Kämpfte während der Revolution 1848/49 auf Seiten der Ungarn beim Ungarischen Unabhängigkeitskrieg unter Artúr Görgey. Nach dessen Kapitulation am 13.8.1849 wurde er in der Zitadelle von Klausenburg (Cluj/RO) fast 10 Jahre lang inhaftiert. Hier soll er sich als großer Musikliebhaber vom Gefängniswärter einige Hollunderstäbe und ein Messer geliehen haben, aus denen er zahlreiche Hirtenflöten schnitzte. Drei davon gelangen, und er verbrachte seine Gefängniszeit mit Üben auf der Hirtenflöte. Nach seiner Freilassung trat er bald in Ungarn öffentlich auf. Erstmals nachweisbar ist er im April 1859 als Solist im Pester Nationaltheater, wo er mit einer einfachen, angeblich selbstgebauten Hirtenflöte aus Hollunderholz als Virtuose an die Öffentlichkeit trat. Das Instrument, das als das „unstreitig unvollkommenste aller Instrumente (es ist mit sechs Löchern ohne Klappen versehen und faßt nur 2 ½ Octaven)“ (Bll. f. Musik, Theater u. Kunst 11.10.1861, 328) gesehen wurde, beherrschte er mit beeindruckender Virtuosität und Technik. Er konnte Doppeltöne (Grundton und Sext) produzieren und soll auf diese Weise einen Tonumfang von vier Oktaven erzielt haben. Ende September 1861 hielt sich N. im Anschluss an eine Konzertreise durch Russland in Wien auf, Konzerte sind keine nachweisbar. Am 7.10. debütierte er in Pressburg. Danach gab er zwei umjubelte Konzerte in Prag (7. und 13.11.), wo man ihn u. a. mit N. Paganini verglich. In Wien war er erstmals am 16. und 17.11.1861 im Theater an der Wien bei einem Konzert in einer Zwischenpause als Zauberhirtenflöten-Virtuose zu hören. Am 22.11. wirkte er bei einem Benefizkonzert erneut am Theater an der Wien mit. Am 6.12.1861 gastierte er auf der Durchreise nach München in Pilsen. In der Folge tourte er als Virtuose durch Europa und kehrte 1864 nach Wien zurück, wo er in Singspielhallen auftrat. Zuletzt ist er im März 1886 in Lemberg nachweisbar. N. komponierte für sein Instrument auch einige Werke, die er bei seinen Konzerten vortrug.
Literatur
- A. Bauer, 150 Jahre Theater an der Wien 1952, 407
- Süddt. Musik-Ztg. 10.12.1866, 198f
- Innsbrucker Nachrichten 2.4.1859, 638
- Wr. Ztg. 5.4.1859, 1527
- Bll. f. Musik, Theater u. Kunst 24.9.1861, 308, 27.9.1861, 312, 11.10.1861, 328
- Revue Musicale 27.10.1861, 343
- Der Zwischenakt 22.11.1861, 3
- Die Presse 21.11.1861, [10], 1.12.1885, 10
- Laibacher Ztg. 31.1.1865, 99
- Teplitz-Schönauer Anzeiger 7.8.1880, 8
- Kurjer Lwowski 14.3.1886, 4
- Slg. Moißl
- eigene Recherchen (www.anno.onb.ac.at)
Autorin
- Monika Kornberger
Letzte inhaltliche Änderung
16.5.2004Empfohlene Zitierweise
Monika Kornberger, Art. „Nagy, Jakob (Jacob)“ (16.5.2004), in: Österreichisches Musiklexikon, begr. von Rudolf Flotzinger, hrsg. von Barbara Boisits, https://dx.doi.org/10.1553/0x0001dac8 (abgerufen am )
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