Osvald, Antonín Vavřinec (Anton Tuna)

* 12.8.1864 Beraun/Böhmen (Beroun/CZ), † 17.7.1936 Моl/Königreich Jugoslawien (heute SRB)

Dirigent, Komponist und Musikpädagoge

In seinem Geburtsort absolvierte er Volksschule und vier Klassen Bürgerschule. In Prag studierte er an der Landes-Musiklehrerschule sowie im höheren Kompositionskurs (1879–83). Nach dem Studium war er 1883/84 als Zweiter Kapellmeister des IR Nr. 31 in Wien tätig. 1884 kam er nach Altbetsche/Ungarn (Stari Bečej/SRB), wo er als Chorleiter des Serbischen Kirchengesangvereins und als Gesangslehrer wirkte. Als ausgezeichneter Organist spielte er in der katholischen Kirche und gelegentlich auch in der Synagoge. Während eines Gastspiels des Serbischen Nationaltheaters aus Neusatz (Novi Sad/SRB) in Stari Bečej dirigierte er das Orchester. Am 24.4.1899 wurde er zum Kapellmeister des Serbischen Nationaltheaters in Neusatz ernannt, eine Position, die er bis 1911 innehatte. Bedeutend war sein Beitrag zur Arbeit mit Schauspielern, die er im Gesang unterwies, sowie mit dem Orchester. Während dieser Zeit führte er mehr als 30 Bühnenwerke mit Musik auf, von denen er für drei die Musik komponierte: Apoteoza [Apotheose] 1899, Svatovi [Die Hochzeitsgäste] 1901 und Carev glasnik [Der Kurier des Zaren] 1905. In seiner Amtszeit wurden Operetten und die ersten Opern auf der Bühne des Serbischen Nationaltheaters gespielt: Der Freischütz von C. M. von Weber, Les Noces de Jeannette von Victor Massé, Les Dragons de Villars von Louis-Aimé Maillart und Ksenija [Xenia] von V. Parma. 1911 übersiedelte er nach Pantschowa (Pančevo/SRB), wo er Gesang an der Serbischen Höheren Mädchenschule unterrichtete und von September 1912 bis August 1919 Chorleiter des Serbischen Kirchengesangvereins sowie des Serbischen Gesangvereins Venac war. 1920/21 arbeitete er als Musiklehrer am Gymnasium in Pančevo. Anschließend unterrichtete er Musik an den Lehrerbildungsanstalten in Sombor/SRB (1921–1924) und Maria-Theresiopel (Subotica/SRB, 1924–1928), bevor er an die Lehrerbildungsanstalt in Sombor zurückkehrte, wo er 1929 in den Ruhestand trat. Danach war er kurzzeitig wieder am Serbischen Nationaltheater tätig, zog sich aber krankheitsbedingt nach Mol zurück, wo er verstarb.

Werke

Bühnenmusik (Apoteoza 1899 [T: Đorđe Maletić]; Svatovi 1901 [T: Dragutin J. Ilić]; Carev glasnik 1905 [T: Jules Verne, übersetzt von Milan Matejić]); Klavierwerke (Narodno tamburaško kolo [Volks-Tambura-Kolo] f. Kl. zu vier Händen, Poslednji pozdrav [Der letzte Gruß], Sokolsko kolo [Sokol-Kolo], Srpski narodni Miletićev marš [Serbischer Volksmarsch Miletić]); Chorwerke; Lieder; Kinderlieder.

Literatur

Autorin

  • Marijana Kokanović Marković

Letzte inhaltliche Änderung

31.10.2025

Empfohlene Zitierweise

Marijana Kokanović Marković, Art. „Osvald, Antonín Vavřinec (Anton Tuna)“ (31.10.2025), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits (abgerufen am )

Dieser Text wird unter der Lizenz CC BY-NC-SA 4.0 zur Verfügung gestellt. Das Bild-, Film- und Tonmaterial unterliegt abweichenden Bestimmungen; Angaben zu den Urheberrechten finden sich direkt bei den jeweiligen Medien.