Seine erste musikalische Ausbildung erhielt P. bei Wenzel Souschek in Maria-Theresiopel (Subotica/SRB), wo er die Volksschule und die unteren Gymnasialklassen absolvierte. Anschließend besuchte er die Schule in Ketschkemet/Ungarn (Kecskemét/H) und legte 1866 die Matura in Pressburg ab. Er studierte Medizin in Pest und setzte seine musikalische Ausbildung privat fort. Im zweiten Studienjahr (1868) wechselte er nach Prag, wo er weiterhin Musik studierte und zu komponieren begann. P. stand in Kontakt mit F. Smetana, den er in Briefen als seinen Lehrer bezeichnete – ein Hinweis darauf, dass er möglicherweise bei ihm privat Unterricht hatte oder ihm seine Werke zur Begutachtung vorlegte. Er bewegte sich im Kreis der Smetana-Anhänger und veröffentlichte 1872 in der Zeitschrift Hudební listy den Artikel O srbské hudbě [Über serbische Musik]. Im selben Jahr wurde er zum Doktor der Medizin promoviert und ließ sich anschließend in Groß-Kikinda (Velika Kikinda/SRB) nieder, wo er – mit kurzen Unterbrechungen – bis 1881 lebte. Neben seiner ärztlichen Tätigkeit gab er privaten Klavierunterricht, komponierte und organisierte Konzerte. Gemeinsam mit dem Lehrer Toša Knežević gründete er 1873 einen Männerlehrerchor. In Groß-Kikinda arbeitete er eng mit dem Juristen Milan Petrović zusammen, dem Vorsitzenden des 1876 gegründeten Musikvereins Gusle, sowie mit R. Tollinger. Zu Beginn des Serbisch-Osmanischen Kriegs 1876 trat P. freiwillig dem medizinischen Dienst des serbischen Heeres bei. Ab 1881 lebte er fünf Jahre lang in Sombor/SRB, wo er mit dem Musiklehrer und Chorleiter Dragutin Blažek sowie dem Schriftsteller Mita Popović zusammenarbeitete. Für dessen Theaterstück Naši seljani [Unsere Bauern] komponierte P. die Musik. Am 23.11.1885 trat er beim Slawischen Konzert in Kiew/Russland (Kyiv/UA) auf. 1886 übersiedelte er nach Sarajevo, wo er als Arzt praktizierte und gleichzeitig als Pianist und Komponist tätig blieb. Er engagierte sich stark im Serbischen Gesangsverein Sloga [Eintracht], der 1888 gegründet wurde. Ab 1893 lebte er in Agram, wo er am 2.4.1895 einen seiner letzten öffentlichen Auftritte hatte. P. starb im Alter von 54 Jahren an den Folgen eines Herzinfarkts und wurde in der Familiengruft in Groß-Kikinda beigesetzt. Er trat über drei Jahrzehnte lang als Pianist auf – sein erstes Konzert gab er 1863 in Maria-Theresiopel. Aufgrund von Schmerzen in der Hand stellte er seine Konzerttätigkeit in den 1890er-Jahren ein. Sein kompositorisches Werk umfasst v. a. Salonmusik für Klavier (Variationen, Rhapsodien, Kola), die sowohl von politischen Ereignissen als auch von der sentimentalen Bürgerlyrik inspiriert ist, sowie zahlreiche Chorkompositionen. P. war Mitglied der literarischen Abteilung der Matica srpska, des serbischen Gelehrtenvereins.
Ehrungen
- Ehrenmitglied der Serbischen Kgl.en Akad. der Wissenschaften
Werke
(Auswahl) Orchesterwerk Beseda [Gespräch]; Klaviermusik (Bez tebe, draga [Ohne dich, Geliebte], Kolo, Kolo iz Đačkog rastanka [Kolo vom Abschied der Schüler], Srpska molitva [Serbisches Gebet], Crnogorskom vojniku [An den montenegrinischen Soldaten], Srpski zvuci [Serbische Klänge], 12 Rhapsodien); Musik zum Theaterstück Naši seljani [Unsere Bauern] v. M. Popović; Chormusik (Männerchöre: Pri rastanku [Beim Abschied], Brankovo kolo [Brankos Kolo], gemischter Chor u. Kl.: Srpska molitva [Serbisches Gebet], Pesme za Vaskrsenje Hristovo [Lieder zur Auferstehung Christi]).
Schriften
- Beiträge in Zss. u. Ztg.en (Danica, Javor, Matica, Letopis)
Literatur
- V. Đorđević, Prilozi biografskom rečniku srpskih muzičara [Beiträge zum biographischen Lexikon serbischer Musiker] 1950
- A. Vlaškalin, Doktor Jovan Paču i njegov krug [Doktor Jovan Paču und sein Kreis] 1996
- R. Pejović, Srpska muzika 19. veka [Serbische Musik des 19. Jh.s] 2001
- D. Jeremić Molnar, Srpska klavirska muzika u doba romantizma [Serbische Klaviermusik in der Epoche der Romantik] 2006
- M. Kokanović Marković, Društvena uloga salonske muzike u životu i sistemu vrednosti srpskog građanstva u 19. veku [Die gesellschaftliche Rolle der Salonmusik im Leben und Wertesystem des serbischen Bürgertums im 19. Jh.] 2014
- J. Paču, Srpski zvuci. Rapsodije za klavir 1–8 [Serbische Klänge. Rhapsodien für Klavier 1–8], hrsg. v. M. Kokanović Marković 2022
Autorin
- Marijana Kokanović Marković
Letzte inhaltliche Änderung
10.12.2025Empfohlene Zitierweise
Marijana Kokanović Marković, Art. „Paču, Jovan“ (10.12.2025), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits (abgerufen am )
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