularität, die bis in die Gegenwart andauert, erfreute sich seine Weihnachtsmesse Hej, mistře (1796) und eine Serie von Pastorellen auf tschechische Texte, die zugleich den Höhepunkt des Pastoralschaffens in Böhmen bildet. Als einer der ersten Komponisten führte er die tschechische Sprache in das Sololied ein und bemühte sich auch um die Einführung einer tschechischen Musikterminologie. Die kontinuierliche Verwendung der tschechischen Sprache wirkte sich dabei nicht zuletzt auf die Beliebtheit und Verbreitung seiner Werke aus; von R.s hohem Wirkungsgrad zeugt die Tatsache, dass seine Werke in verschiedenen böhmischen und mährischen Musikarchiven überliefert bzw. genannt sind.

Werke

ca. 90 Messen (darunter Hej, mistře 1796, Missa tono pietatis festis mediocribus accomodata in Es-Dur, Prag 1814); 7 Requien, tschechische Lieder u. Chöre, 3 Stabat mater, Motetten, Regina coeli, Salve Regina, Hymnen, Kirchenarien, mehr als 50 Pastorellen (Roztomilý Slavíčku [Herzliebe Nachtigall] f. Sopran, Solofl., Orch. u. Org.; Srdce plesá [Das Herz jubelt] f. Soli, gemischten Chor, Orch. u. Org.), 6 Singspiele u. Pantomimen, Instrumentalkompositionen wie Un Grand Concert f. V. u. Orch., Konzert f. Vc. u. Orch., 2 Quartette f. Fl., V., Va. u. Vc., 2 Streichquartette, Orgelkompositionen (Novae et liberae cogitationes, Autograph im Nationalmuseum Prag).

Schriften

Literatur

Abbildungen

Autorin

  • Dagmar Glüxam

Letzte inhaltliche Änderung

15.5.2005

Empfohlene Zitierweise

Dagmar Glüxam, Art. „Ryba (Poisson, Peace, Ryballandini, Rybaville), Jakub Šimon Jan“ (15.5.2005), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits, https://dx.doi.org/10.1553/0x0001e004 (abgerufen am )

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