Johann Baptist: * 19.10.1807 Neutitschein/Mähren (Novy Jičín/CZ), † 1.7.1878 Neutitschein. Orgelbauer. Sohn eines Häuslers und Messerschmieds. Lebte ab dem zweiten Lebensjahr in Seitendorf (Životice/CZ), wo er auch Geigen- und Flötenunterricht erhielt. Er erlernte zunächst den Beruf des Vaters, baute aber bereits 1822 seine erste Flöte sowie zwei Drehorgeln und ein Jahr später auch ein Orgelpositiv. Ab 1825 erlernte N. den Orgelbau bei Fabian Sebastian Staudinger in Engelsberg (Andělská Hora/CZ). Nach dem Erhalt des Gesellenbriefs 1827 gründete er im selben Jahr in seiner Heimatstadt einen eigenen Betrieb, in der er bis 1870 44 Orgeln baute (15 davon zweimanualig). 1833 heiratete er, und 1836 erhielt er das Bürgerrecht.
Literatur
- J. Arátorová, Hudební život v Novém Jičíně v „dlouhém“ 19. století [Musikleben in Neutitschein im „langen“ 19. Jh.], Diss. Brünn 2010
- Taufbuch 1800–19 der Pfarre Neutitschein, pag. 174
- Sterbebuch 1861–96 der Pfarre Neutitschein, pag. 319
- www.de.wikipedia.org (2/2025)
Sein Sohn
Karl Anton: * 2.11.1844 Neutitschein, † 9.2.1925 Neutitschein. Orgelbauer und Organist. Schüler seines Vaters, Ausbildung auch als Organist. 1860 erhielt er den Gesellenbrief. 1866/67 war er vermutlich bei F. Werner in Graz und J. Loyp in Wien. Ab 1868 arbeitete er in der Werkstätte des Vaters, die er 1870 übernahm und in der Folge entscheidend ausbauen konnte, 1888 wurde sie als Firma im Handelsregister eingetragen. Er war vermutlich in der ganzen Habsburgermonarchie tätig und stand in den 1880er- und 1890er-Jahren in direkter Konkurrenz zu Rieger. N. baute auch Harmonien (1887 Privileg für Neuerungen) und handelte mit Klavieren, spätestens ab 1877 baute er Kegelladen (1878 Privileg für Pedalkegellade mit hängenden Ventilen) und ab den beginnenden 1890-er Jahren – als Erster in Österreich – Röhrenpneumatik (1892 ausgestellt auf der Internationalen Ausstellung für Musik und Theaterwesen und von J. Böhm sowie J. Labor empfohlen). Neubauten aus seiner Werkstätte sind bis 1914 nachweisbar. K. N. war Mitglied der Neutitscheiner Stadtvertretung und spielte auch eine Rolle im musikalischen Leben der Stadt.
Ehrungen
- Goldene Medaille bei der 1. Österr-Schlesischen Gewerbe-, Industrie-, land- und forstwirthschaftlichen Ausstellung Teschen 1880
- Führung des kaiserlichen Doppeladlers 1896
- Silberner Staatspreis Brünn
- weitere Goldmedaillen bei Ausstellungen
Werke
Randegg/NÖ (I/10) 1881, Murstetten/NÖ (I/7) 1884, Kampedell (Campitello di Fassa/I; I/7) 1884, Stixneusiedl/NÖ (I/6) 1892, Loosdorf/NÖ (II/17) 1893, Hagendorf/NÖ (I/8) 1898, Hagenberg/NÖ (I/9) 1898, Perchtoldsdorf (II/26) 1904, Neuhofen an der Ybbs/NÖ (II/18) 1907, Arriach/K (II/16) 1907, Kleinraming/OÖ (II/12) 1908, Neunkirchen/NÖ (II/20) 1909, Hof am Leithaberge/NÖ (II/20) 1910.
Karls Sohn
Franz Karl Maria: * 3.12.1870 Neutitschein, † nach 1921 (Ort?). Orgelbauer. Er musste das Unternehmen 1920 infolge finanzieller Schwierigkeiten auflösen. 1921 arbeitete F. N. bei H. Mertel in Salzburg. Seine Frau Franziska (geb. Wibora) starb in Wien († 10.2.1945). Sein Bruder Johann Nepomuk Rudolf (* 16.4.1872 Neutitschein, † 17.2.1893 Neutitschein) war ebenfalls Orgelbauer.
Literatur
- Taufbuch 1863–80 der Pfarre Neutitschein, pag. 293 u. 355
- www.de.wikipedia.org (2/2025)
Abbildungen
Autor
- Christian Fastl
Letzte inhaltliche Änderung
6.5.2025Empfohlene Zitierweise
Christian Fastl, Art. „Neusser, Familie“ (6.5.2025), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits (abgerufen am )
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